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17.12.2012

15:56 Uhr

Jeroen Dijsselbloem

Potenzieller Juncker-Nachfolger mit Blitzkarriere

Der mögliche Nachfolger von Jean-Claude Juncker ist ein Mann der zweiten Reihe: Sozialdemokrat Jeroen Dijsselbloem ist seit kurzem niederländischer Finanzminister. In Den Haag wird der Agrarökonom sehr geschätzt.

Dijsselbloem unterstützt die rigorose Spar- und Reformpolitik. dpa

Dijsselbloem unterstützt die rigorose Spar- und Reformpolitik.

Den HaagEuropa muss vielleicht einen nicht ganz eingängigen neuen Namen lernen: Jeroen Dijsselbloem - sprich: Jeruun Deisselblum. Noch keine 50 Tage ist er niederländischer Finanzminister, und nun wird er bereits als neuer Chef der Eurogruppe und damit Nachfolger des Luxemburgers Jean-Claude Juncker gehandelt. Auch im eigenen Land hätten nur wenige diese Blitzkarriere von dem 46 Jahre alten Sozialdemokraten erwartet.

Dijsselbloem war zwar gut zehn Jahre Abgeordneter in Den Haag. Doch der schlanke Mann mit dem dunklen Lockenschopf war bisher eher ein Mann der zweiten Reihe. Als seine Partei 2010 eine schwere Führungskrise erlebte und in den Umfragen in den freien Fall geriet, übernahm er kommissarisch den Fraktionsvorsitz. Doch ins Rennen um die Parteispitze wollte der Politiker aus Eindhoven sich nicht begeben.

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In gut einem Monat zieht sich Jean-Claude Juncker als Chef der Eurogruppe zurück. Noch ist die Nachfolge offen. Aber jetzt drängt der Vertreter eines kleinen Landes nach vorne, der noch dazu ein Neuling ist.

Der Agrarökonom ist aber einer der „roten Ingenieure“ der Erneuerung der Sozialdemokraten. Er schrieb mit am neuen Parteiprogramm und war auch einer der Architekten des Wahlkampfes, in dem der Partei der Arbeit unter dem Spitzenkandidaten Diederik Samsom ein überraschendes Comeback gelang. Bei der Wahl im September lag sie am Ende knapp hinter der rechtsliberalen VVD von Premier Mark Rutte.

Dijsselbloem ist ein enger Vertrauter von Samsom und war dessen Sekundant bei den Koalitionsverhandlungen mit den Rechtsliberalen. Dass er Anfang November neuer Hüter der niederländische Staatskasse wurde, überraschte dennoch. Zuvor war er Fraktionssprecher für Bildung, Jugend und Integration gewesen. Bei vielen Bürgern war er allenfalls durch seinen Kampf gegen Gewaltvideos bekannt.

Auch als „roter“ Finanzminister unterstützt Dijsselbloem die rigorose Spar- und Reformpolitik im eigenen Land und in Europa. Er werde die „bisherige konsistente Linie fortsetzen“, hatte der frischgebackene Finanzminister angekündigt. „Vielleicht werde ich einen etwas anderen Ton anschlagen.“ Doch wenn es um die Sache gehe, etwa strikte Haushaltsdisziplin, bleibe er „knallhart“.

Journalisten und Politiker in Den Haag schätzen ihn als einen konstruktiven Mann. Er sei angenehm im Umgang und ein guter Zuhörer. Eigenschaften, die er als Chef der Eurogruppe gut gebrauchen könnte. Erfahrung mit Europa hat er allerdings kaum.

Seine neue Aufgabe wäre ein Teilzeitjob. „Das ist eine Funktion, die ein Finanzminister zusätzlich übernehmen kann“, sagte Dijsselbloem in Den Haag trocken. Einziger Nachteil: Seine Partnerin und die beiden Kinder werden ihn wohl noch weniger zu Gesicht bekommen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.12.2012, 19:21 Uhr

Je weniger dieser Mann von Europa versteht, umso besser ist er für den Job geeignet. Und nach 50 Tagen konnten die verbrecherischen Strukturen der EU ihn vermutlich noch nicht einnorden. Ene gute Wahl, wie ich finde.

Schulze

18.12.2012, 19:13 Uhr

Ist das auch ein ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs? Hat das schon mal jemand ermittelt?

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