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31.05.2015

19:21 Uhr

Jemen

Mehrere US-Bürger in Händen der Huthi-Rebellen

Nach Angaben aus Regierungskreisen werden mehrere US-Bürger von Huthi-Rebellen im Jemen festgehalten. Derweil fliegt Saudi-Arabiens Luftwaffe weiter schwere Angriffe gegen Stellungen der Milizen.

Seit mehr als zwei Monaten bombardiert eine Allianz sunnitischer Staaten Stellungen der Huthis, um dem ins Exil geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi wieder zur Macht zu verhelfen. dpa

Krieg im Jemen

Seit mehr als zwei Monaten bombardiert eine Allianz sunnitischer Staaten Stellungen der Huthis, um dem ins Exil geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi wieder zur Macht zu verhelfen.

Washington/SanaaMehrere US-Bürger werden nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington im Jemen festgehalten. Es werde alles dafür getan, um sie zu befreien, sagte am Sonntag ein Vertreter des US-Außenministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Nach Informationen der Zeitung „Washington Post“ befinden sich mindestens vier US-Bürger in der Gewalt der schiitischen Huthi-Miliz in einem Gefängnis nahe der Hauptstadt Sanaa. Das State Departement bestätigte diese Angaben zunächst nicht.

Washington habe Kenntnis von den Berichten, wonach „mehrere US-Bürger kürzlich im Jemen festgesetzt wurden“, sagte der Ministeriumsvertreter. Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz ihrer Privatsphäre wollte er keine weiteren Angaben zur Identität der Betroffenen machen.

Derweil hat die Militärallianz um Saudi-Arabien am Sonntag Augenzeugen zufolge ihre Bombenangriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen fortgesetzt. Es seien unter anderem ein Luftwaffenstützpunkt in der Nähe des Flughafens von Sanaa sowie eine weitere Militäreinrichtung in der Hauptstadt getroffen worden. Der Fernsehsender der Huthis, Al-Masira, berichtete seinerseits von 25 Luftangriffen der Allianz in den Provinzen Saada und Hadscha, die an der Grenze zu Saudi-Arabien liegen. Die Region werde außerdem von Bodentruppen des Königreichs unter Artilleriebeschuss genommen. Eine Stellungnahme der saudiarabischen Behörden lag zunächst nicht vor.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Die „Washington Post“ berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, keiner der im Jemen festgehaltenen US-Bürger stehe im Dienst der Regierung. Drei von ihnen sind demnach in der Privatwirtschaft tätig. Über den vierten Gefangenen hieß es in dem Bericht lediglich, er besitze neben einem US-Pass auch die jemenitische Staatsbürgerschaft.

Nach Informationen der Zeitung sollte einer der Gefangenen, der wegen eines abgelaufenen Visums festgenommen worden war, vor einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Die Rebellen hätten dann aber neue Vorwürfe gegen ihn erhoben und seine Freilassung abgesagt. Die „Washington Post“ berichtete auch über den bereits bekannten Fall eines weiteren US-Bürgers, der vor fünf Jahren wegen Terrorvorwürfen im Jemen verurteilt wurde. Auch er soll sich in der Gewalt der Huthis befinden.

Ein Regierungsvertreter sagte der Zeitung, die Bemühungen um die Freilassung der US-Bürger gestalteten sich schwierig, da Washington keinen direkten Kontakt zu den Rebellen habe. Die US-Regierung sei daher auf die Vermittlung durch humanitäre Gruppen angewiesen, die in der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa aktiv

Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen nahmen im September die im Norden gelegene Hauptstadt ein und rückten rasch nach Süden vor. Seit mehr als zwei Monaten bombardiert eine Allianz sunnitischer Staaten Stellungen der Huthis, um dem ins Exil geflohenen Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi wieder zur Macht zu verhelfen. Saudi-Arabien befürchtet, dass sein Erzrivale Iran durch einen Sieg der Huthis im Jemen auf der Arabischen Halbinsel Fuß fassen könnte.

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