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29.07.2017

13:55 Uhr

John McCain

Donald Trumps gefährlichster Gegner

VonFrank Wiebe

John McCain besitzt etwas, was Donald Trump fehlt: ein moralisches Rückgrat, Glaubwürdigkeit und klare Grundsätze. Nun geht er auf Konfrontation mit dem US-Präsidenten – zum Glück für die USA. Ein Kommentar.

Trump und Republikaner kassieren Schlappe

US-Senat stimmt erneut gegen Obamacare

Trump und Republikaner kassieren Schlappe: US-Senat stimmt erneut gegen Obamacare

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New YorkIm August wird er 81 Jahre alt. Vor einigen Wochen schien er bei einer Anhörung im Senat den Faden zu verlieren und völlig unkonzentriert zu sein. Kurz danach wurde ein Gehirntumor gefunden und operiert. Gleich danach kehrte John McCain pflichtbewusst zurück in den Senat.

In den Augen der Amerikaner ist jemand, der Opfer für sein Vaterland erbringt, ein Held. So gesehen war McCain schon lange einer. Er wurde im Vietnam-Krieg als Soldat gefangen genommen und gefoltert. Donald Trump, der statt Opfer fürs Vaterland zu geben von Steuervorteilen profitiert hat, sprach ihm das Heldentum ab. Nach der Logik: In Gefangenschaft zu geraten ist keine Errungenschaft und deswegen auch keine Heldentat. Viele konservative Amerikaner haben Trump das übel genommen – aber ihn trotzdem gewählt.

Jetzt ist McCain wieder ein Held. Er beweist etwas, was nicht nur Trump, sondern auch vielen konservativen Politikern fehlt: klare Grundsätze, Glaubwürdigkeit, moralisches Rückgrat.

Als Trump Mitte der Woche, um seine Fans zu unterhalten, per Twitter verkündete, künftig dürften Transgender nicht mehr im Militär dienen, hielt der 80-jährige Senator aus Arizona dagegen. Jeder, der Amerika verteidigen will, sei willkommen, ließ er verlauten. McCain ist Patriot und schätzt Patrioten unabhängig von ihrer geschlechtlichen Orientierung.

Im Abstimmungsmarathon über die Gesundheitsreform zeigte McCain eine klare Vorstellung davon, wie Politik ablaufen sollte. Er setzte mit seiner Stimme durch, dass über das Vorhaben Gespräche beginnen konnten, blockierte aber im entscheidenden Moment, als statt der Gespräche doch ein gesetzgeberischer Schnellschuss durch den Senat gepeitscht werden sollte.

Seine Logik ist unbestechlich: Die Republikaner sind angetreten, Obamacare, das bisherige System zur Krankenversicherung, durch etwas besseres zu ersetzen. Sie sind nicht angetreten, es ohne Ersatz oder mit einem kaum durchdachten Konzept abzulösen. Eigentlich selbstverständlich, aber es braucht einen Kriegshelden, um in dem Punkt für Anstand zu sorgen.

McCain hat auch früher schon bewiesen, dass er einen eigenen Kopf hat. Als unter der Regierung von George W. Bush Amerika unter dem Eindruck des Terrorangriffs im September 2001 und mit Hilfe findiger Juristen auf moralische Abwege geriet, hielt der Senator ebenfalls dagegen. Die Regierung schaffte es, Folter zuzulassen, indem sie sie, ähnlich wie in Orwells Roman „1984“, einfach nicht als Folter bezeichnete. McCain, der selber in Vietnam gefoltert wurde, sprach Klartext: Folter ist nicht nur unmoralisch, sie bringt auch meist nichts, weil die Opfer im Zweifel irgendwas erzählen, damit bloß die Schmerzen aufhören.

Außerdem hatte McCain keine Scheu, sich mit der linken Senatorin Elizabeth Warren zusammenzutun und eine Trennung von kommerziellem Bankgeschäft und Investmentbanking vorzuschlagen. Man muss dieses Konzept nicht für praktikabel halten. Aber daraus spricht eine klare Haltung: Unternehmen sollten Amerika dienen, und nicht die amerikanische Regierung geschäftlichen Interessen. Allein damit gerät er schon in Konfrontation zum Geschäftsmann Trump, der sich in seiner Regierung mit lauter Geschäftsleuten umgibt.

Es gut für Amerika, dass es John McCain gibt. Hoffentlich noch viele Jahre.

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