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27.01.2010

11:13 Uhr

Jemen

Terror gedeiht in wirtschaftlicher Not

VonMichael Backfisch

Der Jemen wird ein Rückzugsort für Terroristen bleiben, wenn die wirtschaftliche Not im Armenhaus Arabiens nicht gelindert wird. Darüber sind sich Fachleute vor der heute beginnenden Afghanistan-Konferenz in London einig.

Im Jemen hat das Terrornetzwerk El Kaida kaum Schwierigkeiten, Nachwuchs zu rekrutieren. dpa

Im Jemen hat das Terrornetzwerk El Kaida kaum Schwierigkeiten, Nachwuchs zu rekrutieren.

HB DUBAI. Nach dem gescheiterten Flugzeugattentat von Detroit, dessen Urheber im Jemen vermutet werden, hatten sich die Organisatoren entschieden, auch über die Lage an der Südspitze der arabischen Halbinsel zu sprechen.

Mehr als 60 Prozent der 25 Mio. Jemeniten sind jünger als 24, jeder Dritte ist arbeitslos, die Analphabetenrate liegt bei 60 Prozent. „Angesichts der daniederliegenden Wirtschaft hat El Kaida bei der Rekrutierung leichtes Spiel“, sagt Mustafa Alani vom Gulf Research Centre in Dubai. „Eine Begrenzung auf Antiterror-Maßnahmen kann die Lage zwar kurzfristig leicht verbessern“, betont Gregory Johnsen von der Princeton University. „Aber auf lange Sicht gibt es ohne eine groß angelegte Hilfsaktion keinen Fortschritt.“

Terroristen bietet die Wirtschaftslage einen idealen Nährboden. Die Öleinnahmen, die bis zu drei Viertel des Staatshaushalts ausmachen, brachen von 4,4 Mrd. Dollar in 2008 auf zwei Mrd. Dollar in 2009 ein. Auch Tourismusgelder und Überweisungen von im Ausland lebenden Jemeniten gingen drastisch zurück.

Der seit 1978 regierende Präsident Ali Abdullah Saleh sieht sich zudem verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen gegenüber. Im Norden kämpft die Armee gegen Houthi-Rebellen, eine auf Autonomie bedachte schiitische Sekte. Auch im Süden gibt es Gefechte mit Aufständischen. Der bis 1990 unabhängige Südjemen fühlt sich von der Zentralregierung benachteiligt. Im Landesinneren lassen Stammesfürsten und Islamisten immer wieder Ausländer entführen, um Forderungen wie den Bau von Straßen oder Schulen durchzusetzen. Angriffe von El Kaida machen Salehs Mehrfrontenkrieg komplett: Der Jemen dient Widerständlern als Basis im Feldzug gegen Saudi-Arabien, das seit 2004 eine massive Kampagne gegen Terrorzellen im eigenen Land fährt.

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