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21.04.2015

21:39 Uhr

Jemen-Intervention

Saudi-Arabien mobilisiert Nationalgarde für mögliche Bodeneinsätze

Saudi-Arabien erklärt die erste Phase im Jemen für beendet. Nun stehen Evakuierungen und Schutz der Zivilisten im Vordergrund. Die Regierung in Riad mobilisiert die Nationalgarde und könnte zur Bodenoffensive übergehen.

Ein Soldat Saudi-Arabiens überwacht am Militärstützpunkt Najran die Grenze zu Jemen. Eine neue Phase steht im Jemen-Konflikt an. ap

Soldat

Ein Soldat Saudi-Arabiens überwacht am Militärstützpunkt Najran die Grenze zu Jemen. Eine neue Phase steht im Jemen-Konflikt an.

Riad/SanaaKnapp vier Wochen nach Beginn der Luftangriffe hat Saudi-Arabien eine neue Phase des Einsatzes im Nachbarland Jemen angekündigt. Die Operation „Sturm der Entschlossenheit“ sei beendet, weil ihre militärischen Ziele erreicht worden seien, teilte das Verteidigungsministerium in Riad am Dienstagabend mit. Es folge nun eine Operation „Wiederherstellung der Hoffnung“, hieß es weiter. Wie zudem in der saudischen Hauptstadt Riad verlautete, ordnete König Salman die Mobilisierung der Nationalgarde für mögliche Bodeneinsätze an.

Bürgerkrieg im Jemen

Saudi-Arabien beendet Luftangriffe im Jemen

Bürgerkrieg im Jemen: Saudi-Arabien beendet Luftangriffe im Jemen

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Ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis greift seit dem 26. März aus der Luft Stellungen und Waffenlager der schiitischen Huthi-Rebellen an. Die Aufständischen kämpfen gegen sunnitische Milizen und Sicherheitskräfte, die loyal zu dem ins Ausland geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi stehen. Die Huthis wiederum stehen dem Iran nah, der mit Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region wetteifert.

Wie das saudische Verteidigungsministerium weiter mitteilte, geht es bei der Operation „Wiederherstellung der Hoffnung“ darum, Evakuierungen abzusichern, weitere Huthi-Vorstöße zu verhindern und Zivilisten zu schützen. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

Die Mobilisierung der Nationalgarde nährt aber Erwartungen, dass Riad zu einer Bodenoffensive übergehen könnte. Die Luftangriffe brachten bislang kaum Veränderungen am Boden. Sie forderten zudem viele Opfer unter der Zivilbevölkerung. Am Montag hatten die Bombardierungen in der Hauptstadt Sanaa 40 Menschen getötet.

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Die UN hat weitere führende Persönlichkeiten der Huthi-Rebellion im Jemen auf ihre schwarze Liste gesetzt. Faktisch ist damit ein Waffenembargo gegen die Milizen verhängt. Russland enthielt sich im Sicherheitsrat.

Saudische Truppen könnten aber auch eingesetzt werden, um die südliche Metropole Aden und ihre Hafenanlagen zu sichern. Zuletzt war es den örtlichen Pro-Hadi-Milizen gelungen, die vorrückenden Huthis aus Aden zurückzudrängen.

Die US-Regierung dementierte derweil Medienberichte, wonach die US-Flotte vor der Küste des südarabischen Landes aus Sorge vor iranischen Waffenlieferungen an die Huthi-Rebellen verstärkt wird. Der Einsatz habe zum Ziel, den „freien Handelsfluss im Golf von Aden und im Roten Meer“ zu sichern, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest. Die „New York Times“ (Dienstag) und andere Medien hatten zuvor unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtet, aus Sorge vor möglichen Waffenlieferungen seien der Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“ sowie ein Lenkwaffenkreuzer zum Golf von Aden geschickt worden.

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Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Bislang hielten sich zehn US-Kriegsschiffe in den Gewässern vor dem Jemen auf. Ihre Aufgabe sei es, die Schifffahrtswege durch den Golf von Aden offen zu halten und iranische Schiffe zu beobachten, die möglicherweise Waffen in den Jemen bringen könnten, hieß es in der „New York Times“. Der Iran bestreitet, die Huthi-Rebellen mit Waffen auszurüsten.

Earnest erklärte, die USA seien generell über Teherans Unterstützung der Huthis besorgt. Mögliche Waffenlieferungen der Islamischen Republik würden gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrates verstoßen. Das Washingtoner Außenministerium nannte Berichte „völlig falsch“, wonach die US-Marine in der Region iranische Schiffe abfangen solle.

Von

dpa

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