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26.03.2013

12:48 Uhr

Jeroen Dijsselbloem

Der Euro-Erschütterer

VonDietmar Neuerer

Als Euro-Gruppen-Chef hat sich Jeroen Dijsselbloem bisher nicht mit Ruhm bekleckert. In der Zypern-Frage unterliefen ihm schon zwei schwere Patzer. War es ein Fehler, den unerfahrenen Niederländer zum Mr. Euro zu machen?

Euro-Chef versetzt Märkte in Aufregung

Video: Euro-Chef versetzt Märkte in Aufregung

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BerlinKeine Frage: In diesen unsicheren Euro-Zeiten ist ein verlässliches Krisenmanagement gefragt – insbesondere von der Euro-Gruppe. Dort sind die Länder vertreten, deren gemeinsame Währung der Euro ist. Im Kampf gegen die Schuldenkrise ist das Gremium zur wichtigsten Schaltstelle der Währungszone geworden. Was dort besprochen und entschieden wird, hat großes Gewicht und kann, wenn es falsch kommuniziert wird, für große Verunsicherung an den Märkten sorgen.

Ausgerechnet dem Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, ist genau das unterlaufen: In einem Interview mit Reuters und der „Financial Times“ bezeichnete er die Rettung Zyperns als „Blaupause“ für andere Länder. Kämen Banken künftig ins Trudeln, sei die Hilfe der Euro-Partner nicht automatisch garantiert.

Die europäischen Börsen regierten prompt auf die Drohung: Die Indizes rutschten ins Minus, nachdem sie in Folge der Zypern-Rettung noch Gewinne verzeichnet hatten. Dass Dijsselbloem später, nachdem die Kurse abgestürzt waren, zurückruderte, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Der Niederländer begründete seinen Fauxpas gar damit, dass ihm das englische Wort für Blaupause nicht geläufig sei und er deshalb falsch zitiert wurde. „Das englische Wort template kannte ich noch nicht einmal“, sagte er im niederländischen Fernsehen.

„Banken sollen sich selbst retten“: Euro-Gruppen-Chef sorgt mit Interview für Eklat

„Banken sollen sich selbst retten“

Euro-Gruppen-Chef sorgt mit Interview für Eklat

Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem hat die Märkte mit einem Interview in Unruhe versetzt. Zypern sei ein Modell für den Umgang mit Krisenbanken, ließ er verlauten. Wenig später ruderten die Euro-Länder zurück.

Dijsselbloems Entschuldigung ist nur schwer nachvollziehbar, zumal er gegenüber Reuters seine Position unmissverständlich ausführte und er damit, auch ohne das spezielle englische Wort zu kennen, keine Zweifel daran ließ, was Krisenbanken in anderen Euro-Staaten blühen kann, wenn sie nicht selbst ihre Probleme angehen.

Befragt nach möglichen Folgen für Luxemburg oder Malta, deren Bankensektoren ebenfalls extrem groß sind, sagte der Chef der Euro-Gruppe, der auch niederländischer Finanzminister ist: „Das bedeutet: Klärt das, bevor es zu Schwierigkeiten kommt. Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen.“ Krisenbanken müssten damit ebenso wie ihre Heimatländer damit rechnen, in Zukunft „zurückgestoßen“ zu werden. „Ihr müsst Euch damit beschäftigen“, wandte sich Dijsselbloem an Partnerstaaten in der Euro-Zone. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte dagegen stets betont, Zypern sei ein Einzelfall.

Das Hilfspaket in Kürze

Anlegerschutz

Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung der Abmachung von Mitte März werden Konten mit Guthaben von weniger als 100 000 Euro nicht angerührt. Die geplante generelle Zwangsabgabe auf Konten entfällt.

Endgültige Abmachung

Sie soll im April stehen. Zuvor müssen nationale Parlamente wie in Deutschland noch zustimmen. Die ersten Auszahlungen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM soll es dann im Mai geben.

Umfang

Die Finanzhilfen der Geldgeber umfassen bis zu zehn Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds will sich beteiligen, eine Summe steht noch nicht fest. Im Gespräch ist rund eine Milliarde Euro.

Zyprische Banken

Zypern sichert zu, sein aufgeblähtes Bankensystem zu sanieren und deutlich zu verkleinern. Die zweitgrößte Bank Laiki wird abgewickelt. Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den überlebensfähigen Teil von Laiki.

Später, als die Märkte längst Wind von den leichtfertigen Aussagen Dijsselbloems bekommen hatten, schob der Niederländer eine knappe Mitteilung nach: „Zypern ist ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen“, heißt es darin. Und: „Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Vorlagen genutzt.“ Experten überzeugte das wenig. Für sie ist mit Dijsselbloems ersten Aussagen die „Büchse der Pandora“ weiter geöffnet worden.

Wie die Laiki-Bank abgewickelt wird

Einlagen eingefroren

Die Laiki Bank wird sofort abgewickelt – und zu Teilen der Bank of Cyprus zugeschlagen.. Einlagen über 100.000 Euro und Mittel aus Aktien und Anleihen werden dabei eingezogen. Nur die unversicherten Einlagen über 100.000 Euro werden eingefroren, bis eine Rekapitalisierung erreicht wurde.

Bad Bank

Laiki wird in eine "Bad Bank" und eine "Good Bank" aufgeteilt. Die "Bad Bank" wird langfristig abgewickelt. Die "Good Bank" wird Teil der Bank of Cyprus (BoC). Dabei werden neun Milliarden Euro an offenen Notkrediten bei der Zentralbank eingebracht.

EZB

Die EZB wird der BoC Liquidität bereitstellen.

Rekapitalisierung

Die Rekapitalisierung der BoC erfolgt durch eine Umwandlung der Einlagen über 100.000 Euro in Aktien. Dabei werden die bisherigen Aktionäre und Anleihen-Besitzer voll einbezogen.

Umwandlung

Die Umwandlung erfolgt in der Form, dass bis zum Ende des Programms eine Eigenkapitalquote von neun Prozent erreicht wird.

Versicherte Einlagen

Alle versicherten Einlagen in allen Banken genießen den vollen Schutz der entsprechenden EU-Richtlinien.

Hilfsgelder

Die Hilfsgelder von bis zu zehn Milliarden Euro werden nicht verwendet werden, um die Laiki Bank und die BoC zu rekapitalisieren.

Kommentare (85)

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Ben-Wa

26.03.2013, 12:38 Uhr

Dijsselbloem kann nicht so gut lügen wie Juncker. Das ist ein handwerkliches Handicap. Es ist doch schön, wenn die Menschen dann schneller merken, was genau dieses "politische Projekt" bedeutet...

Account gelöscht!

26.03.2013, 12:45 Uhr

Das ist schon ein Kulturschock zum notorischen Lügner Juncker - ein positiver aber.

Lilly

26.03.2013, 12:45 Uhr

"Schick forderte Dijsselbloem auf, auf seinen deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble (CDU) jetzt entsprechend einzuwirken. „Denn Deutschland stemmt sich nach wie vor gegen eine solche für die Lösung der Krise unabdingbare Kompetenzverlagerung und Schaffung zentraler Krisenmanagementkompetenzen auf europäischer Ebene.“"

Ja, ja, wir wissen, was damit gemeint ist, Firma Grün.
Bankenaufsicht als Voraussetzung für Bankenunion, als Voraussetzung für gemeinsamen Einlagensicherungsfonds für alle €-Staaten sprich alle €-Sparer.

Deshalb ist ja bisher in dieser Richtung nichts weiter geschehen. Es gab dazu einen Brandbrief vom Sparkassen- und Giroverband, Herrn Fahrenschon.

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