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17.09.2012

16:45 Uhr

John Taylor

„Die Fed wird aussteigen müssen“

VonAstrid Dörner

Die Finanzwelt feiert den Kurs der US-Notenbank. Doch nicht alle feiern mit. Der Ökonom John Taylor, möglicher Nachfolger von Fed-Chef Ben Bernanke, erklärt im Handelsblatt-Interview, warum der Fed-Kurs gefährlich ist.

US-Wirtschaftsprofessor John Taylor ist nicht begeistert von der Geldpolitik der Fed. Reuters

US-Wirtschaftsprofessor John Taylor ist nicht begeistert von der Geldpolitik der Fed.

New YorkProfessor Taylor, was halten Sie von der Entscheidung der Federal Reserve, die US-Wirtschaft mit einer dritten Runde quantitativer Lockerung zu stimulieren?

Ich glaube, das war die falsche Entscheidung. Ich bin schon seit 2009 sehr skeptisch, was die quantitative Lockerung angeht. Die Fed hätte lieber Wege verkünden sollen, wie sie schrittweise aus diesen ungewöhnlichen Programmen aussteigen will. Stattdessen versucht sie, weiter zu stimulieren. Ich glaube, die Fed steuert in die falsche Richtung.

Wie riskant ist die Fed-Entscheidung?

Das ist wie eine Kosten-Nutzen-Analyse: Der Nutzen erscheint mir gering, vielleicht sogar vernachlässigbar. Risiken gibt es eine ganze Reihe: In Zeiten von quantitativer Lockerung sind die Entscheidungen der Fed unvorhersehbar. Niemand weiß, was als Nächstes kommt. Das schafft Unsicherheit und stellt die Wirtschaft vor zwei potenzielle Probleme: Zieht sich die Fed nicht schnell genug wieder zurück, riskiert sie Inflation. Kommt der Rückzug zu schnell, kann das dem Wirtschaftswachstum schaden. Außerdem ist die Fed ein sehr großer Spieler in den Märkten geworden. In den Geldmärkten läuft ohne die Fed gar nichts mehr. Ich glaube, dass das nicht hilfreich ist. Unterm Strich werden die Kosten deutlich höher sein als der Nutzen.

Würde ein Rückzug der Fed der Wirtschaft nicht schaden?

Ich glaube, er würde der Wirtschaft helfen! Es gibt schon so viele Unsicherheiten: Was passiert mit den hohen Staatsschulden? Was ist mit der Regulierung? Ein Umfeld mit weniger geldpolitischen Interventionen wäre ein klares Zeichen, und das wäre positiv für die Wirtschaft. Oft ist es ja so, dass Geldpolitik nur auf den ersten Blick hilfreich erscheint und sich dann aber als schädlich erweist.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Von 2003 bis 2005 hat die Notenbank die Zinsen niedrig gehalten, weil sie damit eine geringe Arbeitslosigkeit erreichen wollte. Aber dadurch hat sie meiner Meinung nach eine Reihe von Überschüssen geschaffen. Auf der Suche nach Renditen entstand der Boom auf dem Häusermarkt, und nachdem die Blase platzte, ist die Arbeitslosigkeit viel höher. Die Notenbank hat damit also genau das Gegenteil erreicht. Es ist ein klassischer Fall von unbeabsichtigten Konsequenzen der Geldpolitik.

Aber könnte ein Anziehen der Geldpolitik nicht auch unbeabsichtigte Konsequenzen haben?

Es ist sehr wichtig in der Geldpolitik, nicht zu überstürzt oder unkalkulierbar zu handeln. Egal ob die Fed früher oder später aussteigt, sie muss es sehr behutsam tun und das den Märkten auch so signalisieren. Aber die Fed muss so oder so irgendwann in der Zukunft aussteigen. Und ich glaube, dass es besser ist, das früher zu tun.

Warum?

Wenn man den Ausstieg weiter nach hinten verschiebt, werden die Auswirkungen auf die Märkte noch schwerer zu kontrollieren sein. Die Fed wird irgendwann den Leitzins anheben müssen, Wertpapiere verkaufen und die Einlagen der Banken bei der Zentralbank reduzieren. Das ist extrem schwer zu koordinieren, und je später man das macht, desto größer wird die Ungewissheit, was für andere Faktoren da dann noch eine Rolle spielen.

Kommentare (4)

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malvin

17.09.2012, 21:58 Uhr

Richtig. Solange man Problemen geldpolitisch löst, lähmt das die Wirtschaft. Nur eine stablile und zuverlässige Geldpolitik schafft eine Basis für innovative Wirtschaft.

Leider schlägt man in Europa genau den falschen Weg ein. Man will amerkikanischer sein, während gleichzeitig in USA die Erleuchtung kommt.

Unglaublich. Draghi ist eben ein Goldman und Sachs Gewächs, und so handelt er auch.

Der Eurohöhenflug etc. ist mehr Schein als Sein. Denn am Ende wird der Euro natürlich an Wert verlieren. Zur Freude gibt es keinen Anlass.

Deutschlands Innovationskraft, die ohnehin schon seit der Euroeinführung extrem gesunken ist, wird unter dem Euro schwer leiden.

Schaarschmidt

17.09.2012, 22:51 Uhr

Die FED wirs solange weitermachen,solange die Ratingagenturen still halten.Ehrlich sind diese nicht,sonst hätten sie die USA schon längst downgeratet.

Account gelöscht!

18.09.2012, 04:49 Uhr

Wie John Taylor zeigt, gibt es genug Menschen mit Verstand und Verantwortung. Leider sitzen die wenigsten davon an der Macht.

Wenn Taylor Nachfolger von Bernanke wuerde, haetten wir wieder Hoffnung auf eine beruhigende Zukunft, auch wenn er die gigantischen Bubbles von dem Gelddrucker Bernanke und dem Schuldenkoenig Obama erst mal vorsichtig beseitigen muesste. Da lauern noch sehr grosse Gefahren, welche uns diese beiden konzeptlosen "Macher" hinterlassen.

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