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15.08.2016

17:23 Uhr

Kämpfe in Aleppo

Berlin wirft Moskau Zynismus vor

Die Bundesregierung wirft Russland Zynismus im Umgang mit Aleppo vor. Eine dreistündige Feuerpause reiche nicht, um die Bewohner zu versorgen. Derweil macht Russlands Verteidigungsminister eine überraschende Ankündigung.

Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe. AP

Überlebenskampf in Aleppo

Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.

BerlinDie Bundesregierung hat das russische Vorgehen in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo scharf kritisiert und der Führung in Moskau Zynismus vorgeworfen. „Das Elend der Menschen dort ist nicht zu lindern, wenn drei Stunden Feuerpause am Tag verkündet werden“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Das soll wie ein Entgegenkommen klingen, ist aber eigentlich Zynismus, denn jeder weiß, dass diese Zeit nicht annähernd ausreicht, um eine Versorgung der verzweifelten Menschen wirklich aufzubauen.“ Dafür sei eine deutlich längere Waffenpause nötig. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier in Jekaterinburg, ihm sei klar, dass die kurzen Feuerpausen nicht genügten.

Russland, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad militärisch stützt, hatte zuletzt eine dreistündige Feuerpause pro Tag sowie Fluchtkorridore für Aleppo angekündigt. Lawrow sagte, eine längere Waffenruhe sei derzeit jedoch nur schwer machbar, weil sie den Aufständischen die Möglichkeit gäbe, sich neu aufzustellen und frische Waffen zu besorgen. Dies sei in der Vergangenheit so geschehen. Der stellvertretende russische Außenminister Michail Bogdanow will sich am Dienstag in Doha mit Vertretern der syrischen Opposition treffen, wie die Nachrichtenagentur RIA meldete.

Moskaus Militäreinsatz in Syrien

September 2015

Assads Verbündeter Russland beginnt Luftangriffe in Syrien. Neben Bombern und Kampfjets werden Hubschrauber und Marschflugkörper von Kriegsschiffen eingesetzt. Damit soll nach Kreml-Angaben die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft werden. Ein Großteil der Angriffe richtet sich jedoch, wie Kritiker immer wieder herausstellen, gegen Rebellen, die mit den Dschihadisten des IS verfeindet sind.

Oktober 2015

Das syrische Regime beginnt mit russischer Luftunterstützung eine Bodenoffensive gegen Rebellengruppen. Assads Einheiten erzielen in mehreren Provinzen Geländegewinne.

November 2015

In Wien einigen sich die Teilnehmer einer Syrien-Konferenz, darunter Russland, auf einen Friedensfahrplan. Er sieht auch eine Übergangsregierung vor.

November 2015

Die Türkei schießt ein russisches Kriegsflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien ab. Der Pilot stirbt. Manche fürchten eine Eskalation des Konfliktes zwischen dem Nato-Mitglied Türkei und Moskau. Als Vergeltung erlässt Präsident Wladimir Putin Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei.

Februar 2016

Die angesehene Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte macht Russland für Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser verantwortlich. Dabei sollen rund 50 Menschen getötet worden sein. Syriens Botschafter in Moskau hatte zuvor erklärt, US-Kampfflugzeuge hätten eine Klinik zerstört.

März 2016

Mit russischer Luftunterstützung erobert Assads Armee die antike Oasenstadt Palmyra vom IS zurück. Wladimir Putin befiehlt militärische Veränderungen, die Rede ist von einem Teilabzug. Nach Ansicht von Beobachtern nimmt die Zahl russischer Waffen und Soldaten zunächst aber kaum ab.

Mai 2016

Mit dem Konzert eines Symphonie-Orchesters aus St. Petersburg im Amphitheater von Palmyra zeigt Syriens enger Partner Russland demonstrativ seine starke Rolle im Bürgerkrieg.

„Das Töten und das Sterben in Aleppo müssen ein Ende haben“, forderte Seibert. Die Stadt brauche eine ungehinderte Versorgung mit Nahrungsmitteln und mit medizinischem Bedarf. „Der syrische Präsident und sein Partner Russland dürfen sich diesen humanitären Mindestforderungen nicht verweigern.“ Beide würden hauptsächlich die Verantwortung für die Lage in der früheren Millionenstadt tragen. „Ihre Entscheidung ist es in erster Linie, ob in Aleppo weiter gestorben wird oder ob die Menschen dort nach Monaten des Leidens Hilfe und Hoffnung bekommen“, betonte Seibert. Umgehend nötig seien nun von den Vereinten Nationen kontrollierte humanitäre Zugänge, über die die Menschen mit Lebensmitteln und Wasser versorgt werden könnten. Außerdem sei zumindest ein befristeter Waffenstillstand notwendig.

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