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28.10.2014

06:56 Uhr

John Cantlie

IS zeigt Propagandavideo mit britischer Geisel

Der IS hat die britische Geisel John Cantlie offenbar gezwungen, im Stil eines westlichen Reporters Propaganda zu verbreiten. Demnach sei die Stadt Kobane schon fast ganz in der Hand der Terrorarmee.

Ausschnitt des Propagandavideos: Von einer „Drohne der Armee des Islamischen Staates“ aus aufgenommen. AFP

Ausschnitt des Propagandavideos: Von einer „Drohne der Armee des Islamischen Staates“ aus aufgenommen.

DüsseldorfDie Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat ein weiteres Propagandavideo mit der britischen Geisel John Cantlie veröffentlicht – angeblich aus der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien. Die Stadt sei schon fast ganz in der Hand der IS-Kämpfer und es gebe keine kurdischen Verteidiger oder Peschmerga-Kämpfer, behauptet der seit 2012 entführte Journalist in dem am Montag im Internet veröffentlichten Video.

Berichte westlicher Medien über schwere Kämpfe und hohe Verluste des IS seien falsch. Sie würden sich nur auf Angaben kurdischer Kommandeure und des Weißen Hauses stützen, die nicht an der Wahrheit interessiert seien.

Das Video erscheint professioneller gemacht als frühere Mitteilungen des IS und beginnt mit einer Luftaufnahme der Stadt, die laut Einblendung von einer „Drohne der Armee des Islamischen Staates“ aus aufgenommen sei. Der 43-jährige Cantlie imitiert den Stil westlicher TV-Reporter und behauptet, die US-Luftangriffe hätten lediglich den Einsatz schwerer Waffen durch die IS-Kämpfer behindert. Deshalb würden sie die Stadt im Häuserkampf einnehmen.

Die kurdischen Kämpfer im Überblick

Peschmerga

Im Irak stellt sich vor allem die Peschmerga den Dschihadisten entgegen, um die kurdische Autonomieregion im Norden zu schützen. Der Name der Armee bedeutet in etwa „Jene, die dem Tod ins Auge sehen“. Die Streitkräfte gingen aus bewaffneten Einheiten insbesondere der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) im Nordirak hervor. Experten gehen von etwa 130.000 bis 200.000 Kämpfern aus. Viele unterstehen der kurdischen Regionalregierung.

YPG

In Nordsyrien kämpfen derzeit insbesondere die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) gegen die IS-Extremisten. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden und wollen ihre drei „autonomen Kantone“ schützen, die nach dem Rückzug der syrischen Regierungstruppen in den überwiegend von Kurden bewohnten Regionen errichtet wurden.

PKK

Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist und auch in europäischen Ländern und den USA auf der Terrorliste steht. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen.

Tatsächlich ist es dem IS bisher nicht gelungen, die Stadt ganz einzunehmen und die kurdischen Verteidiger zu besiegen. Es ist bereits das sechste IS-Video mit Cantlie. Seit August hat der IS Videos von der Hinrichtung zweier amerikanischer und zweier britischer Geiseln veröffentlicht.

Die Kurden in Nordsyrien haben unterdessen einen weiteren Versuch der Terrormiliz vereitelt, Kobane von der Außenwelt abzuschneiden. Im Norden Kobanes hätten sie einen Angriff der Terroristen abgewehrt, sagte Kurden-Sprecher Idriss Nassan am Montag. Zugleich warteten die Verteidiger der Stadt weiter auf die Verstärkung von kurdischen Peschmerga aus dem Nordirak. Rund 150 Kämpfer mit neuen US-Waffen sollen die syrischen Kurden gegen die Extremisten unterstützen.

Kobane liegt an der syrisch-türkischen Grenze in einer kurdischen Enklave, die bereits größtenteils vom IS beherrscht wird. Nördlich der Stadt gibt es noch eine Verbindungsroute in die Türkei. Der IS hatte bereits am Wochenende versucht, diese zu kappen. Die Extremisten stehen nur noch knapp 700 Meter vom Grenzübergang entfernt. Sollte sie ihn erobern, könnten weder die Peschmerga-Kämpfer noch Nachschub nach Kobane gelangen.

Die heftigen Kämpfe zwischen beiden Seiten gingen auch am Montag weiter. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte feuerte der IS Raketen auf Kobane und das Grenzgebiet.

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