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06.12.2013

16:40 Uhr

Jobmarkt

Fed mit Abkehr von Krisenpolitik?

Die US-Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Das könnte die Fed dazu verleiten, die Möglichkeiten zur Drosselung der Konjunkturhilfen auszuloten. Der Dollar legt schon einmal zu.

Die Aussicht auf ein rasches Ende der großen Geldschwemme ließ bei den Anlegern keine schlechte Laune aufkommen. dpa

Die Aussicht auf ein rasches Ende der großen Geldschwemme ließ bei den Anlegern keine schlechte Laune aufkommen.

Washington/BerlinDie spürbare Erholung am Arbeitsmarkt lässt ein Ende der ultra-lockeren Geldpolitik in den USA näherrücken. Im November sank die US-Arbeitslosenquote auf sieben Prozent - das niedrigste Niveau seit fünf Jahren. Zugleich entstanden 203.000 neue Stellen und damit mehr als erwartet, wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte. Der robustere Jobmarkt bietet der Notenbank Raum, ihre Konjunkturhilfen zu drosseln, die in den vergangenen Monaten auch maßgeblich zur Rekordjagd an den Börsen beigetragen haben. Wahrscheinlich wird die Federal Reserve bis zum Frühjahr handeln, wohl aber noch nicht im Dezember, wie Experten meinen. Das Fed-Führungsmitglied Charles Plosser drückt dabei aber aufs Tempo: "Wegen der Erholung sollte die Möglichkeit ausgelotet werden, das Tempo der Konjunkturhilfen zu drosseln", sagte der Chef der Fed-Bezirks von Philadelphia.

Nach der Krise ist vor der Krise

Wie geht es an den Börsen weiter?

Anleger haben den Haushaltsstreit abgehakt – vorerst. Trotz der Freude über die Übergangslösung in letzter Minute hätten viele Anleger bereits die künftige Entwicklung im Blick, erklärt Experte Desmond Chua von CMC Markets: „Der Kompromiss bringt nur wenig Zeit, bevor es erneut zu einem Debakel kommen kann.“ Das fröhliche Treiben an den Börsen werde fortgesetzt, die Probleme ausgeblendet, meint Analyst Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler. Die Frage ist nur, wie lange noch. Aus Sicht des Ökonomen Torsten Schmidt vom Essener Forschungsinstitut RWI sind Verbraucher und Investoren bereits nachhaltig verunsichert.

Sind die Probleme gelöst?

Der Kompromiss zur Entschärfung des US-Finanzstreits ist keine Dauerlösung. Die Erhöhung der gesetzlichen Schuldengrenze, ohne die der Supermacht das Geld ausgegangen wäre, stellt die Finanzierung nur bis zum 7. Februar sicher. Der Übergangshaushalt, der die öffentliche Verwaltung am Laufen hält, ist sogar nur bis zum 15. Januar gültig. Dann droht erneut der Stillstand. Das heißt: Schon in den nächsten Wochen müssen sich Republikaner und Demokraten auf eine längerfristige Lösung einigen. Die Fronten bleiben jedoch verhärtet, so dass der Stress für die Anleger schon bald wieder losgehen wird.

Wie lange reicht die Geduld der Investoren?

Trotz Einigung in letzter Minute – die Supermacht ist angezählt. „Der Schaden für die USA und ihre Glaubwürdigkeit ist beträchtlich“, meint Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. „In den kommenden Tagen und Wochen wird die Diskussion aufkommen, ob die USA noch uneingeschränkt als Hort der Sicherheit einzuschätzen sind – und das zu Recht“, sagt auch Metzler-Experte Sachs. Sollte das Vertrauen in amerikanische Anlagen schwinden, hätte das auch erhebliche Folgen für deutsche Sparer.

Was bedeutet das für Lebensversicherungen?

Das Geld der Lebensversicherungen steckt vor allem in festverzinslichen Wertpapieren mit guter Bonität, beispielsweise deutschen Staatsanleihen oder US-Bonds. Sollten ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA aufkommen, müssten sich die Lebensversicherer von den US-Anleihen trennen. Bei einer Flucht der Investoren in Bundesanleihen würden deren ohnehin schon mickrigen Renditen aber noch weiter sinken. Das dürfte den Druck auf die Lebensversicherer weiter verstärken. Viele Anleger erhalten bereits heute weit weniger Geld als sie sich ursprünglich beim Abschluss ihres Vertrages erhofft hatten.

Was steht Sparern bevor ?

Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, weil die Notenbanken die Zinsen auf Rekordtiefstände gesenkt haben. Mit ihrer Geldflut wollen die Währungshüter die Konjunktur ankurbeln. Ein rascher Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes ist angesichts der schwachen Konjunktur in Europa kein Thema. Bei der US-Notenbank könnte sich der geplante Anfang vom Ende des Billiggelds wegen der Folgen des Haushaltsstreits verzögern. „Die Fed muss nun erst einmal abwarten. Das wird für neue Unsicherheit an den Weltmärkten sorgen“, meint Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance. Die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) schätzt den ökonomischen Schaden durch den zweiwöchigen Zwangsurlaub in der öffentlichen Verwaltung auf 24 Milliarden Dollar. Erste Ökonomen haben bereits die Konjunktur-Prognosen für die USA gesenkt.

Die Aussicht auf ein rasches Ende der großen Geldschwemme ließ bei den Anlegern jedoch keine schlechte Laune aufkommen: Die Kurse an der Wall Street stiegen zu Handelsbeginn wieder und auch der Dollar legte zum Euro zu. In Frankfurt zog der Dax ebenfalls an. Die Fed pumpt derzeit Monat für Monat mit dem Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren 85 Milliarden Dollar in die Wirtschaft. Experten rätseln weiter, wann der Zeitpunkt für ein Eindämmen der Geldflut kommt. Die nächste Möglichkeit dazu ergibt sich am 18. Dezember, wenn der für die Geldpolitik zuständige Offenmarktausschuss der Notenbank zu seiner Zinssitzung zusammenkommt. "Die Zahlen waren nicht so gut, dass man jetzt davon ausgehen müsste, dass schon im Dezember mit der Drosselung der Anleihekäufe begonnen werden muss", meint Rainer Sartoris, Analyst bei der Bank HSBC Trinkaus.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

06.12.2013, 17:54 Uhr

Von wem diese Propaganda kommt, steht ja leider nicht dabei, aber das Ganze erinnert mehr an einen Wunschtraum der Politik als an die Realität.
Obwohl es mittlerweile bekannt sein dürfte, dass die USA seit etwa der Mitte dieses Jahres die Bewertungskriterien ihrer Statistiken geändert haben, wird darüber nie geschrieben. Und obwohl es bekannt ist, dass die USA jede nur erdenkliche Statistik fälschen um genau solche Nachrichten zu verbreiten, wird auch das von den Medien und letztendlich von den Märkten einfach ignoriert.
Alles frei nach dem Motto, wir basteln uns unsere eigenen positiven Nachrichten, so wie es uns gefällt. Nunja, bei dem Großteil der Bevölkerung kommt soetwas natürlich an, bis dann eines Tages das böse Erwachen kommt.

Berthold

06.12.2013, 18:22 Uhr

Die Erhöhung des Leitzinses ist ja geplant - unabhängig von gelogenen Daten vom Arbeitsmarkt oder von sonst wo her....
Der damit erfolgende weltweite Crash ist auch geplant.
Bisher aufgeschoben - aber bald ist es soweit...
Und die Menschen schlafen weiter und glauben all die Lügen welche tagtäglich über die Medien verbreitet werden...

Account gelöscht!

06.12.2013, 18:40 Uhr

WIE oft wurde schon dieser Mumpitz nun berichtet? Seit wie vielen Monaten oder sogar Jahren? Was ist seitdem daran geändert worden?

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