Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2011

11:19 Uhr

Kämpfe

Deutsche Botschaft schließt im Jemen

Im Jemen eskaliert die Gewalt. Proteste drohen in einen Bürgerkrieg auszuarten. Deutschland hat daher die Botschaft in dem arabischen Land geschlossen. Auch die Briten verlassen den Jemen.

Die Proteste im Jemen eskalieren. Quelle: dapd

Die Proteste im Jemen eskalieren.

Berlin„Wir sehen uns angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Hauptstadt Sanaa gezwungen, unsere Botschaft vorübergehend zu schließen und unser Personal aus dem Jemen abzuziehen“, erklärte Außenminister Guido Westerwelle am Samstag. „Ich fordere alle Landsleute eindringlich auf, das Land umgehend zu verlassen, sofern dies sicher und möglich erscheint.“

Deutschland beobachte die Lage in Sanaa und im gesamten Jemen seit Wochen mit wachsender Sorge, sagte Westerwelle. Die Bundesregierung habe mehrfach an Präsident Ali Abdullah Saleh appelliert, die Zivilbevölkerung im Jemen zu schützen. „Wir fordern einen geordneten politischen Übergang und rufen zu einem friedlichen gesellschaftlichen Dialog und zu Reformen auf.“

Saleh sei diesen Forderungen nicht nachgekommen. „Die in der letzten Zeit im Jemen begangenen Menschenrechtsverletzungen sind nicht hinnehmbar.“ Die Bundesregierung verurteile „jegliche Form der Gewaltanwendung auf das Schärfste“.

Die bislang verbliebene Kernmannschaft der Botschaft werde den Jemen verlassen, sobald dies sicher und möglich sei, teilte das Auswärtige Amt mit. Auch wenn die Kämpfe in der Hauptstadt Sanaa sich nicht unmittelbar gegen Ausländer richteten, habe die aktuelle Gefährdungslage das Auswärtige Amt zu dieser Entscheidung bewogen.

Auch der britische Außenminister William Hague hat angesichts der eskalierenden Gewalt im Jemen alle Briten aufgefordert, das Land umgehend zu verlassen. Sie sollten Linienflüge nutzen, „solange sie noch fliegen“, sagte Hague in der Nacht zum Samstag.

„In dieser schwierigen Sicherheitslage ist es extrem unwahrscheinlich, dass die britische Regierung in der Lage sein wird, britische Staatsangehörige aus dem Land zu holen“, sagte Hague. Mehrere hundert Briten sollen sich noch in dem ärmsten Land der arabischen Halbinsel aufhalten.

Der Jemen droht nach Monaten überwiegend friedlicher Proteste gegen die fast 33-jährige Herrschaft Salehs in einen Bürgerkrieg abzurutschen. Insbesondere in Sanaa hat sich der Machtkampf zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten zugespitzt, aber auch aus anderen Landesteilen werden immer wieder Kämpfe gemeldet. Mehr als 150 Menschen wurden allein in den vergangenen eineinhalb Wochen getötet. Am Freitag wurde Saleh bei einem Angriff auf den Präsidentenpalast verletzt. Salih machte einen rivalisierenden Clan für das Attentat verantwortlich, der die seit Monaten demonstrierenden Regimegegner unterstützt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×