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28.12.2011

18:16 Uhr

Justin Yifu Lin

„Es kann ein goldenes Zeitalter geben“

ExklusivDer Chefökonom der Weltbank fordert, den Blick über die Staatsschuldenkrise hinaus auf die realen Bereich der Volkswirtschaften zu richten. Den Entwicklungsländern rät er, ihre Industrien schneller auszubauen.

Justin Yifu Lin, Chefökonom und Vizepräsident der Weltbank. dapd

Justin Yifu Lin, Chefökonom und Vizepräsident der Weltbank.

Der Chefökonom der Weltbank, Justin Yifu Lin, hält ein Erreichen der Millenium-Entwicklungsziele für möglich, sofern die Industralisierung in den Entwicklungsländern stärker forciert wird. Sie helfe „neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Lücke zu den Industrieländern zu schließen.“ Wenn das gelinge, könnten die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreicht werden, die in der Halbierung der Armut bis 2015 bestehen, schreibt der Chefökonom der Weltbank, Justin Yifu Lin, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. „Dann kann es tatsächlich ein goldenes Zeitalter für alle geben.“

Mit Ausnahme einiger Ölexportländer sei in der Geschichte noch kein Land ohne Industrialisierung reich geworden. Alle Blicke sollten sich deshalb jetzt auf die realen Bereiche unserer Volkswirtschaften richten. Angesichts der Finanzkrise in Europa seien Politiker weltweit mit einer ungemütlichen Realität konfrontiert: „Wenn die Industrieländer sich weiter vornehmlich auf Finanzgeschäfte verlassen und sich nicht von Grund auf erneuern, verlieren sie ihren bisherigen Lebensstandard. Die Weltgemeinschaft muss über die Euro-Zone und Staatsschuldenkrisen hinausblicken und die Gelegenheit zur strukturellen Transformation in den realen Sektoren der sich entwickelnden Welt wahrnehmen.“

Tatsächlich könnten wir, indem wir unsere Entwicklungsanstrengungen auf die relativen Vorteile ärmerer Länder richten, Vertrauen in den Unternehmenssektor wiederherstellen und Investitionen in die Schaffung von Arbeitsplätzen fördern – nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in fortgeschrittenen Volkswirtschaften.  Die Entwicklungsländer könnten ihre Industrien schneller ausbauen, „da sie ohne viel Risiko Technologie von den Industrieländern erhalten können“. 

Die Strategie für Entwicklungsländer liege darin, dieselben Industrien aufzubauen, die seit Jahrzehnten für Wachstum in reichen Ländern gesorgt haben. China habe dabei eine herausragende Rolle. Es befinde sich jetzt an der Schwelle zu einer Führungsposition und habe die Möglichkeit, im kommenden Jahrzehnt 85 Millionen niedrig qualifizierte Arbeitskräfte auszulagern. Die Direktinvestitionen Chinas im Ausland hätten 2010 bereits ein Volumen von 68 Milliarden Dollar erreicht und damit die Japans und Großbritanniens übertroffen. Indien, Brasilien, Russland und Südkorea lägen nicht weit dahinter.

Damit Entwicklungsländer vom industriellen Fortschritt Chinas und anderer großer Schwellenländer richtig profitieren können, müssen ihre Regierungen allerdings handelbare Güter ausfindig machen, die einen möglichen Wettbewerbsvorteil bieten.

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