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18.11.2014

11:51 Uhr

Joschka Fischer in Paris

Wenn polternde Politrentner über Europa richten

VonThomas Hanke

Skandalisierung statt Altersweisheit: Die früheren Amtskollegen Joschka Fischer und Frankreichs Hubert Védrine malen Europas Zukunft tiefschwarz. Doch bei einem Thema prallten die beiden Apokalyptiker aufeinander.

Da waren sie noch an der Macht: Der deutsche Außenminister Joschka Fischer und sein französischer Amtskollege Hubert Védrine 2001 in Burgund. ap

Da waren sie noch an der Macht: Der deutsche Außenminister Joschka Fischer und sein französischer Amtskollege Hubert Védrine 2001 in Burgund.

ParisAlter ist nicht immer milde. Es gibt sogar Fälle, in denen man vergeblich auf die Weisheit wartet. In der deutschen Botschaft in Paris trafen sich aus Anlass des 25. Jahrestags des Mauerfalls vier in Ehren ergraute Fahrensmänner der deutsch-französischen Beziehungen.

Es wurde ein unterhaltsamer Abend am Montag, doch konstruktive Ideen vermisste man über weite Strecken: Oft suchten die Teilnehmer, sich gegenseitig in apokalyptischen Darstellungen Europas und des deutsch-französischen Verhältnisses zu überbieten.

Eigentlich sollten Joschka Fischer, Ex-Bundesminister des Äußeren, Hubert Védrine, der Staatspräsident Franҫois Mitterrand als Amtschef und später als Außenminister gedient hat, Jean-Pierre Chevènement, der Innen- und Verteidigungsminister war sowie Peter Hartmann, früher Staatssekretär im AA und Botschafter in Paris, sich der Frage widmen, welche Folgen der Mauerfall für Europa hatte. Doch während Hartmann ruhig analysierte und Chevènement sich vor allem mit dem Verhältnis zu Russland befasste, überboten Fischer und Védrine sich in der Disziplin „wer sieht am Schwärzesten“.

Zahlen und Fakten zu Frankreich

Hauptstadt

Paris

Staatspräsident

François Hollande, seit Mai 2012.

Einwohner

63,4 Millionen Menschen leben in Frankreich. Mit Übersee-Departements sind es 65,3 Millionen.

Fläche

543 965 km², 632 934 km² mit Übersee-Departements

Religion

Katholiken (83-88 Prozent), Muslime (5-10 Prozent), Protestanten (2 Prozent), Juden (1 Prozent).

Lebenserwartung im Durchschnitt

Frauen: 85,1 Jahre, Männer: 78,4

Bevölkerung unter 25 Jahre

30,8 Prozent

Jugendarbeitslosigkeit

26,5 Prozent (April 2013)

Internetnutzer

Je 100 Einwohner: etwa 80

Fischer ließ es mit dem Fischer-gemäß stirnrunzelnd vorgetragen Hinweis, es gebe „kein deutsch-französisches Projekt mehr“ und dem Hinweis, das „europäische Projekt“ könne deshalb scheitern, noch vergleichsweise moderat angehen. Védrine übertrumpfte ihn mit der Feststellung: „Es gibt kein deutsch-französisches Paar mehr“, es existiere „auch keine deutsch-französische Entente mehr“, die müsse erst mühsam neu geschaffen werden, falls das den gelingen könne.

Da wir nehmen, dass die beiden es besser wissen, spekulierten sie offenbar auf das kurze Gedächtnis der Zuhörer. Deshalb eine kleine Gedächtnisstütze: Wie gut verstanden sich Deutschland und Frankreich, als die französische Regierung nach der Tschernobyl-Katastrophe unverfroren erklärte, die Wolke mit radioaktivem Staub habe am Rhein haltgemacht? War es um das „deutsch-französische Projekt“ etwa besser bestellt, als Mitterrand vor 25 Jahren nach Ost-Berlin pilgerte, um dem Honecker-Nachfolger Egon Krenz den Rücken zu stärken? Waren die Beziehungen harmonischer, als Jacques Chirac im Januar 1996 die französischen Atomtests wiederaufnahm und das Mururoa-Atoll völlig zerschoss? Gab es deutsch-französische Harmonie, als Nicolas Sarkozy 2007 eine „Mittelmeer-Union“ an die Stelle oder zumindest neben die EU setzen wollte? Oder als die Bundeskanzlerin ohne jede Konsultation mit ihrem Partner über Nacht den Ausstieg aus der Kernenergie verkündete?

Kommentare (14)

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Herr J.-Fr. Pella

18.11.2014, 12:04 Uhr

H. Fischer dient nur noch dem Geld. (USA)
Dies sagt alles!

Herr Helmut Paulsen

18.11.2014, 12:04 Uhr

Steile Karriere: Vom frankfurter Polizei-Prügeler zum Atlantik-Grünen.

EU ist ein Völker-Gefängnis und geht nur deswegen unter wie die Titanic.

Herr Helmut Paulsen

18.11.2014, 12:04 Uhr

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