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28.02.2013

06:48 Uhr

Junge Erwachsene in Krisenländern

Wenn die Familie den Sozialstaat ersetzt

VonAnne Grüttner, Gerd Höhler, Katharina Kort

In Italien springen die Eltern ein, wenn ihre Kinder arbeitslos bleiben. In Spanien flüchten sich junge Erwachsene in die Schwarzarbeit und in Griechenland bereiten viele Akademiker ohne Job den Absprung ins Ausland vor.

In Spanien demonstrieren Jugendliche gegen die Politik ihres Landes. ap

In Spanien demonstrieren Jugendliche gegen die Politik ihres Landes.

Rom/Madrid/AthenIn schöner Regelmäßigkeit treffen sich die EU-Politiker, um die gefährlichsten Brandherde der Schuldenkrise zu löschen. Doch wenn sich die Rauchschwaden lichten, machen sie den Blick frei für die Krise hinter der Schuldenkrise: Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg. Besonders bedroht sind junge Menschen, vor allem aus dem Süden Europas. Immer öfter wird vor einer „verlorenen Generation“ und daraus folgenden Gefahren für die politische Stabilität gewarnt.

Im vergangenen Dezember waren in den 27 EU-Ländern 5,7 Millionen Menschen unter 25 Jahren ohne Arbeit, das entspricht Berechnungen der EU-Statistikbehörde Eurostat zufolge im Durchschnitt mehr als 23 Prozent. Dabei zeigt sich jedoch eine klare Spaltung zwischen Nord und Süd: Während Deutschland mit einer Quote von acht Prozent am besten dasteht, gefolgt von Österreich mit achteinhalb und den Niederlanden mit zehn Prozent, droht den jungen Menschen aus dem Süden Europas die Perspektivlosigkeit: In Griechenland und Spanien hat deutlich mehr als jeder Zweite keinen Job, in Italien und Portugal ist mehr als jeder Dritte arbeitslos.

Jugendarbeitslosigkeit in Europa: Generation Lost

Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Generation Lost

In Europas Krisenländern haben junge Erwachsene kaum Chancen auf einen Job.

Der Übergang von der Ausbildung – in Schule oder Universität – in den abgesicherten Arbeitsmarkt ist für viele unmöglich. In letzter Zeit warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel in jeder ihrer Europa-Reden vor den Folgen der Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Die hohe Zahl der arbeitslosen Jugendlichen sei „unsere große Last zur Zeit“, sagt sie dann. Bei diesen hohen Arbeitslosenquoten in Spanien, Griechenland, Italien und Portugal sei es die Hauptaufgabe der Politiker, diesen jungen Menschen „Perspektiven aufzuzeigen“.

Milliarden wurden im EU-Haushalt für die kommenden Jahre zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit festgeschrieben. Doch zum einen dauert es, bis sich strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt auszahlen. Zum anderen bewegt sich der Jugendarbeitsmarkt nicht abgekoppelt vom allgemeinen Arbeitsmarkt – und dass die Krise Europa noch ein paar Jahre beschäftigen wird ist wohl unstrittig.

Wie die jungen Erwachsenen versuchen die aktuelle Misere zu meistern, beschreiben unsere Korrespondenten aus Italien, Spanien und Griechenland:

Kommentare (2)

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xyz

28.02.2013, 10:48 Uhr

http://de.euronews.com/2013/01/28/migranten-auf-dem-arbeitsmarkt/

in spanien ist die Ausbildung nicht per se praxisfern. Wie man hier sieht sind es vollzeitschulische Ausbildungen. Diese arbeiten aber mit vollkommen echten Restaurants, es werden echte Kunden bedient, ein echter Betrieb geführt.

Das ist sehr wohl praxisnah.

Der Grund, warum in diesen Ländern schulisch ausgebildet wird ist der, dass die Betriebe kein Geld für Ausbildung ausgeben wollten. In Frankreich und Dänemark gibt es deshalb eben Ausbildungsabgaben.

die Betriebe zahlen lieber die Abgabe als selbst auszubilden oftmals.

Hinzu kommt: während in DE viele ins Übergangssystem gemogelt werden, können in vollzeitschulischen Bildungsgängen eben auch jene ausgebildet werden, die sonst komplett unausgebildet bleiben, weil sie eben keinen Betrieb finden, wie z.B. Migranten.

das duale System setzt voraus, dass sich überhaupt betriebe zum ausbilden finden.

in DE bildeten in den 1980er Jahren noch ca. 36% bis 39% aller Betriebe aus, mittlerweile nur noch 22%.

Das liegt auch mit an der Abschaffung des Meisterzwangs, mehr Solounternehmern etc.

auch in DE beträgt die reelle Jugendarbeitslosigkeit 15 bis 17% und das mit oft niedrigeren Anteil jugendlicher Bevölkerung, die Franzosen, Finnen und Schweden haben mehr junge Leute, die sie einschleusen müssen.

in Niedersachsen sind momentan 18% derer zwischen 24 und 30 ungelernt und damit nie in Ausbildung gewesen. In Bremerhaven und HH und anderen Großstädten kommen nur ca. 20 bis 25% der Haupt- und Realschüler in Ausbildung rein, die anderen warten noch mehrere Jahre.

nicht alles Gold, was einem als solches vermarktet wird.

Account gelöscht!

28.02.2013, 11:00 Uhr

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit ist eine schlimme Tragödie. Deshalb ist es unbedingt notwendig, die Frage zu klären, was Arbeitsplätze schafft. Subventionierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen schaffen nur kurzfristig Hilfe. Das Geld fehlt später woanders. Nachhaltige Arbeitsplätze entstehen nur, wenn Werte geschaffen werden, oder schnöde formuliert, wenn Gewinn erwirtschaftet wird. Das ist nicht Aufgabe des Staates, sondern der Wirtschaft. Und die macht das auch. Warum? "Profitgier"! Der Staat muss den Rahmen vorgeben, möglichst großzügig, er muss für gute Bildung der Menschen und die Infrastruktur sorgen. Eingriffe in den (Arbeits-)Markt sind meist kontraproduktiv. Die Liberalisierungen des Arbeitsmarktes in Deutschland sind wahrscheinlich einer der Hauptgründe dafür, dass die Krise uns nicht so stark erwischt hat. Diesen schmerzhaften Weg müssen nun auch die Südländer gehen. Das ist allemal besser als diese grausame Jugendarbeitslosigkeit.

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