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26.07.2015

18:00 Uhr

Jerusalem

Israelische Polizei dringt in Al-Aksa-Moschee ein

Israelische Polizisten gehen in Jerusalem gegen aufgebrachte Muslime vor und verschaffen sich Zutritt zur Al-Aksa-Moschee. Das kommt nur selten vor – und ist äußerst heikel. Mehrere Beamte werden verletzt.

Israelische Polizisten verschaffen sich nur sehr selten Zutritt zur Al-Aksa-Moschee. Das umliegende Plateau wird von Muslimen als „Haram el-Scharif“ (Edles Heiligtum) verehrt. Auch Juden ist die Stätte heilig. dpa

Einsatz in Al-Aska-Moschee

Israelische Polizisten verschaffen sich nur sehr selten Zutritt zur Al-Aksa-Moschee. Das umliegende Plateau wird von Muslimen als „Haram el-Scharif“ (Edles Heiligtum) verehrt. Auch Juden ist die Stätte heilig.

JerusalemBei Zusammenstößen mit muslimischen Gläubigen in Jerusalem sind israelische Polizisten nach eigenen Angaben in die Al-Aksa-Moschee eingedrungen. Die Beamten seien am Sonntagmorgen einige Meter in die Moschee vorgedrungen, um deren Haupttüren zu schließen, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Er begründete die Aktion damit, dass Dutzende Randalierer aus dem Gebäude heraus Steine, Feuerwerkskörper und anderen Wurfobjekte auf die Ordnungskräfte geschleudert hätten.

Israelische Polizisten verschaffen sich nur sehr selten Zutritt zur Al-Aksa-Moschee. Das umliegende Plateau in der Jerusalemer Altstadt mit der Moschee und dem Felsendom wird von Muslimen als „Haram el-Scharif“ (Edles Heiligtum) verehrt. Auch Juden ist die Stätte heilig, weil sie auf dem im Jahre 70 zerstörten zweiten jüdischen Tempel errichtet wurde. Immer wieder kommt es dort zu religiös motivierten Auseinandersetzungen.

„Es ging nur darum, die Türen zu schließen. Wir haben nicht das Innere gestürmt“, sagte Rosenfeld zu der Polizeiaktion am Morgen. Vier Beamte seien leicht verletzt worden. Festgenommen wurde niemand. Mehrere Randalierer wurden laut palästinensischen Medien durch Tränengas verletzt.

Chronik des Gaza-Konflikts (11.8.)

Erste Woche

8./9. Juli 2014: Nach massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen fliegen israelische Kampfflugzeuge Dutzende Angriffe.

10./11. Juli: Militante Palästinensergruppen nehmen erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ins Visier.

15. Juli: Israel akzeptiert eine von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause. Die Hamas lehnt ab.

Zweite Woche

17. Juli: Nach einer mehrstündigen Waffenruhe beginnt Israel eine Bodenoffensive, um die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen und deren Tunnel im Grenzgebiet zu zerstören.

21. Juli: Um zu vermitteln, treffen US-Außenminister John Kerry und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo ein.

23. Juli: Viele Fluggesellschaften stellen Flüge zum Ben-Gurion-Flughafen wegen des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen vorübergehend ein.

Dritte Woche

26./27. Juli: Eine zwölfstündige Waffenruhe tritt in Kraft. Eine Verlängerung lehnt die Hamas ab, die Angriffe gehen weiter.

30. Juli: Nach dem Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen mit 20 Toten hagelt es Kritik an Israel.

31. Juli: Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel und der Hamas die Verletzung des humanitären Völkerrechts vor.

1. August: Eine Waffenruhe hält nur wenige Stunden. Israel beschuldigt die Hamas, einen Soldaten verschleppt zu haben. Für die Suche nach ihm weitet Israel seine Offensive aus.

3. August: Die Armee erklärt den gesuchten Soldaten für tot. Er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Beim Beschuss einer Uno-Schule sterben nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen. Israel beginnt mit dem Abzug seiner Bodentruppen aus dem Gazastreifen.

Vierte Woche

4. August: Ein Anschlag in Jerusalem überschattet eine von Israel erklärte Feuerpause: Ein palästinensischer Baggerfahrer rammt einen Bus. Ein Passant stirbt, der Attentäter wird erschossen.

5. August: Mit Beginn einer dreitägigen Waffenruhe zieht Israel alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab. Israelis und Palästinenser beginnen in Kairo Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe.

8. August: Nach Ablauf der Waffenruhe feuern militante Palästinenser wieder Raketen Richtung Israel, das mit Luftangriffen reagiert.

10. August: Eine weitere dreitägige Feuerpause tritt in Kraft.

Dutzende muslimische Gläubige hatten die Nacht von Samstag auf Sonntag in der Moschee verbracht, und sich dort auf eine Konfrontation mit der israelischen Polizei am Morgen vorbereitet, wie Rosenfeld und palästinensische Medien übereinstimmend berichteten. Am Sonntag wurden Zehntausende Juden an der Klagemauer unterhalb des Tempelbergs erwartet. Die muslimischen Gläubigen wollten sich dem Vernehmen nach eine Auseinandersetzung mit der israelischen Polizei liefern, sobald diese das einzige Tor für Besucher der Anlage öffnet.

Das von Muslimen und Juden gleichermaßen reklamierte Zutrittsrecht zu dem Areal ist ein ewiger Streitpunkt. Juden und Touristen können das Gelände lediglich durch ein einziges Tor betreten, das von der Polizei kontrolliert wird. Zusätzlich angefacht wurde der Zorn der Randalierer durch ein Internetvideo, das eine jüdische Frau zeigt, die den Propheten Mohammed beleidigt. Der Vorfall hatte sich bereits am Donnerstag nach dem Besuch einer jüdischen Gruppe auf dem Tempelberg ereignet.

Von

dpa

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