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11.02.2004

16:33 Uhr

Justiz stellt Fall des Präsidentschaftskandidaten ein

Rybkin fühlte sich verfolgt

Der russische Präsidentschaftskandidat Iwan Rybkin, der durch sein vorübergehende Verschwinden in die Schlagzeilen gelangte, hat Vorwürfe gegen die Sicherheitsdienste des Landes erhoben. Sie hätten genau gewusst, wo er sich befunden habe, sagte Rybkin in Moskau dem Fernsehsender Echo Moskwy. Er habe sich verfolgt gefühlt.

Iwan Rybkin bei einem seiner letzten Auftritte vor seinem Verschwinden. Foto: dpa

Iwan Rybkin bei einem seiner letzten Auftritte vor seinem Verschwinden. Foto: dpa

HB MOSKAU. Der Kreml-Kritiker Rybkin war am Wochenende von seiner Frau als vermisst gemeldet worden und hatte sich erstmals am Dienstag „nach mehreren Tagen bei Freunden in Kiew“ gemeldet. Die russische Justiz stellte ihre Ermittlungen gegen Unbekannt ein.

Die Äußerungen des bei seiner Rückkehr aus Kiew verwirrt und niedergeschlagen wirkenden Rybkin ließen am Mittwoch viele Fragen offen. Er sei auf seinen Reisen ständig beobachtet worden. „Das ist mir sehr zuwider.“ Rybkin kündigte eine einwöchige Pause an, in der er über eine Beendigung seiner Kandidatur nachdenken wolle.

Am Vortag hatte der frühere Vize-Regierungschef berichtet, er sei ohne Vorankündigung mit dem Zug nach Kiew gefahren. „Ich habe ein Recht auf zwei, drei Tage Privatsphäre“, sagte Rybkin zur Begründung. In Kiew habe er sich mit Gegnern von Präsident Leonid Kutschma getroffen, was aber in Oppositionskreisen dementiert wurde.

In den vergangenen Tagen war immer wieder über eine Verbindung zwischen Rybkins heftiger Kritik an Präsident Wladimir Putin in der Vorwoche und seinem Verschwinden diskutiert worden. Rybkin, der von dem in London lebenden Milliardär und Kreml-Gegner Boris Beresowski unterstützt wird, hatte Putin als „korrupt“ und dessen Politik in Tschetschenien als „Staatsverbrechen“ bezeichnet.

Manche russischen Medien vermuteten eine Inszenierung Beresowskis. „Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Rybkin - wohl mit Hilfe Beresowskis - einen Skandal um sein Verschwinden inszeniert hat“, schrieb das Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“ am Mittwoch. Andere Zeitungen zeigten völliges Unverständnis für Rybkin.

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