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02.02.2011

10:32 Uhr

Joaquín Almunia

„Der Steuerzahler will für die Bankenhilfe eine Gegenleistung sehen"

VonRuth Berschens, Peter Köhler, Thomas Ludwig

Die Bankenkrise kann noch nicht als abgeschlossen gelten, sagt Joaquín Almunia. Im Handelsblatt-Interview spricht der EU-Währungskommissar über die Strukturprobleme der deutschen Banken, darüber, wie nützlich das Privatkundengeschäft für die Banken ist und - und über die Problembank HRE.

Joaquín Almunia: Der Wettbewerbskommissar spricht im Handelsblatt-Interview über in Schieflage geratene Banken. Reuters

Joaquín Almunia: Der Wettbewerbskommissar spricht im Handelsblatt-Interview über in Schieflage geratene Banken.

Herr Kommissar, die Krise hat deutsche Banken hart getroffen. Warum erging es ihnen schlimmer, als beispielsweise den Banken in Frankreich oder Italien?

Joaquín Almunia: Ich halte nichts davon, diese Dinge unter nationalen Gesichtspunkten zu betrachten. Die Finanzkrise begann in den USA und hat schnell auf Europa übergegriffen, mit den bekannten Konsequenzen für viele europäische und natürlich auch deutsche Institute.

HB: In Deutschland waren außergewöhnlich viele Banken betroffen.

Almunia: Wir hatten den Fall der privaten Commerzbank, den Spezialfall des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate und es erwischte verschiedene Landesbanken. Mit Köln-Bonn war auch eine Sparkasse betroffen. Die Banken haben also aus den verschiedensten Gründen Hilfen der öffentlichen Hand erhalten. Die Fälle kann man nicht über einen Kamm scheren.

Der deutsche Bankensektor hat also kein Strukturproblem?

Wir bewerten hier keine Strukturen, sondern die konkreten Geschäftsmodelle einzelner Institute.

Also kann Deutschland an seinem Drei-Säulen-Modell Privatbanken, Genossenschaftsbanken und öffentlich-rechtlichen Banken unverändert festhalten?

Warum denn nicht? In jedem Fall müssen die Deutschen entscheiden. Nach meiner Kenntnis ist keine einzige deutsche Genossenschaftsbank wegen der Finanzkrise in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und bei den Sparkassen gab es auch nur einen Fall. Nur bei den Landesbanken sah es leider anders aus.

Haben die Landesbanken also ein grundsätzliches Problem mit ihrem Geschäftsmodell?

Nochmals, das kann man pauschal nicht sagen, denn die Geschäftsmodelle der Landesbanken sind schließlich unterschiedlich. Und es haben ja auch nicht alle Landesbanken den Staat um Hilfe bitten müssen. Die Helaba hat zum Beispiel kein öffentliches Geld benötigt.

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