Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.04.2015

08:22 Uhr

John Brennan zum Atomdeal

CIA-Chef stützt Obamas Iran-Strategie

Viele Republikaner in den USA sind erzürnt über die Atomverhandlungen der eigenen Regierung mit dem Iran. Rückendeckung bekommt Präsident Obama dagegen vom CIA-Chef. Der nennt Kritik an dem Deal „unaufrichtig“.

Der CIA-Chef lobt den Iran für dessen Zugeständnisse. Reuters

John Brennan

Der CIA-Chef lobt den Iran für dessen Zugeständnisse.

WashingtonDer Chef des US-Geheimdienstes CIA, John Brennan, hat die Kritik an der Atomvereinbarung mit dem Iran mit scharfen Worten zurückgewiesen. Diejenigen, „die sagen, dass diese Vereinbarung dem Iran den Weg zu einer Bombe bereitet, sind aus meiner Sicht vollkommen unaufrichtig, wenn sie die Fakten kennen, verstehen, was für ein (Atom-)Programm benötigt wird“, sagte Brennan bei einer Veranstaltung an der US-Eliteuniversität Harvard.

Die Einigung mit Teheran beinhalte nicht nur einen Stopp der Anreicherung von Uran und Plutonium, sondern auch sehr strenge Inspektionen der iranischen Atomanlagen, sagte Brennan. „Ich bin ganz sicher angenehm überrascht, dass die Iraner so vielem zugestimmt haben.“ Dies betreffe auch die Verringerung der Zahl ihrer Zentrifugen und ihres radioaktiv angereicherten Materials. „Junge, niemand hätte am Anfang je gedacht, dass sie das tun würden“, fügte der CIA-Chef hinzu. Ein solideres Abkommen habe nicht erzielt werden können.

Wo der Iran Uran anreichert

Natans

Seit 2007 wird in der unterirdischen Anlage südöstlich von Teheran schwach angereichertes Uran (bis fünf Prozent) produziert. Das Material wird in Atomkraftwerken zur Stromgewinnung eingesetzt. Bis August 2013 hatte der Iran 9704 Kilo angehäuft – deutlich mehr, als das Land auch später für sein einziges AKW in Buschehr bräuchte. Zudem installierte Teheran dort eine neue Generation von Zentrifugen, die deutlich schneller mehr anreichern können. Laut IAEA sind bisher rund 1000 neue Zentrifugen einsatzbereit, aber noch nicht in Betrieb.

Fordo

Im Jahr 2009 gab Teheran die Existenz der lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Die Fabrik wurde in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom gebaut. Hier wird auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran produziert.

Parchin

Bisher verweigerte der Iran Inspekteuren den erneuten Zugang zu der Militäranlage südöstlich von Teheran. Die IAEA geht davon aus, dass dort im Jahr 2000 ein Reaktorbehälter installiert wurde. In Parchin wurden möglicherweise Tests mit Atomsprengköpfen simuliert. Der Iran dementiert das. Seit die IAEA Anfang 2012 Zugang forderte, wurden Gebäude abgerissen, Material weggebracht und der Boden umgegraben.

Buschehr

Im August 2010 wurde in der Stadt am Persischen Golf Irans erstes AKW mit Brennstäben aus Russland eröffnet. Nach Verzögerungen ging der Leichtwasserreaktor rund ein Jahr später in Betrieb.

Isafahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung steht die Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Im Westen Irans soll seit 2006 eine Anlage zur Herstellung von schwerem Wasser in Betrieb sein, der dazugehörige Schwerwasserreaktor ist noch im Bau. In Schwerwasserreaktoren fällt Plutonium an, das für die Waffenproduktion verwendet werden kann. Damit könnte sich der Iran einen zweiten Weg für die Produktion einer Bombe eröffnen.

Brennan zeigte jedoch Verständnis für die Sorge, der Iran könne nach einer Lockerung der internationalen Sanktionen gegen das Land „in der Region mehr Probleme“ bereiten. Das Abkommen sorge aber immerhin dafür, dass der Iran keine Atomwaffen herstellen könne.

Die fünf Uno-Vetomächte und Deutschland hatten sich in der vergangenen Woche im schweizerischen Lausanne mit dem Iran auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das dem Land die friedliche Nutzung der Kernenergie ohne die Möglichkeit zur Herstellung von Atomwaffen erlauben soll. Bis Ende Juni soll ein finales Abkommen stehen. Hält sich der Iran an die Vorgaben, sollen die internationalen Sanktionen aufgehoben werden. Scharfe Kritik an dem Rahmenabkommen kam unter anderem von der israelischen Regierung.

Nuklearabkommen: Iraner bejubeln Einigung im Atomstreit

Nuklearabkommen

Iraner bejubeln Einigung im Atomstreit

Die Menschen im Iran strömen für Feiern und Autokorsos auf die Straßen. Sie freuen sich über das Ende der Wirtschaftssanktionen. Der israelischen Regierung ist das Abkommen zwischen dem Iran und den USA ein Dorn im Auge.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×