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27.10.2014

19:53 Uhr

Julius-Berger-Mitarbeiter

Deutscher in Nigeria getötet

Mission mit tödlichem Ende: Ein Vertreter der deutschen Baufirma Julius Berger ist in Nigeria erschossen worden. Ein weiterer Deutscher wird vermisst. Eine Reaktion der Bundesregierung lässt noch auf sich warten.

In der Hand des Terrors: Nigeria ist häufig Schauplatz von Terroranschlägen. Das Schicksal der beiden Deutschen ist noch ungeklärt. dpa

In der Hand des Terrors: Nigeria ist häufig Schauplatz von Terroranschlägen. Das Schicksal der beiden Deutschen ist noch ungeklärt.

LagosUnbekannte Bewaffnete haben in Nigeria nach Angaben der Polizei einen Deutschen erschossen und einen zweiten entführt. Ein Sprecher sagte am Montag in Nigeria, die Tat habe sich bereits am Freitag in Sagamu im Bundesstaat Ogun im Südwesten des Landes ereignet. Bei den Opfern soll es sich um Mitarbeiter eines deutschen Bauunternehmens handeln. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Rande seines Besuches in der nigerianischen Hauptstadt Abuja: „Wir sind natürlich mit dem Unternehmen in Kontakt.“ Nigerias Präsident Goodluck Jonathan habe die Hilfe der nigerianischen Behörden zugesichert, betonte Steinmeier, ohne Details zu nennen.

Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass die beiden Deutschen auf dem Weg nach Ogbere in einen Hinterhalt gerieten. Bei den Angreifern handele es sich vermutlich um Kriminelle, die mit Entführungen Lösegelder erpressen wollten. „Die Untersuchung läuft noch, aber wir vermuten, dass der Fahrer des Wagens sich geweigert haben könnte, anzuhalten, als die Bewaffneten ihm dies befahlen.“ Daraufhin hätten sie in den Wagen gefeuert und unglücklicherweise einen der ausländischen Arbeiter getötet. Die Polizei vermutet, dass der andere Deutsche unverletzt verschleppt wurde. Der Sprecher versicherte, dass die Behörden alles in ihrer Macht stehende tun würden, um eine baldige Freilassung des Deutschen zu erreichen.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Mitte Juli war ein deutscher Lehrer im Nordosten Nigerias verschleppt worden. Der Leiter eines örtlichen Berufsbildungszentrums war im dem Ort Gombi im Bundesstaat Adamawa von Bewaffneten vor seinem Haus entführt worden. Wer dafür verantwortlich ist, wurde bisher nicht bekannt. Jedoch operieren Islamisten der Terrorgruppe Boko Haram in der Region. Auch zum Schicksal dieses Mannes wollte sich das Auswärtige Amt am Montag auf Anfrage nicht äußern.

Steinmeier war zusammen mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius zu einem Kurzbesuch in Abjuja. Im Mittelpunkt der Gespräche standen neben der Ebola-Seuche vor allem die Sicherheitslage in der Region. Nigeria wird seit Jahren von Anschlägen und Entführungen der Gruppe Boko Haram erschüttert. Die Gruppe, die jeden westlichen Lebensstil strikt ablehnt, will im Norden des Landes einen Gottesstaat errichten. Bei Anschlägen auf Schulen, Märkte, Kirchen und Polizeistationen wurden in den vergangenen Jahren Tausende Menschen getötet.

Für weltweites Entsetzen sorgte die Entführung von mehr als 200 Schülerinnen durch Boko Haram vor einem halben Jahr. Die Mädchen und jungen Frauen sind noch immer in der Hand der Terroristen. Die nigerianische Regierung hatte Mitte Oktober eine Waffenruhe mit Boko Haram verkündet und Hoffnungen auf eine baldige Freilassung der Schülerinnen geäußert. Boko Haram bestätigte den Waffenstillstand bislang jedoch nicht. Stattdessen wurden seitdem weitere Angriffe, Überfälle und Entführungen im Norden des Landes gemeldet, die auf das Konto der Islamisten gehen sollen.

Von

rtr

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