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29.01.2011

10:00 Uhr

Julian Assange

Lichtgestalt oder Staatsfeind?

VonRegina Krieger

Wikileaks-Gründer Julian Assange spaltet die öffentliche Meinung. Weggefährten haben sich im Streit von ihm getrennt, und mittlerweile ist die Zahl der Kritiker so groß wie die der Fans. Neue Bücher erklären das Phänomen, den Hippie-Sohn und den Hacker.

Julian Assange: Bücher erklären den umstrittenen Wikileaks-Gründer. dpa

Julian Assange: Bücher erklären den umstrittenen Wikileaks-Gründer.

DÜSSELDORF. Er trägt eine elektronische Fußfessel und muss sich jeden Tag bei der britischen Polizei melden. 285 000 Euro haben seine Unterstützer als Sicherheit bei Gericht hinterlegt. Bis über ein Auslieferungsgesuch nach Schweden entschieden ist, wo gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt wird, lebt Julian Assange in der Nähe von London auf dem Landsitz seines Freundes Vaugham Smith.

Weggefährten haben sich im Streit von ihm getrennt, und mittlerweile ist die Zahl der Kritiker so groß wie die der Fans.

Doch seine Schöpfung Wikileaks ist nicht verstummt: In ein paar Tagen sollen alle Dokumente ins Netz gestellt werden, die Rudolf Elmer, ehemaliger Mitarbeiter der Bank Julius Bär, Assange vor kurzem übergeben hat. Das kann dann peinlich werden für viele mehr oder weniger berühmte Wirtschaftslenker und Politiker, die mit Hilfe von Konten in Offshore-Finanzzentren Steuern hinterzogen haben sollen.

Hippie-Sohn und Hacker

Seit dem Start der Enthüllungsplattform im Oktober 2006 ist der Australier Assange zu einem der bekanntesten Männer der Welt geworden. Hollywood plant einen Film über den 39-Jährigen mit den weißen Haaren. Der Mix für eine gute Story stimmt: eine Hippie-Mutter, ein Wanderleben in Australien, eine Vergangenheit als Hacker, der Durchbruch zum Weltruhm, die Verhaftung, die ungewisse Zukunft. Assange wird angebetet und verteufelt. Die einen nennen ihn einen Freiheitskämpfer, die anderen halten ihn für gefährlich und überheblich. Die USA haben ihn nach der Veröffentlichung der ersten Diplomaten-Depeschen im November zum Staatsfeind erklärt.

Drei neue Bücher helfen, sich dem Phänomen Assange zu nähern. Gemeinsam haben sie das Angebot an den Leser, sich zu informieren, ohne eine Meinung vorgegeben zu bekommen. Biografisch aufgebaut sind die Werke der beiden „Spiegel“-Reporter Marcel Rosenbach und Holger Stark sowie das schmale Bändchen von Carsten Görig und Kathrin Nord.

Das dritte Buch, das am 11. Februar erscheint, ist ein Insiderbericht. Daniel Domscheit-Berg war seit Ende 2007 erst Bewunderer, dann ein Freund von Assange und fungierte als Wikileaks-Sprecher, bis es im vergangenen Sommer zum großen Krach kam und er ausstieg. Mitte Februar startet er seine eigene Plattform OpenLeaks. Spannend wird zu lesen sein, wie die enge Zusammenarbeit mit Assange war und warum sie eskalierte.

Vorwürfe, Assange sei auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern und Anhängern nicht transparent, werden in allen Büchern angesprochen. Für sich selbst spricht, dass OpenLeaks nach Domscheit-Bergs Worten keine politische Agenda verfolgen soll. Er plane ein möglichst neutrales Software-Tool – auch so kann Kritik geäußert werden.

Kommentare (6)

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sanhorst

29.01.2011, 11:46 Uhr

Von wem wissen Sie, das mittlerweile die Zahl der Kritiker so groß wie die der Fans? Diese behauptung ist lächerlich. Ebenso hält der Spiegel nicht unerhebliche Dokumente zurück die nicht in sein Weltbild passen. Wikileaks wird die Presse nachhaltig verändern, da nun informationen ungefiltert veröffentlicht werden.

Lichtgestalt und daher Staatsfeind

29.01.2011, 17:22 Uhr

Ungefilterte informationen bekommt heute in der Presse und in offiziellen Publikationen auch in der bRD niemand mehr! Da ist die Presse selbst schuld, wenn ihr die butter vom brot genommen wird.

Dass die derart blossgestellten (Politiker und die Presse) so etwas nicht mögen, verwundert nicht.

aruba

29.01.2011, 19:27 Uhr

Guten Tag,... Weder noch. Es sind informationen wie alle Anderen auch. besten Dank

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