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03.08.2015

11:55 Uhr

Jemen-Konflikt

Huthi-Rebellen zu politischer Lösung bereit

In einer Fernsehansprache hat Abdelmalek al-Huthi, Anführer der schiitischen Huthi-Rebellen, seine Bereitschaft zu Verhandlungen im Jemen-Konflikt bekräftigt. Voraussetzung hierfür sei eine neutrale Vermittlerpartei.

Der Anführer der Huthi-Rebellen im Jemen zeigte sich offen für Vermittlungen einer „neutralen arabischen oder internationalen Partei“. AFP

Ein Porträt von Abdelmalek al-Huthi (r.)

Der Anführer der Huthi-Rebellen im Jemen zeigte sich offen für Vermittlungen einer „neutralen arabischen oder internationalen Partei“.

SanaaDer Anführer der Huthi-Rebellen im Jemen hat die Bereitschaft zu einer politischen Lösung des Konflikts bekräftigt. „Eine politische Lösung ist immer möglich“, sagte Abdelmalek al-Huthi in einer Ansprache, die in der Nacht zu Montag von seinem Fernsehsender Al-Massira übertragen wurde.

Der Anführer der offiziell Ansarullah genannten schiitischen Bewegung zeigte sich offen für Vermittlungen einer „neutralen arabischen oder internationalen Partei“. Der Verlust der südlichen Hafenstadt Aden durch seine Kämpfer wertete al-Huthi als vorübergehenden Rückschlag.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Al-Huthi äußerte sich am Vorabend eines Treffens zwischen dem US-Außenminister John Kerry und seinen Kollegen der arabischen Golfmonarchien in Katars Hauptstadt Doha. Bei dem Treffen soll neben dem Atomabkommen mit dem Iran auch die Lage im Jemen zur Sprache kommen.

Im Jemen war der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen den Huthi-Rebellen und der Zentralregierung im Januar eskaliert, als die schiitischen Aufständischen aus dem Norden des Landes mit Hilfe verbündeter Armeeeinheiten die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle brachten.

Infobox: Das arabische Krisenland Jemen

Nachbarn

Im Norden grenzt der Jemen an Saudi-Arabien, im Osten an den Oman, im Süden an den Golf von Aden und das Arabische Meer sowie im Westen an das Rote Meer.

Einwohner

Der Jemen mit 26 Millionen Bewohnern gilt als Armenhaus Arabiens. Der Jemen ist circa anderthalb Mal so groß wie Deutschland.

Hauptstadt

Mit knapp zweieinhalb Millionen Einwohnern ist Sanaa die bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Die Stadt ist besonders bekannt für ihre imposante Architektur. Auf einem großen Basar in der Altstadt werden Schmuck, Silber, Teppiche und Lederwaren gehandelt.

Probleme

Im Vergleich zum großen Nachbarn Saudi-Arabien sind Wirtschaft und Infrastruktur schwach entwickelt. Zuletzt war der Jemen zudem von einem erneuten Bürgerkrieg ausgesetzt. Dazu kommt ein gewaltiges Terrorproblem. Al-Kaida nutzt das 530 000 Quadratkilometer große Land als Rückzugsgebiet.

Traditionelle Stammesstrukturen

Jemens schwache Zentralregierung unter Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi hat Probleme, die Macht gegen traditionelle Stammesstrukturen durchzusetzen. Mit dem arabischen Aufstand 2011 wurden die schiitische Huthis als politische Kraft im Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft wahrgenommen. Im vergangenen September eroberten Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa.

Als sie auf Aden vorrückten, floh Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi nach Saudi-Arabien und bat das Königreich um Hilfe. Riad startete daraufhin Ende März mit arabischen Verbündeten Luftangriffe, um Hadi zurück an die Macht zu bringen.

Al-Huthi wies am Montag die Darstellung Saudi-Arabiens zurück, dass die Intervention notwendig zur Sicherung der eigenen Grenze wäre. „Um eure Sicherheit zu gewährleisten, müsst ihr das Prinzip guter Nachbarschaft achten“, sagte al-Huthi. Mit ihren „Verbrechen“ würden die Saudi-Araber „eine Gefahr für den Jemen darstellen“.

Von

afp

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