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16.07.2017

23:32 Uhr

Jerusalem

Gläubige beten wieder am Tempelberg

Nach einem tödlichem Anschlag hat Israel den Tempelberg wieder eröffnet. Am Freitag waren zwei israelische Polizisten und drei israelisch-arabische Angreifer getötet worden. Die Stätte ist für Juden wie Muslime heilig.

Muslimische Gläubige beim Gebet vor der Al-Aksa-Moschee, die nach einem Anschlag von israelischen Grenzpolizisten bewacht wird. AP

Jerusalem

Muslimische Gläubige beim Gebet vor der Al-Aksa-Moschee, die nach einem Anschlag von israelischen Grenzpolizisten bewacht wird.

JerusalemNach der seltenen Schließung des Tempelbergs in Jerusalem und seiner Wiedereröffnung haben Hunderte muslimische Gläubige die heilige Stätte besucht. Etliche Männer haben am Sonntag vor der Al-Aksa-Moschee gebetet. Vor ihnen standen israelische Grenzpolizisten.

Die israelischen Behörden hatten den Tempelberg nach einem tödlichen Angriff geschlossen, bei dem am Freitag zwei Polizeibeamte getötet worden waren. Die drei Angreifer wurden erschossen. Es war die erste Schließung der Stätte seit Jahrzehnten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte nach Beratungen mit seinem Sicherheitsteam bekanntgegeben, dass der Ort ab Sonntagnachmittag unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen wieder zugänglich sein sollte.

Bei dem Anschlag waren am Freitag zwei israelische Polizisten und die drei israelisch-arabischen Angreifer getötet worden. Als Reaktion hatte Israel das Areal geschlossen und damit auch die für Muslime besonders wichtigen Freitagsgebete im Felsendom und der Al-Aksa-Moschee unterbunden.

Der Tempelberg mit der Klagemauer sowie der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom ist Juden wie Muslimen heilig. Der Streit um die Besuchsrechte, also wer den Hügel betreten und dort beten darf, hatte bereits in der Vergangenheit zu Spannungen und Gewalt geführt.

Israel: Polizisten erschießen drei Attentäter auf Tempelberg

Israel

Polizisten erschießen drei Attentäter auf Tempelberg

In Israel sind drei bewaffnete Angreifer am Tempelberg von der Polizei erschossen worden. Die Attentäter hätten Sicherheitskräfte beschossen und mit einem Messer attackiert, sie verletzten zwei Menschen schwer.

Mitarbeiter der für den Tempelberg zuständigen jordanischen Waqf-Behörde hatten sich am Sonntag geweigert, durch die Sicherheitsschleusen zu gehen. Diese stellten eine Änderung des Status quo dar, sagte Scheich Omar Awadallah Kiswani, Direktor der Al-Aksa-Moschee. Die Mitarbeiter durften laut Waqf letztlich an den Schleusen vorbeigehen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am späten Samstagabend angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg zu verstärken. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte zuvor in einem Telefonat mit Netanjahu die tödliche Attacke verurteilt und gebeten, die Schließung der heiligen Stätte zu beenden. Auch Jordanien forderte Israel auf, den Tempelberg umgehend wieder zu öffnen.

Die Zwei-Staaten-Lösung und mögliche Alternativen

Status Quo

Israel hat 1967 unter anderem den Gazastreifen, das Westjordanland und den arabischen Ostteil Jerusalems erobert. Seither kontrolliert es die Gebiete weitgehend. Aus dem Gazastreifen zog Israel 2005 seine Bodentruppen wieder ab. Die Gebiete gelten international als besetzt.

Quelle: dpa

Zwei-Staaten-Lösung

Bisher galt international weitgehend unisono, dass eine friedliche Lösung für den Konflikt zwei Staaten für zwei Völker heißen muss. Dabei soll neben Israel ein unabhängiger und demokratischer Staat Palästina entstehen. Dazu hatte zuletzt etwa Frankreich die Grenzen von 1967 als Basis genannt.

Entmilitarisierter Palästinenserstaat

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte in der Vergangenheit einem entmilitarisierten Palästinenserstaat zugestimmt. Zuletzt sprach er von einem „Staat minus“.

Teilweise Annexion des Westjordanlandes

Israels ultra-rechter Bildungsminister Naftali Bennett fordert eine Annexion der Gebiete des Westjordanlandes, die Israel heute schon komplett kontrolliert. Dies wären rund 60 Prozent der Fläche, auf der nach seinen Angaben mehr als 450.000 Siedler und etwa 80.000 Palästinenser leben. Diese Palästinenser würden israelische Staatsbürger werden. In den restlichen Gebieten erhielten die Palästinenser Autonomie – allerdings keine Armee.

Föderale Lösungen

Eine Art Staatenbund zwischen den Israelis und den Palästinensern – etwa unter Beteiligung von Jordanien, nennt der politische Analyst Kobi Michael als Möglichkeit. Mehr als die Hälfte der Jordanier sind Palästinenser.

Ein Staat

Ein Staat vom Mittelmeer bis zum Westjordanland für Israelis und Palästinenser. „Wenn Israel eine Demokratie bleiben will, müsste es den Arabern die gleichen Rechte geben und ihnen erlauben, sich für Wahlen aufstellen zu lassen“, sagt der palästinensische Politiker Mustafa Barghuti. Doch aufgrund der Geburtenraten könnten die Araber zumindest in der Zukunft die Mehrheit in der Region stellen. Auch der israelische Demograph Sergio DellaPergola sah bereits im vergangenen Jahr die jüdische Bevölkerung in dem Gesamtgebiet in der Minderheit.

Die Täter waren am Freitagmorgen vom Tempelberg gekommen und hatten die Polizisten am Eingang angegriffen. Sie trugen Schusswaffen und ein Messer bei sich. Unklar war zunächst, ob und wie die Männer die Waffen durch die Kontrollen am Eingang gebracht hatten oder ob diese auf dem Tempelberg deponiert gewesen waren.

Bei den Attentätern handelte es sich laut Polizei um israelische Araber, die aus einem Dorf im Norden des Landes stammten. Terrorangriffe von in Israel lebenden Palästinensern, die die israelische Staatsbürgerschaft besitzen, sind eher selten. Die beiden Polizisten waren arabische Drusen.

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