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19.05.2015

02:04 Uhr

Jemen

Waffenruhe endet mit Luftangriffen auf Huthis

Fünf Tage lang ruhten die Waffen zwischen der saudi-arabisch geführten Koalition und den Huthis im Jemen. Nun schwindet die Hoffnung auf Frieden - und die Uno warnt vor einem strategischen Vorteil für Dschihadisten.

Yemeniten begutachten von Luftangriffen zerstörte Häuser. Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis hat den Beschuss von Huthi-Stellungen wieder aufgenommen. dpa

Zerstörung im Jemen

Yemeniten begutachten von Luftangriffen zerstörte Häuser. Das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis hat den Beschuss von Huthi-Stellungen wieder aufgenommen.

Sanaa/New YorkNach einer fünftägigen Feuerpause ist der Krieg im Jemen in voller Härte wieder aufgeflammt. Saudi-Arabien und seine Bündnispartner nahmen in der Nacht zum Montag ihre Luftangriffe auf die schiitischen Huthi-Rebellen wieder auf.

Schwere Kämpfe wurden vor allem aus den südlichen Städten Aden und Tais gemeldet. Der exilierte jemenitische Außenminister Riad Jassin sagte dem Fernsehsender Al-Arabija, es gebe keine Gespräche für eine Erneuerung der humanitären Feuerpause.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte dennoch die Hoffnung, in naher Zukunft eine Friedenskonferenz einberufen zu können. Ban wolle aber, dass die Kämpfe eingestellt würden, bevor er die Einladungen verschickt, sagte sein Sprecher Farhan Haq.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Ban sprach zudem eine Warnung aus: Der politische Konflikt im Jemen könnte eine Route für Dschihadisten durch den Golf von Aden ermöglichen. In einem am Montag in Umlauf gebrachten Bericht an den UN-Sicherheitsrat wies Ban darauf hin, dass die gesamte Region von der islamistischen Miliz Al-Shabaab bedroht werde. Diese stammt aus Somalia, das auf der vom Jemen aus gegenüberliegenden Seite des Golfs liegt.

Al-Shabaab sei immer aktiver geworden, wie etwa Angriffe in der halbautonomen Region Puntland am Golf von Aden oder durch das Massaker an 147 Studenten der kenianischen Garissa-Universität im April zu sehen gewesen sei, sagte Ban. „Gleichzeitig hat die Krise im Jemen das Potenzial, die Region weiter zu destabilisieren und einen Korridor für dschihadistische Bewegungen durch Somalia zu öffnen“, warnte der Chef der Vereinten Nationen. Der Weltsicherheitsrat wollte am Dienstag über den Bericht debattieren.

Die jemenitischen Gesundheitseinrichtungen hätten inzwischen höhere Opferzahlen gemeldete, die aber „wahrscheinlich zu niedrig sind“: Seit dem 19. März seien 1820 Menschen getötet und 7330 verwundet worden. Hilfsorganisationen schätzten, dass seit Beginn der saudi-arabisch geführten Luftangriffe am 26. März mehr als 545.000 Menschen vertrieben worden seien.

Die USA erklärten, letztendlich sei die einzige Lösung für die Krise im Jemen, zum politischen Dialog wieder zurück zu kehren. Außenamtssprecher Jeff Rathke bescheinigte dem saudi-arabischen Bündnis, in der abgelaufenen Feuerpause Zurückhaltung geübt zu haben, während die Huthi-Rebellen Raketenwerfer an die Grenze gebracht und das Königreich mehrmals beschossen hätten.

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