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26.08.2014

15:39 Uhr

Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa

Jung, klug, arbeitslos

Die Arbeitslosigkeit in den Krisenländern ist dramatisch. Betroffen sind vor allem junge Menschen. Die Arbeitsmärkte müssten dringend reformiert werden, so eine Studie. Sonst gebe es nur eine Chance für die Jungend.

Spanien ist eins der Länder, das von der Jungendarbeitslosigkeit nach der Finanzkrise besonders betroffen ist. dpa

Spanien ist eins der Länder, das von der Jungendarbeitslosigkeit nach der Finanzkrise besonders betroffen ist.

Experten sehen die EU-Bemühungen zum Abbau der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa kritisch. Der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, Clemens Fuest, sagte am Dienstag bei der Vorstellung einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung, staatliche Ausbildungsplätze und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen seien meist keine starke Brücke in den Arbeitsmarkt. „Der derzeitige Ansatz der EU, jedem Jugendlichen innerhalb von vier Monaten mit öffentlichen Mitteln irgendein Angebot zu machen, ist daher problematisch.“

Derzeit sind laut Studie europaweit 7,5 Millionen junge Menschen ohne Ausbildung oder arbeitslos. Krisenländer wie Spanien, Italien oder Portugal sollten sich darauf konzentrieren, junge Menschen ohne Ausbildung zu qualifizieren, so Fuest. Auch bei Berufsberatung und Arbeitsvermittlung gebe es Nachholbedarf. Die Wissenschaftler kritisieren eine Spaltung der Arbeitsmärkte in Südeuropa. Während Festangestellte von starken Kündigungsschutzgesetzen profitierten, seien Berufseinsteiger oft nur befristet beschäftigt. Kurzfristig, so die Studie, komme es darauf an, junge Menschen besser über Beschäftigungschancen im Ausland aufzuklären.

Jugendarbeitslosigkeit in Krisenländern Europas

Frankreich

Die Perspektivlosigkeit von jungen Menschen ohne Job gilt in Frankreich als eine der größten Gefahren für den sozialen Zusammenhalt. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag zuletzt (Juni) bei 22,4 Prozent. Die Regierung von Präsident François Hollande finanziert mit Milliardenbeträgen Eingliederungsprogramme sowie sogenannte „Zukunftsarbeitsplätze“ für gering qualifizierte Jugendliche. Zudem wurde das System sogenannter „Generationenverträge“ geschaffen. Es bietet kleinen Unternehmen finanzielle Anreize, die sich gleichzeitig für den Nachwuchs und für alte Arbeitnehmer einsetzen.

Griechenland

Nach Angaben vom Mai sind in Griechenland 53,1 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job. Im Vorjahr waren es 59,6 Prozent. Die leichte Verbesserung liegt nach Angaben der Gewerkschaft des privaten Bereichs am boomenden Tourismus. In Griechenland sollen nach den Worten von Regierungschef Antonis Samaras in den kommenden Monaten 145.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sollen mit Hilfe von EU-Mitteln und dem für 2014 erwarteten zaghaften Wirtschaftswachstum entstehen. In den nächsten Monaten sollen 600 Millionen Euro EU-Subventionen für neue Jobs – vornehmlich Ausbildungsplätze – nach Griechenland fließen.

Italien

43,7 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos, Schüler und Studierende nicht eingerechnet. Das nationale Statistikamt Italiens (Istat) sieht die Jugendlichen als „am stärksten von der Krise betroffen“. Der sozialdemokratische Regierungschef Matteo Renzi bemüht sich – bisher erfolglos – um eine Entspannung der Lage. Zeitarbeitsverträge sollen leichter verlängert, der Kündigungsschutz in den ersten drei Jahren ausgesetzt werden. So – und mit Steuererleichterungen – möchte er die Arbeitgeber entlasten. Durch EU-Gelder, 1,5 Milliarden in den kommenden zwei Jahren, erhofft sich Renzi eine bessere Grundlage zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

Spanien

Die Arbeitslosenquote beträgt in Spanien bei den unter 25-Jährigen 53,5 Prozent. Schon seit Jahren bezeichnen spanische Politiker aller Parteien die hohe Jugendarbeitslosigkeit als eines der größten Probleme. Dennoch geschah relativ wenig, um das Problem zu lösen. Die Regierung beschloss im Juli Hilfen für Unternehmer, die junge Leute einstellen. Politiker aus Deutschland warben in Spanien für eine Übernahme des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Die Traditionen des spanischen Bildungssystem verhinderten jedoch, dass diese Idee sich in größerem Umfang durchsetzen konnte.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bietet EU-Ländern nun Hilfe an. Sie könnten von der deutschen dualen Ausbildung - Berufsschule und Betrieb - profitieren: „Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die duale Ausbildung, mit der wir in Deutschland ausgezeichnete Erfahrungen haben und die in vielen Ländern hohe Anerkennung findet.“

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr Peter Spiegel

26.08.2014, 16:01 Uhr

Unglaublich nur Arbeitslose, Pleiten, Pech und Pannen.
Duale-Ausbildung zum Arbeitslosen bei höheren Harz-Satz,
gefördert durch EU und Gabriel.

Herr Mmnews De

26.08.2014, 17:23 Uhr

Der Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt die Euro-Krise geht doch weiter.

Das Thema Euro-Krise spielt in diesem Sommer fast keine Rolle mehr in den Monopolmedien.

Aber Sie können sicher sein: Unter der Oberfläche schwelt die Euro-Krise weiter.
Und um Belege dafür zu finden muss man nicht lange suchen.
Ein ganz wichtiger Faktor zur Bestimmung der wirtschaftlichen Lage ist immer noch der Arbeitsmarkt.

Und aktuelle Zahlen über die Beschäftigungsquoten aus der Euro-Zone geben nun überhaupt keinen Anlass zur Hoffnung.

Mit Ausnahme Deutschlands sind die Beschäftigungsquoten in allen maßgeblichen Euroländern in den vergangenen Jahren gesunken!

Die Rückgänge fallen in den Krisenländern besonders drastisch aus. In Griechenland ist seit in den vergangenen 6 Jahren die Beschäftigungsquote von 61% (auch das schon ein niedriger Wert) bis jetzt auf 48% gesunken.
Und der Abwärtstrend konnte bislang nicht gestoppt worden.

Trotz der massiven Sparprogramme schafft es beispielsweise Griechenland nicht die Krise zu überwinden. Und bei einer sinkenden Beschäftigungsquote wird die Krise dort auch noch längere Zeit andauern. Im Übrigen schaffen es auch die anderen Krisenländer wie Spanien nicht, nachhaltig die Lage zu verbessern.

Länder wie Griechenland, Portugal, Spanien oder auch Italien haben auch mit massive Zinslasten zu kämpfen. Spanien musste letztes Jahr JEDEN Tag 104.000.000 Euro an die int. Bankster ( In den Bankstermedien spricht man von Investoren ) nur an Zinsen Zahlen!!! ( Schuldendienst )

Vielmehr ist es aktuell so und das wird wohl auch erst einmal so bleiben: Die noch starken Staaten wie Deutschland helfen mit ihren Steuern den schwachen Ländern wie eben Spanien immer weiter ihre Zinsen an die int. Bankster zu zahlen.

Das Ganze wird auch noch einige Zeit so weitergehen, bis eben auch die bislang noch starken Länder in Europa mit ihren Zinszahlungen massiv in Bedrängnis kommen.

Im Grunde erleben wir aktuell eine massive Schuldgeldsystemkrise.

Herr Tobias Wahrsager

26.08.2014, 17:58 Uhr

Gewisse Kreise stehen offensichtlich auf dem Standpunkt, das Problem liege bei der unzureichenden Ausbildung der Jugendlichen. Langfristig mag das gute deutsche Ausbildungssystem schon eine verstärkend positive Wirkung haben: Nur: Das eigentliche Problem liegt doch offensichtlich darin, dass der spanische Arbeitsmarkt nicht annähernd genügend Arbeitsplätze bietet. Da hilft dann auch gute Ausbildung wenig. Die greift nämlich nur dann positiv, wenn überhaupt ein hinreichendes Angebot an Arbeitsplätzen vorhanden ist. Wir erleben in jüngster Zeit den Versuch gewisser neoliberaler Wirtschaftskreise
und ihrer Unterstützer die Verantwortung für die desolate
soziale Lage und Arbeitslosigkeit breiter europäischer Bevölkerungsschichten bei den Betroffenen selber abzulagern. Frei nach dem Motto: Bessere oder arbeitsmarktangepasstere Qualifikation, dann wird es schon was mit Überwindung von Arbeitslosigkeit. Dies ist dann ein sehr perfides, von der eigenen neoliberalen Schuld ablenkendes, Spiel, wenn angesichts Massenarbeitslosigkeit gar nicht hinreichend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Auch in Deutschland gibt es mit 3 Millionen Arbeitslosen und etwa genauso viel Unterbeschäftigten nicht annähernd genügend Jobs.
Gleichwohl faselt die neoliberale FDP immer sehr einseitig von Bildungsgerechtigkeit. Sollen ihre Handlager in der Wirtschaft doch erst einmal genügend Arbeitsplätze anbieten.

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