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01.05.2014

14:56 Uhr

Jubiläum

Wie die EU-Osterweiterung unsere Spitzenlöhne sichert

VonJan Mallien

Vor zehn Jahren traten acht mittel- und osteuropäische Staaten der Europäischen Union bei. Der Beitritt war von großen Ängsten begleitet. Unterm Strich aber hat er sich auch für Deutschland gelohnt.

Am 1. Mai 2004 traten auf einen Schlag acht osteuropäische Länder der EU bei.

Am 1. Mai 2004 traten auf einen Schlag acht osteuropäische Länder der EU bei.

Um den skeptischen Deutschen die Osterweiterung schmackhaft zu machen, zog die Bundesregierung vor zehn Jahren alle Register. Zum 1. Mai 2004 traten acht osteuropäische Staaten der EU bei – Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Slowenien und die drei baltischen Staaten. Die Bundesregierung ließ damals in einer aufwendigen Kampagne für das Beitrittsprojekt werben. Höhepunkt war ein 300.000 Euro teurer Kinowerbespot. Die Besetzung von damals liest sich heute wie ein schlechter Scherz: Mit dabei waren Jörg Kachelmann als Wetterfrosch, Ottfried Fischer als Grenzgänger und Claudia Pechstein als weltoffene Eisläuferin. Produziert wurde die Kampagne von Harald Schmidts Firma „Bonito TV“.

Das Schicksal meinte es nicht gut mit diesen Stars. Jörg Kachelmann wurde wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner früheren Lebensgefährtin angeklagt. Inzwischen ist er von dem Vorwurf freigesprochen worden. Doch der Prozess hat seinem Image geschadet. Fischer geriet wegen eines angeblichen Prostituiertenvideos und eines Streits mit der Bild-Zeitung in die Schlagzeilen, Claudia Pechstein wegen Dopingverdachts  – und Harald Schmidts Fernsehshow auf dem Pay-Sender Sky wurde jüngst wegen unterirdischer Quoten beerdigt.

Im Gegensatz dazu ist die Osterweiterung inzwischen für viele Menschen eine Erfolgsgeschichte geworden. Deutschland profitiert politisch durch mehr Stabilität – wirtschaftlich durch prosperierenden Handel, qualifizierte Zuwanderer und eine immer stärkere Verflechtung der Lieferketten. Nicht alles änderte sich auf einen Schlag am 1. Mai 2004. Die osteuropäischen Beitrittsländer waren bereits vor ihrer Mitgliedschaft über Freihandelsabkommen mit der EU assoziiert. Bei der Zuwanderung fielen die Beschränkungen erst schrittweise und es gab eine siebenjährige Übergangsfrist. Dennoch markiert der 1. Mai 2004 einen Meilenstein.

Meilensteine der EU

25. März 1957

Die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlanden schließen die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM).

1968

Die Länder der EWG vollenden den Binnenmarkt und schaffen alle Zölle auf gegenseitige Exporte und Importe ab.

1. Januar 1973

Dänemark, Irland, Großbritannien und Nordirland treten der EWG und EURATOM bei.

1. Januar 1981

Griechenland tritt der EWG bei.

1. Januar 1986

Portugal und Spanien treten der EWG bei.

7. Februar 1992

Maastrichter Vertrag über die Europäische Union. Die europäische Zusammenarbeit wird über die Politik hinaus auf Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Verbraucherschutz, Industrie, Entwicklungshilfe, Außen- und Sicherheitspolitik, Justiz und Inneres erweitert. Außerdem wird die Gründung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro beschlossen.

1. Januar 1995

Österreich, Schweden und Finnland treten der Europäischen Union bei.

16 März 1995

Inkrafttreten des Schengener Abkommens über den Wegfall der Personenkontrollen an den Binnengrenzen.

1. Januar 1999

11 EU-Länder führen die Gemeinschaftswährung Euro ein – darunter Deutschland. Zunächst als Buchgeld, ab 1. Januar 2001 mit eigenen Münzen und Scheinen.

1. Mai 2004

Die EU erweitert sich nach Osten und nimmt Polen, Tschechien, Ungarn die Slowakei, Slowenien und die drei baltischen Staaten auf. Außerdem treten Zypern und Malta der EU bei.

1. Januar 2007

Bulgarien und Rumänien werden EU-Mitglied.

10. Dezember 2012

Die EU erhält den Friedensnobelpreis wegen ihres Beitrags zur Förderung von Frieden, Versöhnung und Demokratie.

„Die Osterweiterung macht die deutsche Wirtschaft robuster gegen Krisen“, sagt Gabriel Felbermayr, Forschungsdirektor für Außenhandel am Münchener Ifo-Institut. Deutsche Autohersteller und Maschinenbauer beziehen inzwischen viele ihrer Zulieferprodukte aus Polen, Ungarn oder der Slowakei. Durch die Auslagerung von Teilen der Produktion nach Osteuropa gebe es einen Puffer, sagt Felbermayr. Bei Konjunktureinbrüchen könnten die Zulieferungen von dort schnell gestoppt werden. „Das stabilisiert die Beschäftigung in Deutschland.“ Diesen Effekt habe man während der Finanzkrise gut beobachten können: Damals brachen die Exporte der deutschen Wirtschaft dramatisch ein – gleichzeitig gingen aber auch die Importe aus Osteuropa im selben Umfang zurück. Damit konnten die Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft etwas abgefedert werden.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

02.05.2014, 08:59 Uhr

Für Deutschland gelohnt?
Die Wirtschaft profitierte mit neuen Absatzgebieten und billigen Arbeitskräften. Der normale Steuerzahler hat von der EU neue Milliardenschulden zur Finanzierung der Osterweiterung aufgebürdet bekommen. Man kann diese "Erfolgsstory" also von zwei Seiten bewerten!

Account gelöscht!

02.05.2014, 09:32 Uhr

Dazu kommt eine Einwanderung, die manche Viertel der Städte für die "normale" Bevölekrung unbewohnbar machen. Eigentlich wie immer - die Intergrationsprobleme werden den kleinen Leuten und deren Kinder aufgebürdet und die Wirtschaft und Eliten profitieren. Nebenbei - mein Netto-Einkommen verliert seit 20 Jahren nicht nominell aber an Kaufkraft ...

Account gelöscht!

02.05.2014, 10:02 Uhr

kugz

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