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11.01.2007

20:03 Uhr

Justiz fasst Drahtzieher

Mord an russischem Zentralbanker aufgeklärt

VonMathias Brüggmann

Mit der Festnahme eines Moskauer Bankers hat die russische Justiz den Mord am Zentralbank-Vize Andrej Koslow offenbar aufgeklärt. Koslow hatte der Bank des mutmaßlichen Auftraggebers des Mordes die Lizenz entzogen - wegen Geldwäsche.

MOSKAU. Die Moskauer Behörden nahmen am Donnerstag nach Informationen des russischen Handelsblatt-Partners „RosBusinessConsulting“ (RBC) den früheren Chef der russischen VIP-Bank, Alexej Frenkel, fest. Das erfuhr RBC von Frenkels Anwalt Igor Trunow. Zentralbanker Koslow war Mitte September von Auftragskillern auf dem Spartak-Trainingsgelände in Moskau erschossen worden, nachdem er mit mehreren Bank-Mannschaften Fußball gespielt hatte. Als Motiv der Bluttat gilt Koslows hartes Vorgehen gegen Geldwäsche.

Koslow war in der Zentralbank für die Bankenaufsicht zuständig. Dabei hatte er mehr als 80 der immer noch rund 1300 russischen Geldhäusern ihre Lizenz entzogen, da sie der Geldwäsche verdächtigt wurden. Darunter war nicht nur Frenkels VIP-Bank im Juni 2006 sowie 2004 auch die Sodbusinessbank, durch deren Absturz prominente russische Anleger Einlagen in Höhe von dreistelligen Dollar-Millionen verloren hatten. Der 35-jährige Frenkel soll nach Moskauer Medienberichten mit Sodbusiness eng verbunden gewesen sein. Sodbusiness-Chef Alexander Slesarjew war kurz nach der Bankschließung zusammen mit seiner Frau und seiner 15-jährigen Tochter in seinem Auto erschossen worden.

Koslow war ranghöchstes Mordopfer

Der Mord an Koslow hatte im vorigen Jahr erhebliche Verunsicherung in der russischen Geschäftswelt ausgelöst. Denn mit dem Top-Banker war der bisher ranghöchste Staatsbeamte auf offener Straße erschossen worden. Das erinnerte an die Serien-Auftragsmorde an Unternehmern, Politikern und Bankiers in der Jelzin-Ära. Die meisten dieser Bluttaten waren nie aufgeklärt worden. Russlands Präsident Wladimir Putin, der im öffentlichen Ansehen auch wegen des Mordes an der kreml-kritischen Journalistin Anna Politkowskaja unter Druck steht, hatte von seinen Strafverfolgungsbehörden die Aufklärung der Koslow-Tötung verlangt.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Festnahme eines „hochrangigen russischen Geschäftsmanns, der Inhaber eines großen kommerziellen Konsortiums“ sei. Der Name Frenkel indes wurde von den Ermittlern zunächst nicht genannt. Bereits im Dezember waren drei Ukrainer verhaftet worden, die Koslow erschossen haben sollen. Jetzt wurde mit Frenkel auch der mutmaßliche Auftraggeber gefasst.

Russlands Bankwesen boomt und lockt immer mehr ausländische Geldhäuser an, die im Riesenreich eigene Tochterbanken gründen oder russische Rivalen übernehmen. Zugleich ist aber noch immer die Masse der kleinen Institute äußerst intransparent. Die vier größten Banken sind in Staatshand. Allein an der Nummer eins, der Sberbank, hält Russlands Zentralbank einen 60-prozentigen Anteil. Die 30 größten Geldhäuser kontrollieren zwei Drittel des Marktes. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte 2005 in einer Studie festgestellt, dass die Eigentümer von 84 Prozent des Eigenkapitals der 30 größten Kreditinstitute weiterhin unbekannt seien.

Demhingegen wickeln Hunderte Minibanken vor allem Schwarz- und Graumarktgeschäfte ab und betreiben nach Angaben der Bankenaufsicht massiv Geldwäsche. „Obnal“ wird dabei Umwandlung von Schwarzgeldern in Milliarden-Höhe genannt.

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