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18.06.2015

04:00 Uhr

Jemen

IS bekennt sich zu Anschlagserie in Sanaa

Mindestens zwei Menschen starben bei einer Anschlagserie in Jemens Hauptstadt. Auch in anderen Teilen des Landes geht die Gewalt weiter - obwohl Friedensgespräche in Genf die Konfliktparteien an einen Tisch bringen.

Über 50 Verletzte

Mindestens zwei Tote nach Anschlagserie in Jemen

Über 50 Verletzte: Mindestens zwei Tote nach Anschlagserie in Jemen

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SanaaBei einer Anschlagserie in Jemens Hauptstadt Sanaa sind am Mittwoch mindestens zwei Menschen getötet und 60 verletzt worden. Das teilte das Gesundheitsministerium des Landes mit.

Unterstützer der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) veröffentlichten im Internet ein angebliches IS-Statement, in dem sich die Organisation zu der Gewalt einen Tag vor Beginn des Fastenmonats Ramadan bekennt. Die Echtheit konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. In dem Text heißt es, vier mit Sprengstoff beladene Autos seien an verschiedenen Orten der Stadt zur Explosion gebracht worden.

Anwohnern zufolge galten die Angriffe einem Büro der schiitischen Huthi-Rebellen, die Sanaa kontrollieren, sowie mehreren Moscheen im Zentrum der Hauptstadt. Dort hätten Unterstützer der Huthis zu diesem Zeitpunkt gebetet; die Sprengladungen explodierten den Informationen zufolge aber außerhalb der Gotteshäuser. Dem mutmaßlichen Statement des IS zufolge wurde auch der Aufenthaltsort eines führenden Huthi-Führers mit einer Autobombe angegriffen.

Selbstmordattentate auf Moscheen

Schon im März waren bei Selbstmordattentaten auf mehrere schiitische Moscheen in Sanaa 142 Menschen getötet und 351 weitere verletzt worden. Zu den Taten bekannte sich ebenfalls die IS-Miliz. Die Extremisten erklärten damals zudem, die Angriffe seien nur "die Spitze des Eisbergs" gewesen.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Die sunnitischen Dschihadisten betrachten die Huthis als Ungläubige. Die Rebellengruppe aus dem Norden des Landes gehört zu den Zaiditen, einer Untergruppe der Schiiten.

In dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel kämpfen schiitische Huthi-Rebellen gegen Anhänger des sunnitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der nach Saudi-Arabien geflüchtet ist. Seit Ende März bombardiert ein saudisch geführtes Bündnis Stellungen der Aufständischen in dem Land. Die Intervention sollte den Vormarsch der Rebellen stoppen und Präsident Hadi zurück an die Macht bringen. Zwar richteten die Angriffe schwere Schäden an, ihre Ziele erreichten sie bisher aber nicht.

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