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22.03.2017

17:35 Uhr

Jeroen Dijsselbloem

Eurogruppenchef beleidigt Südeuropäer mit Macho-Spruch

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat mit einer sexistischen Bemerkung in südeuropäischen Ländern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.  Inzwischen hat er seine Äußerungen bedauert.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat sich mit einer sehr flapsigen Bemerkung den Zorn der Südländer zugezogen. Reuters, Sascha Rheker

Jeroen Dijsselbloem

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat sich mit einer sehr flapsigen Bemerkung den Zorn der Südländer zugezogen.

RomDer Niederländer Jeroen Dijsselbloem hatte in einem Interview gesagt, dass sich in der Eurokrise die nördlichen Staaten solidarisch mit den Krisenländern gezeigt hätten. „Als Sozialdemokrat halte ich Solidarität für äußerst wichtig. Aber wer sie einfordert, hat auch Pflichten. Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre Unterstützung bitten“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Dieses Prinzip gilt auf persönlicher, lokaler, nationaler und eben auch auf europäischer Ebene.“

Italiens ehemaliger Premierminister Matteo Renzi forderte den Rücktritt Dijsselbloems. „Leute wie Dijsselbloem (...) verdienen nicht die Rolle, die sie einnehmen“, schrieb er am Mittwoch auf Facebook. Je eher er zurücktrete, desto besser sei es. Die Bemerkung des 50-jährigen Eurogruppenchefs nannte er „dumm“. Spanische Politiker bezeichneten die Aussage als „rassistisch und machohaft“.

Der Fraktionsvorsitzende der Sozialisten im Europaparlament, der Italiener Gianni Pitella, nannte die Aussagen „beschämend“. „Ich frage mich wirklich, ob eine Person mit dieser Überzeugung immer noch für fähig gehalten wird, das Amt des Eurogruppenchefs auszuüben.“

Der portugiesische Ministerpräsident Antonio Costa forderte ebenfalls Dijsselbloems Rücktritt vom Vorsitz der Eurogruppe und nannte die Äußerungen des niederländischen Finanzministers „rassistisch, fremdenfeindlich und sexistisch.“ Europa werde als gemeinsames Projekt erst wieder glaubwürdig sein, wenn Dijsselbloem zurücktrete, sagte Costa.

Manfred Weber, Vizechef der CSU und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, twitterte: „In der Eurozone geht es um Verantwortung, Solidarität aber auch um Respekt. Kein Platz für Stereotype.“

Dijsselbloem lehnt einen Rücktritt ab. „Ich habe nicht die Absicht, zurückzutreten“, sagte er am Nachmittag niederländischen Medien. „Ich bedauere, dass meine Aussage missverstanden wurde und ich bedauere, dass es als 'Nord-gegen-Süd' aufgefasst wurde.“ Es tue ihm zudem leid, wenn sich jemand durch seine Äußerungen angegriffen fühle. „Es war direkt, es kann mit der calvinistischen Kultur und niederländischer Direktheit erklärt werden.“

Jeroen Dijsselbloem: Eurogruppenchef will Krisenhilfe neu ordnen

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Eurogruppenchef will Krisenhilfe neu ordnen

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Die Bundesregierung hält sich mit einem Kommentar zurück. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schätze die Arbeit Dijsselbloems als Chef der Eurogruppe sehr, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Berlin. Es werde auch für die nächsten Treffen von einem „voll handlungsfähigen“ Eurogruppenvorsitz ausgegangen. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert wollte sich nicht konkret äußern. Er kenne das Interview nicht im Wortlaut und nicht in der vollen Fassung, sagte Seibert.

Dijsselbloem könnte nach dem schlechten Abschneiden seiner Sozialdemokraten bei der niederländischen Parlamentswahl sein Amt als Finanzminister des Landes demnächst verlieren. Er selbst machte klar, dass er trotzdem wie geplant bis Januar Chef der Eurogruppe bleiben wolle. Im Zweifel müsse die Eurogruppe entscheiden. Schäuble und andere Minister lobten Dijsselbloem ausdrücklich, ließen aber offen, wie es mit dem Vorsitz genau weitergeht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dijsselbloem sich mit Interview-Äußerungen im Ausland Ärger einbrockt. Anfang 2014 bezeichnete er den jetzigen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker in einer niederländischen TV-Sendung als starken Raucher und Trinker. In Griechenland wird ihm zudem eine unnachgiebige Haltung gegenüber dem hoch verschuldeten Land vorgeworfen.

Kommentare (8)

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Herr Heinz Keizer

22.03.2017, 12:11 Uhr

da hat er wohl voll ins Schwarze getroffen. Was sich die Niederländer so erlauben. Erst die Türken verärgern und jetzt auch noch die Südländer. Ist ja völlig unerhört, die Wahrheit zu sagen.

Rainer von Horn

22.03.2017, 14:58 Uhr

Wieder mal ein Beweis, daß man in der Eurozone nicht ungestraft die Wahrheit sagen darf...



:)

Account gelöscht!

22.03.2017, 15:02 Uhr

Eine bessere Steilvorlage und Wahlhilfe konnte Dijsselbloem den FN von Frau Le Pen gar nicht machen. Le Pen hat jetzt noch mehr Munition, für ihren EU und EURO Austritt, bekommen.
Das wahre Gesicht der EU und auch des EURO kommt immer mehr zum Vorschein...ein Gesicht der Macht, der Intrigen, der Selbstgefälligen Eliten, der korrupten Eliten, des Geldes und der Abzocke...der Verachtung der europäischen Völker = über Jahrtausend gewachsener kulturellen Gepflogenheiten/Lebensweisen.

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