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14.07.2016

08:30 Uhr

Kabinett von Theresa May

Reichlich verwegen – und äußerst solide

VonKatharina Slodczyk

Mit der Ernennung von Boris Johnson als Außenminister wertet die neue Premierministerin Theresa May dieses Amt ab. Mit dem neuen Finanzminister geht sie dagegen keine Risiken ein. Eine Analyse.

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Nach Camerons Rücktritt: Queen ernennt Theresa May zur Premierministerin

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Es ist vielleicht eine besondere Art Humor, ausgerechnet Boris Johnson zum neuen britischen Außenminister zu machen. Das gibt dem ehemaligen Londoner Bürgermeister und Wortführer der Brexit-Befürworter die Gelegenheit, dem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier seinen Vergleich zwischen Adolf Hitler und der EU mal genauer zu erklären. Im Wahlkampf vor dem britischen Referendum erklärte Johnson, die Einflussnahme der Staatengemeinschaft sei so ähnlich wie Hitlers kontinentale Machtansprüche.

Doch das ist nicht das einzige, was an der Wahl der neuen Premierministerin Theresa May verwegen und eher merkwürdig daherkommt. Es passt auf den ersten Blick einfach nicht zusammen, dass Johnson, einer der wohl talentiertesten Populisten des Landes, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, jetzt Top-Diplomat wird. Das wertet das Amt des Außenministers zu einem gewissen Grad ab.

Ja, Johnson ist auch studierter Alt-Philologe und ein Produkt britischer Elite-Institutionen wie Eton und Oxford. Er zitiert gern Ovid, kann gleichzeitig auch in der Provinz jeden Briten mit einfachen und humorvollen Worten um den Finger wickeln. Aber kann dieser Mann, den Großbritanniens Ex-Premier John Major mal einen Hofnarren nannte, wirklich außenpolitische Konflikte richtig einschätzen und dabei eine schwierige Vermittlerrolle einnehmen? Zweifel sind mehr als angebracht.

Am Mittwochabend, nur kurze Zeit nach ihrer offiziellen Ernennung zur neuen britischen Premierministerin durch die Queen, hat Theresa May wichtige Positionen in ihrem Kabinett besetzt. Sie hat für eine austarierte Mischung zwischen Europabefürwortern und Skeptikern gesorgt. Ein geschickter Schachzug, denn damit holt sie die Kämpfer für einen Brexit, die teilweise mit unrealistischen Vorstellungen und Versprechen im Wahlkampf auftraten, in die Verantwortung.

May selbst war für den Status quo. Mit Vertretern des anderen Lagers in ihrem Regierungsteam stellt sie auch Kritiker ruhig, die befürchteten, sie könnte zu viele Gleichgesinnte ins Kabinett holen und ihr Versprechen, den Brexit in Gang zu setzen und so den Willen von 52 Prozent der Briten umzusetzen, am Ende doch durch die Hintertür auszuhebeln versuchen.

Boris Johnson hatte ursprünglich selbst Ambitionen auf das Amt des Premierministers. Kritiker werfen ihm vor, dass er sich nur aus politischem Opportunismus auf die Seite der Brexit-Befürworter geschlagen hat – in der Hoffnung, nach dem Referendum ins höchste Regierungsamt zu kommen und David Cameron abzulösen. Bei EU-freundlichen Briten gilt Johnson, der Blondschopf mit den schlecht sitzenden Anzügen, daher als unglaubwürdig. Nach dem Brexit-Votum kandidierte er allerdings doch nicht als Premier, nachdem ihn sein Mitstreiter Michael Gove ausgebootet hatte.

Johnsons politische Karriere hielten Beobachter daher für beendet. Doch jetzt kommt sein Comeback. Von Johnson abgesehen ging May bei anderen Posten keine Risiken ein.

Kommentare (33)

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Herr Michael Müller

14.07.2016, 08:46 Uhr

Oftmals stellt sich im Leben ein dramtaisches Ereignis im Nachhinein als Glückfall dar. Angesichts der dramatischen Lage der EU mit den Finanzproblemen in Griechenland, Italien, Frankreich, Portugal, Spanien, dem Flüchlingsproblem sowie weiteren Krisenpunkten sind die Probleme der Briten doch eher kleinlich. In wenigen Jahren, spätestens wenn das "Beuteland" Deutschland sich vollends abgeschafft hat und islamisiert ist, wird der Brexit als ein Erfolg gefeiert. Ich wünsche Frau May und Herrn Johnson viel Erfolg!

Account gelöscht!

14.07.2016, 08:53 Uhr

Mit Boris Johnson als Außenminister hat May eine gute Wahl getroffen. Johnson wird England nach außen hin mit einer klaren Kante vertreten und sich loyal zur Innenpolitik verhalten.

May wird die Englische Politik so ausrichten, dass diese England und seinen Interessen dient und sich keinen mehr unterwerfen muss. Die EU war für die Englander eine einzige Demütigung.

Rainer von Horn

14.07.2016, 08:56 Uhr

Und wenn ich mir so den FTSE 100 ansehe, scheinen die Investoren das ganz ähnlich zu beurteilen, Herr Hofmann.

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