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05.10.2016

14:17 Uhr

Jugendarbeitslosigkeit

Die verlorene Generation

VonFrank Specht

Die Jugendarbeitslosigkeit ist immer noch deutlich höher als vor der Finanzkrise, zeigen Daten der OECD. Vor allem in Südeuropa regiert immer noch die Perspektivlosigkeit – mit katastrophalen Auswirkungen.

Vor allem in Südeuropa sind die Arbeitslosenquoten weiter hoch. dpa

Jugendproteste in Spanien

Vor allem in Südeuropa sind die Arbeitslosenquoten weiter hoch.

BerlinAuch acht Jahre nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers leidet vor allem die Jugend weiter unter den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise. In den 35 in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengeschlossenen Industrieländern leben heute 40 Millionen Jugendliche, die keine Arbeit haben, sich aber auch nicht in Ausbildung oder Trainingsmaßnahmen befinden.

Im OECD-Schnitt liegt die Quote dieser perspektivlosen Jugendlichen an den 15- bis 29-Jährigen immer noch 1,1 Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau, wie die Industrieländerorganisation am Mittwoch mitteilte. In den besonders von der Finanz- und Eurokrise betroffenen Staaten Griechenland, Spanien und Italien sind es sogar sieben bis acht Prozentpunkte.

Die Zahlen bestätigen Befürchtungen, dass in vielen Ländern Europas eine „verlorene Generation“ heranwächst. So hatten die EU-Staaten aus Sorge, dass Jugendliche in Folge der Finanzkrise dauerhaft abgehängt werden könnten, im Sommer 2013 eine „Jugendgarantie“ verabschiedet. Sie gibt als Ziel vor, jedem Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren spätestens vier Monate nach Ende der Schule oder dem Jobverlust eine Stelle, einen Ausbildungsplatz oder zumindest ein Praktikum anzubieten. Im EU-Haushalt sind für das Programm bis 2020 insgesamt 6,4 Milliarden Euro eingeplant. Bisher zeigt die Initiative aber noch keinen durschlagenden Erfolg, auch weil sich die Staaten sehr unterschiedlich engagieren und zum Teil bürokratische Programme aufgelegt haben.

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Die OECD mahnt deshalb zusätzliche Anstrengungen an, Jugendliche in Arbeit zu bringen und zu qualifizieren: „Langfristig können Arbeitslosigkeit und Inaktivität zu Isolation und Rückzug aus der Gesellschaft führen und den sozialen Zusammenhalt gefährden“, schreibt die Organisation im Vorwort ihres neuen Berichts „Society at a glance“. Regierungen stünden deshalb vor der großen Herausforderung, in den nächsten Jahren Jugendliche mit den nötigen Qualifikationen auszustatten und weiter bestehende Hürden für Bildung und Beschäftigung abzubauen.

Deutschland steht dabei im Industrieländervergleich allerdings sehr gut da. In OECD-Schnitt liegt der Anteil junger Menschen, die nicht in Arbeit oder Ausbildung sind, bei 14,6 Prozent liegt, hierzulande nur bei 8,8 Prozent. Die Beschäftigungsquote in der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen ist in Deutschland seit 2005 um sechs Prozentpunkte gestiegen, während sie im OECD-Schnitt in ähnlicher Größenordnung gesunken ist. Das deutsche Jobwunder macht also auch vor der Jugend nicht halt.

Kommentare (18)

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Herr Thomas Behrends

05.10.2016, 14:27 Uhr

Das ist alles sehr im Interesse der herrschenden Klasse (Politiker und Wirtschaftsführer); so produziert Europa ein Heer von Arbeitssklaven, welches schlechte Bezahlung, schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen und eine Perspektive mit geringer Rente gefallen lassen muss.

Tarifverträge kann man dadurch wunderbar aushebeln; Schutz bekommt man von Niemandem mehr (auch nicht von Gewerkschaften, da die Gewerkschaftler leider bereits auf der Payroll der Wirtschaft stehen).

Account gelöscht!

05.10.2016, 14:30 Uhr

Herr Holger Narrog

05.10.2016, 14:30 Uhr

Ein Hauptgrund für die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist das Ausbildungssystem in diesen Ländern. Anders als in den Deutschsprachigen Ländern in denen die Jugendlichen nach der Schule eine Duale Ausbildung (Betrieb und Schule) besuchen, gibt es in Südeuropa nach dem Schulabgang entweder Studium, oder Arbeit.

In der Konsequenz können die jungen Deutschen/Schweizer meist nach der Lehre als gut qualifizierte Facharbeiter im Lehrbetrieb bleiben, oder sind anderswo begehrt.

In Südeuropa gibt es dann viele Schulabgänger ohne praktische Kenntnisse. Von destruktiven Marxisten verordnete Mindestlöhne erlauben es nicht diese jungen Mitarbeiter zu erträglichen Kosten anzulernen.

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