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23.07.2013

15:46 Uhr

Jugendliche aus aller Welt berichten

Die Generation von morgen

Bald nehmen sie Unternehmen, Familien und ihr Leben in die Hand: Auf der ganzen Welt steht die Jugend vor ähnlichen Herausforderungen – aber gehen diese völlig unterschiedlich an. Sieben Geschichten aus sieben Ländern.

Wenige Tage nach dem Erdbeben in Christchurch posiert eine Gruppe Jugendlicher bei dem Wiederaufbau eines Hauses. dpa

Wenige Tage nach dem Erdbeben in Christchurch posiert eine Gruppe Jugendlicher bei dem Wiederaufbau eines Hauses.

Als die zweitgrößte neuseeländische Stadt Christchurch im September 2011 von einem schweren Erdbeben erschüttert wird, will Jurastudent Sam Johnson sich nur ein bisschen nützlich machen. Der heute 24-Jährige startet noch am gleichen Abend eine Facebook-Gruppe mit einem Hilfsaufruf. Innerhalb weniger Stunden hat er 400 junge Leute mit Schippen und Schubkarren mobilisiert. Sie sind in Gärten und auf Straßen im Einsatz, wo aus Rissen im Erdboden tonnenweise Schlamm hervorgequollen ist.

„Wir wollten eigentlich nur ein bisschen beim Aufräumen helfen, aber dann wurde uns klar, dass die Leute uns brauchten. Einfach damit jemand da ist zum Reden“, sagt Johnson. „Das war wirklich magisch.“ Als fünf Monate später ein noch verheerenderes Beben Teile der Stadt zerstörte, brachte seine „Freiwillige Studentenarmee“ sofort 11.000 Jugendliche auf die Beine, die zuhörten, Tee machten, mit anfassten.

Die Menschen waren begeistert. „Als die vielen jungen Leute unterwegs waren, sagte eine ältere Frau zu mir: Es ist, als sei ein Knoten geplatzt. Wir brauchten keinen Krieg – plötzlich sind viele Erwachsene zur Seite getreten und haben den jungen Leuten den Vortritt gelassen“, sagt die Politikwissenschaftlerin Bronwyn Hayward von der University of Canterbury, die über Jugend forscht.

In Christchurch waren Jugendliche zuvor vor allem für negative Schlagzeilen gut: Boy Racer – jugendliche Raser – machen nachts mit quietschenden Reifen die Straßen unsicher. Partys mit Unmengen an Alkohol sind ein Problem. Jugendliche beklagen zu wenig Freizeitangebote. Boy Racer gibt es zwar immer noch, aber viele junge Leute haben nach dem Erdbeben ein anderes Ventil für ihre überschüssige Energie gefunden.

„Nach einer Katastrophe ist der Wunsch groß zu helfen“, sagt Hayward. Gerade für junge Leute sei es wichtig zu fühlen, dass sie einen positiven Beitrag leisten können. „Es gibt ja nicht nur Naturkatastrophen, auch Wirtschaftskrisen, die jungen Leuten die Chance rauben, sich zu entwickeln.“ So sieht Hayward Europa: „Die Sparmaßnahmen nehmen jungen Leuten die Chance, etwas zur Zukunft beizutragen. Viele meinen dann, sie hätten nichts mehr zu verlieren - Frust und Ärger entladen sich in Krawallen.“

Für Johnson war die Erfahrung Gold wert. „Ich bin nicht mehr derselbe Mensch“, sagt er. „Mir hat dieses Erdbeben eine unglaubliche Chance gegeben. Dass Menschen Menschen helfen müssen - das nimmt jetzt meine Zeit und Energie in Anspruch.“ Johnson hat mittlerweile seinen Bachelor in Jura gemacht und arbeitet nun im Katastrophenschutz für die Vereinten Nationen. Die „Freiwillige Studentenarmee“ organisiert weiter jede Woche Aktionen, zum Beispiel Hilfe im Garten, beim Anstreichen oder Reparieren.

Kommentare (10)

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Amadei

10.08.2013, 12:26 Uhr

Ich bin auch 25 Jahre alt und studiere.
Nebenbei arbeite ich als Werkstudent in einer Bank und jedes WE in einer Gastronomie, um mein Leben zu finanzieren.
Auf BaföG oder Bildungskredite habe ich selbst verzichtet, da ich den Titel: "Ich bin ein Schuldner" nicht mag.

Ich habe nicht viel Freizeit. Während alle anderen jedes WE in die Stadt gehen und sich amüsieren, diene ich meinen Kunden.

Ich habe meine Generation selber beobachtet bzw. beobachte immer noch und dabei stelle ich fest, dass es in dieser heutigen Generation nur drei Gruppen gibt:

1. Junge Leute wie ich arbeiten freiwillig, ohne dass sie Freizeit genießen und ihr Leben finanzieren.

2. Junge Leute wollen einfach ihr Studentenleben genießen und machen Urlaub, aber dafür studieren sie mehr als 10 Semester.

3. Ansonsten stammen viele, die Urlaub genießen, sich nie Kopf über ihre Zukunft machen und ihr Leben "genießen", von wohlhabenden Eltern, weil sie keine Ahngst haben, dass sie keinen Job finden.

Warum kann diese Welt bzw. diese Generation in der Zukunft nur noch unter der Gesellschaft leiden??

Ganz einfach: Es kommen mehrere Vorraussetzungen und Kriterien, die die junge Generation erfüllen muss (Praktika, Auslandserfahrungen, guter Abschluss, Fremdsprachen, ehrenamtliche Engagements etc.)

Aber die menschliche Ideologie bleibt gleich.

Wer heutzutage als "Romantiker" oder "Weltverbesserer" anders handelt als die Masse, wird bestraft.

kokolores

10.08.2013, 12:51 Uhr

je weniger der Potenziale aus der nachkommenden Generation im etablierten System Fuß fassen, und vom System "absorbiert" werden können, desto größer ist die Gefahr oder Chance eines Wandels.

Durch den Web2.0/ SocialMedia Trend und dem Paradigmenwechsel vom Konsumenten zum Produzenten der Kommunikationsinhalte, bekommen die gejagten die Chance sich zu organisieren und zum Jäger zu avancieren.

Urplötzlich bekommt das Feindbild ein Gesicht und das Problem eine Lösung - die so resignativ scheinende Masse erhebt sich ...

hermosa

10.08.2013, 14:35 Uhr

@ Amadei

Hier gehe ich mit Ihnen als eine "erfahrene" Generation zu 100% konform!

In Deutschland herrscht eine Doppelmoral. "NICH ALLE HABEN DIE GLEICHEN CHANCEN" Es ist eine Farse!

Es gab' nur eine kurze Periode in der fast ALLE die Chance auf Bildung & gute Jobs hatten!

Heute: Erneut der Rückschritt zur Ungleichheit!

Money makes the world go around & more prospektives!

That's it!


Viel Glück für Euch youngsters!

Rat von einer Erfahrenen:

Haltet Euch nicht zu sehr an einer maximalen Ausbildung fest ( Akademikerschwemme) !

Geht kontäre Wege.....findet für Euch einen Markt, der Euch Spaß bereitet & Eurer Persönlichkeit entspricht!

Moeney goes with passion!

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