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13.01.2005

07:50 Uhr

"Jetzt ist die Welt sicherer"

Auch ohne Waffenfund: Bush verteidigt Irak-Krieg

Nach Ansicht von US-Präsident George W. Bush war das militärische Eingreifen der USA im Irak mit weit über tausend Toten allein auf Amerikanischer Seite auch ohne den Fund von Massenvernichtungswaffen „absolut“ wert.

HB WASHINGTON. In einem Interview mit dem US-Sender ABC sagte Bush am Mittwoch, er habe geglaubt, „dass wir Massenvernichtungswaffen finden“. Andere Staaten und die Vereinten Nationen seien auch davon ausgegangen. Zuvor hatte das Weiße Haus einen Pressebericht bestätigt, dass knapp zwei Jahre nach Beginn des Irakkriegs die Suche nach Massenvernichtungswaffen ohne jeden Fund eingestellt worden sei.

Die USA hatten die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Besitz des irakischen Machthabers Saddam Hussein als Kriegsgrund genannt. Auf die Frage der TV-Journalistin, ob der Krieg es denn wert gewesen sei, auch wenn man keine Massenvernichtungswaffen habe finden können, sagte Bush: „Oh, absolut.“ „Wir müssen herausfinden, was beim Sammeln der Geheimdienstinformationen schief gelaufen ist“, sagte Bush nach Angaben des Senders in dem Interview, das erst am Freitag ausgestrahlt werden soll. Und weiter: „Saddam war gefährlich und ohne ihn an der Macht ist die Welt sicherer“

Der Leiter der für die Waffensuche zuständigen Expertengruppe, Charles Duelfer vom Geheimdienst CIA, hatte bereits im September vergangenen Jahres in einem Bericht an den Kongress festgestellt, dass es keine Massenvernichtungswaffen im Irak gebe.

Am Mittwoch hatte die „Washington Post“ unter Berufung auf Mitglieder der Expertengruppe berichtet, dass auf Grund der anhaltenden Gewalt im Irak sowie dem Ausbleiben neuer Informationen die Waffensuche kurz vor Weihnachten eingestellt worden sei. Duelfers vorläufiger Bericht vom September werde nun mit leichten Ergänzungen im Frühjahr als Abschlussreport veröffentlicht.

Lesen Sie auf der folgenden Seite: Zitate zu angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak

Zu angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak hat es diese Äußerungen gegeben:

„Nachrichtendienstliche Erkenntnisse unserer und anderer Regierungen lassen keinen Zweifel, dass das irakische Regime einige der tödlichsten Waffen, die je erfunden wurden, weiterhin besitzt und versteckt.“ (US-Präsident George W. Bush am 18. März 2003)
„Die Kommission hat zu keinem Zeitpunkt während der Inspektionen im Irak Beweise für die Fortsetzung oder Wiederaufnahme von Programmen zum Bau von Massenvernichtungswaffen (...) gefunden....“ (UN-Chefwaffeninspekteur Hans Blix am 5. Juni vor dem Weltsicherheitsrat 2003)
„Der Irak hatte ein Waffenprogramm. Geheimdiensterkenntnisse über das letzte Jahrzehnt haben gezeigt, dass sie ein Waffenprogramm hatten.“ (Bush am 10. Juni 2003)
„Jetzt scheint es, dass die Beweise nicht so solide waren“ (US-Außenminister Colin Powell am 3. April 2004).
„(Auch) wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich genauso gehandelt “. (Bush am 31. August 2004)
„Wir haben keine Massenvernichtungswaffen gefunden.... Warum die Geheimdienste falsch lagen, weiß ich einfach nicht“. (US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am 4. Oktober 2004)

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