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17.06.2011

12:30 Uhr

Juncker

„Es ist nicht gut, wie Deutschland über die Griechen spricht“

VonAlbrecht Meier und Antje Sirleschtov
Quelle:Tagesspiegel

Der Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker glaubt an eine Rettung Griechenlands. Im Interview spricht er über das neue Rettungspaket für Athen, die Möglichkeit einer harten Umschuldung und die Sorgen der Deutschen.

Jean-Claude Juncker: "Es wird sehr schwer werden für die Griechen." Quelle: Reuters

Jean-Claude Juncker: "Es wird sehr schwer werden für die Griechen."

Herr Premierminister, zum zweiten Mal muss Europa Griechenland mit einem milliardenschweren Hilfspaket retten. Wird Griechenland das Geld jemals zurückzahlen können?

Dies wird ein extrem schwieriger Prozess für die Griechen werden. Aber ich muss feststellen, dass die Griechen ganz erhebliche Bemühungen bei der Konsolidierung des Haushalts erbracht haben. Sie haben sich jetzt bereit erklärt, bis Ende des Jahres noch einmal Maßnahmen in Höhe von drei Prozent des griechischen Bruttosozialproduktes zur Haushaltskonsolidierung vorzunehmen. Auf Deutschland übertragen, würde das bedeuten, dass in sechs Monaten dieses Jahres 125 Milliarden Euro eingespart werden.

Das werden die Griechen tun. Die Griechen sind einverstanden, ein sehr ambitioniertes Privatisierungsprogramm auf den Weg zu bringen. Hinzu kommen eine Menge Strukturreformen, damit sich das Wachstumspotenzial Griechenlands auf Dauer nach oben bewegt. Deshalb denke ich, dass die Perspektiven Griechenlands nicht so abgrundtief dunkel sind, wie sie oft beschrieben werden. Aber ich möchte überhaupt nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass dieser Prozess einfach für Griechenland sei. Er wird für die Griechen sehr schwierig werden.

Vertrauen Sie darauf, dass die Griechen das schaffen werden?

Ja. Aber ich betone: Es wird nicht im Handumdrehen machbar sein.

Wäre nicht eine harte Umschuldung nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ besser für Europa und auch für Griechenland?

Das sehe ich nicht so. Wenn man jetzt einen harten Schuldenschnitt machen würde, hätte dies eine Ansteckungsgefahr für viele Staaten in Europa mit unabsehbaren Konsequenzen zur Folge. Wir verfügen über keinerlei empirische Erfahrungen darüber, was es hieße, wenn sich ein Mitglied einer Währungsunion, wie es sie weltweit nur einmal gibt, zu einem solchen Schritt entschließen würde. Ich halte die Risiken für so hoch, dass ich vor einem solchen Schritt nur warnen kann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel macht die Zusage zu einem zweiten Hilfspaket für Griechenland von einer Beteiligung privater Gläubiger abhängig. Ist diese Forderung in Europa mehrheitsfähig?

Das hängt davon ab, wie man das im Detail ausgestaltet. Es gibt in der Euro-Zone eine wachsende Zustimmung für eine grundsätzliche Beteiligung der privaten Gläubiger. Man kann über die Beteiligung der Privatgläubiger reden. Das tun wir zurzeit, die Gespräche werden am Sonntagabend und am Montagvormittag fortgesetzt. Aber es gibt gewisse rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen: Es darf nicht zu einem Kreditausfall und einer weiteren Absenkung der Bonität Griechenlands kommen. Die Beteiligung muss freiwillig sein. Und es muss alles vermieden werden, was mit einer Ansteckungsgefahr für andere verbunden wäre.

Kommentare (62)

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Wutbuerger

17.06.2011, 12:47 Uhr

Und die Deutschen schlafen weiter und lassen sich von diese korrupten Lügnern vorführen......
ARMSELIG !

Ondoron

17.06.2011, 12:50 Uhr

Der Juncker hat noch nicht kapiert, dass er nur auf Zeit spielen kann. Das große Spiel "europäisches Projekt" ist schon verloren. Das liegt allein daran, dass jeder meint, die Spielregeln anders interpretieren zu können auf diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten Europa.
Die Wähler in den Geberländern werden das zukünftig mit neuen Parteien verhindern und auch die Bürger auf der Strasse Athens. Dann ist der Spuk vorbei.
Diese perfiden Politiker wie Juncker haben die größte politische Katastrophe in Europa seit 1945 zu verantworten - sie müssen zu gegebener Zeit zur Verantwortung gezogen werden. Ich jedenfalls werde niemanden vergessen, der hier mitgetan hat.

DonSarkasmo

17.06.2011, 12:50 Uhr

Wer bitte soll das Geschwätz dieses überdrehten Euro-Gockels noch ernst nehmen ? Fakt ist: Die Griechen haben sich mit Lug und Trug und jawohl, auch mit der Hilfe von Goldmann Sucks in die Euro-Zone eingeschlichen. Dann über Jahre billigste Kredite aufgenommen und verkonsumiert. Dass der Grieche von der Strasse davon nicht unmittelbar profitiert hat, mag sein. Dann muß er seine kriminellen Politiker aufknüpfen. Und wer bitte beleidigt Griechenland auf penetrante Weise ? Ist der Mann verrückt ? Kann der nicht wahrnehmen, wie die sich die Finger blutig zahlenden Deutschen derzeit in Griechenland als Nazis beschimpft und verunglimpft werden ? Haut doch endlich dieses EU-Dreckspack zum Teufel, damit sie wieder lernen, jeder für sich selbst verantwortlich zu sein. Diese ganze Schmieren-Komödie auf Kosten der deutschen Renten und Ersparnisse ist nur noch widerlich !!!!!!

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