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28.04.2013

15:40 Uhr

Kaesong vor dem Aus

Südkoreaner verlassen Industriepark in Nordkorea

Die Sorge vor einem Aus des innerkoreanischen Industrieparks Kaesong wächst: Südkoreanische Unternehmen ziehen auf Geheiß der eigenen Regierung ihre letzten Mitarbeiter ab. Nordkorea gibt sich unnachgiebig.

Südkoreanische Arbeiter verlassen mit ihren Produkten den innerkoreanischen Industriepark Kaesong. ap

Südkoreanische Arbeiter verlassen mit ihren Produkten den innerkoreanischen Industriepark Kaesong.

SeoulIm Koreakonflikt zeichnet sich keinerlei Entspannung ab. Das letzte gemeinsame wirtschaftliche Großprojekt zwischen Süd- und Nordkorea ist mehr denn je bedroht. Dennn fast drei Wochen nach dem Produktionsstopp im Industriepark von Kaesong in Nordkorea zogen sich am Wochenende die letzten der dort noch verbliebenen Südkoreaner zurück - auf Anordnung der eigenen Regierung. Außerdem gibt es Hinweise auf eine größere Militärübung an der Westküste Nordkoreas.

Die südkoreanische Agentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass Nordkorea während des Manövers Feldartillerieeinheiten und Verbände der Luftstreitkräfte einsetzen könnte. Auch der Abschuss von Raketen werde nicht ausgeschlossen.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Aus der grenznahen Sonderwirtschaftszone Kaesong kehrten am Samstag 125 Südkoreaner sowie ein Chinese zurück, wie das Vereinigungsministerium in Seoul mitteilte. Die letzte Gruppe von 50 Personen werde voraussichtlich an diesem Montag folgen.

Mit dem Abzug ihrer Mitarbeiter folgen die in Kaesong tätigen südkoreanischen Unternehmen der Aufforderung der eigenen Regierung, angesichts der verschärften politischen Spannungen das kommunistische Nachbarland zu verlassen.

Die Entscheidung der Regierung habe die Unternehmen „irritiert“, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap den Leiter des Unternehmensverbands für den Kaesong-Komplex, Han Jae Gwon. Sie befürchteten jetzt die Schließung des Gewerbekomplexes. Cho Yong Joo, Manager einer Elektronikfirma in Seoul, sagte AFP, er fühle sich „eher beunruhigt als erleichtert“ über seine erste Rückkehr innerhalb eines Monats. „Kaesong sollte überleben, aber die Dinge stehen nicht gut“, fügte er hinzu. Einige Arbeiter brachen in Tränen aus, als Kollegen in Südkorea sie zuhause willkommen hießen.

Angesichts der Sorge um die Anlagen hatte Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae am Freitag Nordkorea aufgefordert, „den Schutz der Investitionen der Unternehmen in Kaesong vollständig zu garantieren. Das Regime in Pjöngjang hatte kurz zuvor einen als Ultimatum gestellten Vorschlag des Südens abgelehnt, Gespräche über die Sonderzone aufzunehmen. Nordkorea drohte im Gegenzug mit nicht weiter beschriebenen „gravierenden Maßnahmen“.

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