Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.10.2016

02:44 Uhr

Jemen

Huthi-Rebellen bilden Gegenregierung

Ein Großteil der Menschen im Jemen ist von ärztlicher Versorgung abgeschnitten. Vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen kämpfen um politische Macht – und fachten den Konflikt am Dienstag mit einem weiteren Schritt an.

Huthi-Anhänger in Sanaa: Bei einer Veranstaltung, mit der die Huthi-Rebellen weitere Kämpfer für diverse Fronten mobilisieren, hält ein Kind eine Waffe. dpa

Huthi-Rebellen im Jemen

Huthi-Anhänger in Sanaa: Bei einer Veranstaltung, mit der die Huthi-Rebellen weitere Kämpfer für diverse Fronten mobilisieren, hält ein Kind eine Waffe.

SanaaDie schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen haben eine Gegenregierung zur international anerkannten Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi gebildet. Dem Kabinett von Adens Ex-Gouverneur Abdel Asis Ben Habtur werden 27 Minister angehören, wie der Oberste Rat der Rebellen am Dienstag mitteilte. Außenminister der Rebellen wird Abu Bakr al-Kerbi, der der Partei des ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh angehört und bereits jemenitischer Außenminister war.

Ben Habtur war am Sonntag vom Obersten Rat der Rebellen mit der Bildung einer "Regierung der nationalen Rettung" beauftragt worden. Die Bildung der Gegenregierung dürfte die Aussicht auf eine politische Lösung des Konflikts weiter verschlechtern.

Krise in Nahost: Der Untergang des Morgenlandes

Krise in Nahost

Premium Der Untergang des Morgenlandes

Der Krieg in Syrien droht sich zu einem Flächenbrand im gesamten Mittleren Osten auszuweiten. Nicht nur die geopolitischen Risiken sind enorm. Die Folgewirkungen des Konflikts könnten auch die Weltwirtschaft lähmen.

Bereits die Gründung des Obersten Rats im Juli, mit dem die Rebellen ihren Anspruch auf die politische Kontrolle des Jemen unterstrichen, hatte einen Monat später zum Abbruch der Friedensgespräche in Kuwait unter UN-Schirmherrschaft beigetragen. Seitdem haben die Kämpfe in dem Land massiv zugenommen.

In dem Konflikt stehen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen und Getreue von Ex-Präsident Saleh der international anerkannten Regierung von Präsident Hadi gegenüber. Diese wird von einer von Saudi-Arabien angeführten arabischen Militärkoalition unterstützt. Trotz massiver Luftangriffe ist es der Allianz bisher aber nicht gelungen, die Huthi-Rebellen aus der Hauptstadt Sanaa und anderen von ihnen kontrollierten Gebieten zu vertreiben.

Zivilisten sterben in belagerter Stadt

Am Montag wurden bei einem Raketenangriff auf die Stadt Tais zehn Zivilisten getötet. Unter den Toten seien mehrere Kinder, teilten Beamte am Dienstag mit. Das Geschoss sei am Vortag in einem bereits mehrfach getroffenen Viertel eingeschlagen. Bilder von toten Kindern in einer riesigen Blutlache machten in sozialen Medien die Runde. Tais wird seit fast einem Jahr von schiitischen Huthi-Rebellen belagert.

Bürgerkrieg: Jemen steht vor einer Katastrophe

Bürgerkrieg

Jemen steht vor einer Katastrophe

Seit zwei Jahren tobt ein Bürgerkrieg im Jemen, in den sich seit März Nachbarstaaten eingeschaltet haben. Eine Untersuchung der Hilfsorganisation Oxfam fördert Erschreckendes zutage – auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Die UN forderten dringend Schutz für Zivilisten und drängten auf mehr humanitäre Hilfen. In 16 der 22 Provinzen des Landes sei die Krankenversorgung entweder völlig ausgefallen oder funktioniere nur noch eingeschränkt, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien. Tausende hätten keinen Zugang zu Ärzten oder Krankenhäusern. „Im 21. Jahrhundert ist das in jeder Hinsicht ungeheuerlich“, sagte er.

Insgesamt wurden in dem Konflikt bereits mehr als 6700 Menschen getötet, ein Großteil davon Zivilisten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×