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11.04.2016

14:22 Uhr

Jemen

Vereinzelte Kämpfe stören Waffenruhe

Im Jemen gilt seit Mitternacht eine Waffenruhe. Doch einige Einheiten kämpfen weiter, die saudisch-geführte Militärkoalition fliegt vereinzelte Luftangriffe. 21 Millionen Menschen sind derzeit auf Nothilfe angewiesen.

Vereinzelte Kämpfe gibt es noch, andernorts wird die Waffenruhe im Jemen größtenteils eingehalten. dpa

Kämpfe im Jemen

Vereinzelte Kämpfe gibt es noch, andernorts wird die Waffenruhe im Jemen größtenteils eingehalten.

SanaaDie langerwartete Waffenruhe im Jemen ist trotz vereinzelter Kämpfe in den ersten Stunden größtenteils eingehalten worden. Vor allem aus der zentraljemenitischen Großstadt Tais wurden trotz der um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft getretenen Feuerpause anhaltende Kämpfe berichtet. Nach Angaben von Anwohnern hätten die aufständischen Huthi-Rebellen dort Wohngebiete beschossen.

In den Provinzen Tais und Lahdsch habe es zudem Luftangriffe der saudisch-geführten Militärkoalition gegeben. In der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa blieb es Berichten zufolge erst einmal ruhig.

Der UN-Vermittler Ismail Ould Cheikh Ahmed begrüßte den Beginn der Waffenruhe. Er forderte nach Angaben der Vereinten Nationen alle Konfliktparteien dazu auf, das Abkommen einzuhalten. Es sei ein erster Schritt für den Jemen zum Frieden. Es dürfe nicht noch mehr Tote geben, mahnte er. Alle Seiten müssten bereit sein, schwierige Kompromisse einzugehen.

Nach Monaten verheerender Kämpfe gilt die UN-vermittelte Waffenruhe seit 23 Uhr (MESZ) im gesamten Land. Kurz zuvor hatten sowohl die Huthis als auch das saudische Militärbündnis mitgeteilt, diese achten zu wollen. Die Einhaltung der Feuerpause wäre dabei auch wichtiges Signal für die geplanten Friedensverhandlungen am 18. April in Kuwait.

Die wichtigsten Akteure im Jemen

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Im vergangenen September eroberten rund 30.000 Anhänger die Hauptstadt Sanaa, Anfang des Jahres setzten sie dort Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung in deren Häusern fest. Binnen weniger Wochen brachten sie die Westküste und den Süden des Landes unter Kontrolle. (Quelle: dpa)

Abed Rabbo Mansur Hadi

Dem Präsidenten gelang im Februar die Flucht aus Sanaa in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er weiterzuregieren versuchte. Als die Huthis vorrückten, musste der von den USA und Saudi-Arabien unterstützte Staatschef auch seine dortige Residenz verlassen. Sein neuer Aufenthaltsort war zunächst unklar.

Saudi-Arabien

Saudi-Arabien hat als reichster Golfstaat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten. Seit Donnerstag fliegt die Monarchie Luftangriffe gegen Huthi-Stellungen.

Iran

Der Iran versucht hingegen als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen und forderte einen Stopp der militärischen Angriffe Saudi-Arabiens.

Ali Abdullah Salih

Der Ex-Präsident schlug einst Aufstände der Huthis nieder, heute gilt er als heimlicher Verbündeter der Rebellen. Die UN werfen ihm vor, das Chaos im Jemen geschürt zu haben und einen Weg zurück an die Macht zu suchen. Der Langzeitherrscher war nach Protesten gegen ihn Anfang 2012 zum Rücktritt gezwungen worden.

al-Qaida

Al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitischen Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen.

Die schiitischen Huthis kontrollieren große Teile vor allem im Norden und Westen und kämpfen gegen Truppen und Verbündete von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. Seit März 2015 bombardiert die Militärkoalition Stellungen der Rebellen im Land. Nach UN-Angaben sind im Jemen vergangenes Jahr etwa 9000 Menschen ums Leben gekommen - mehr als 3000 davon Zivilisten. Frühere Feuerpausen hatten nicht zu einer Beruhigung des Konflikts führen können.

Internationale Hilfsorganisationen hatten am Sonntag vor einem Scheitern der Waffenruhe gewarnt. Sollte die Feuerpause wieder nicht stabil bleiben, hätte dies katastrophale Auswirkungen, teilten 16 Organisationen – darunter Oxfam, Save the Children und der Norwegische Flüchtlingsrat – in einer gemeinsamen Erklärung mit. Im Jemen seien schon jetzt über 82 Prozent der Bevölkerung – das sind mehr als 21 Millionen Menschen - auf Nothilfe angewiesen.

Von

dpa

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