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20.08.2016

17:35 Uhr

Jesidin berichtet von IS-Gefangenschaft

„Der Tod ist harmlos im Vergleich zu der Hölle, die wir erlebten“

Nadia Murad ist eine von mehr als 7000 Frauen, die der IS im Nordirak verschleppt, vergewaltigt und verkauft hat. Jetzt wird die 21-Jährige in Deutschland betreut. Sie ist für den Nobelpreis nominiert.

Nadia Murad hat Grausames erlebt. Mit ihrer Geschichte will sie Aufmerksamkeit auf das Leid der Jesiden im Nordirak lenken. dpa

Nadia Murad war IS-Gefangene

Nadia Murad hat Grausames erlebt. Mit ihrer Geschichte will sie Aufmerksamkeit auf das Leid der Jesiden im Nordirak lenken.

StuttgartSie lebt von Stunde zu Stunde – in Tagen oder gar Jahren denkt sie nicht. Sie ist keine alte Frau, hat das Leben noch vor sich. Doch Nadia Murad kann es nicht planen wie andere 21-Jährige. Was die junge Irakerin erlebt hat, lässt sie nicht los. Sie konnte sich aus IS-Gefangenschaft befreien. Sie und ihre ältere Schwester gehören zu den 1100 traumatisierten Frauen und Kindern, die das Land Baden-Württemberg in Sicherheit gebracht hat.

Anstatt sich um die eigene Zukunft zu kümmern, hat Nadia Murad den Kampf gegen den IS-Terror aufgenommen. „Ich will Zeugnis darüber ablegen, was tatsächlich im Irak passiert und welche Verbrechen der IS begeht.“ Die junge Frau bittet als Menschenrechtsaktivistin um Hilfe für ihre immer noch mehr als 3000 verschleppten Leidensgenossinnen; im Dezember 2015 sprach sie sogar vor dem Uno-Sicherheitsrat. Sie ist für den Friedensnobelpreis 2016 nominiert.

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Ihr Schicksal teilt Nadia Murad mit insgesamt 7000 anderen Frauen und Mädchen, die im Nordirak verschleppt wurden. Ihre Leidensgeschichte mit zahlreichen Vergewaltigungen begann auf einem Sklavenmarkt in der Millionenstadt Mossul. „Dort wurde ich verkauft. Blonde, blauäugige und hellhäutige Mädchen waren besonders gefragt“, erzählt sie mit monotoner Stimme und ohne äußerliche Gefühlsregung. Doch der medizinisch-therapeutische Leiter des Hilfsprogramms in Baden-Württemberg, Jan Ilhan Kizilhan, weiß, wie es hinter der Fassade aussieht: „Sie weint viel.“ 

Die junge Jesidin geriet an einen Mann, der sie später weiterverkaufte. Diesem entfloh sie beim Kauf einer Burka. „Ich bin herumgeirrt und einer muslimischen Familie begegnet, vor der ich zunächst große Angst hatte.“ Doch die Familie habe sie überzeugt, dass sie die Islamisten genauso hasst wie sie selbst. Sie erhielt falsche Papiere und kam ausgerechnet unter einer Burka unbehelligt ins kurdische Grenzgebiet, wo sie nach ihrer dreimonatigen Versklavung in einem Lager nahe Dohuk Unterschlupf fand.

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