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08.01.2009

11:01 Uhr

Kalifornien

Ex-Ebay-Chefin rüttelt am „Terminator“

VonRüdiger Scheidges

Sie gibt keine Interviews, nimmt nicht Stellung und ist abgetaucht: Beste Zeichen dafür, dass die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman tatsächlich Arnold Schwarzenegger als Gouverneur Kaliforniens beerben will. Die Amtszeit des schillernden Ex-Österreichers läuft im nächsten Jahr aus.

Pflegt hervorragende Beziehungen zum einstigen Präsidentschaftsbewerber John McCain: Meg Whitman. Foto: Reuters Reuters

Pflegt hervorragende Beziehungen zum einstigen Präsidentschaftsbewerber John McCain: Meg Whitman. Foto: Reuters

SAN FRANCISCO. Die 52jährige Milliardärin ist wie Hollywoods früherer "Terminator" Mitglied der Republikanischen Partei. Kalifornien selbst ist aber von Demokraten beherrscht. In Umfragen liegt die Partei Barack Obamas 13 Prozent vor den Republikanern. Doch wählt der bevölkerungsstärkste Staat der USA und die fünftgrößte Wirtschaftsmacht der Welt mit einem Bruttosozialprodukt größer als das Frankreichs, traditionell über die Parteigrenzen hinweg.

Das machte bei Schwarzenegger keinen Umstand: Der Politiker mit dem starken Akzent unterscheidet sich kaum von den Demokraten, und er hat George W. Bush im Wahlkampf nur notgedrungen unterstützt. Denn Bush hat die Bedeutung innovativer Technologie und der Umwelttechnologie für die USA und besonders Kalifornien beharrlich ignoriert. Die aber - IT, Umwelttechnik, Sonnenenergie - ist für Kalifornien von eminenter Bedeutung - auch wenn das dem notorisch bankrotten Staat bisher nicht auf die Füße verhelfen konnte.

Genau deshalb fühlen sich nun einige Manager aus dem Silicon Valley, dem weltweiten IT-Eldorado, berufen, der Politik auf die Sprünge zu helfen. Ebay, das Whitman in zehn Jahren von einer 30 Mann-Klitsche in ein globales multimilliarden Unternehmen verwandelt hat, hat seinen Sitz am Südzipfel des Silicon Valley in San Jose, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den grossen IT-und Solarfirmen, die sich auf Alterntivenergie spezialisieren. Und Ex-Ebay-CEO Whitman hat jetzt alle Jobs in diversen Aufsichtsräten aufgegeben, um sich auf eine neue Aufgabe konzenrieren zu können, heißt es bei Republikanern in Kaliforniens Hauptstadt Sacramento.

Dabei ist ungewiss, ob ihre hervorragenden Beziehungen zum einstigen Präsidentschaftsbewerber John McCain, den sie im Wahlkampf als Co-Vize der Republikaner unterstützte, ausreichen, um Schwarzenegger beerben zu können. Zum einen weiß niemand, was sie zum Gouverneur-Posten treibt. Zum anderen hat sie mit Tom Campbell (52) einen erfahrenen und honorigen Wirtschaftsexperten zum Konkurrenten, der alle Strippen der Hauptstadt zu ziehen weiß. Und er hat den Überökonom Milton Friedman zum Doktorvater, was ihm schon half, unter Präsident Ronald zum Direktor für Wettbewerb aufzusteigen.

Nicht zuletzt bieten die Demokraten eine Reihe profilierter Gegenkandidaten an, die von der Stimmung in Kalifornien profitieren wollen, dass auch im "Golden State" die Republikaner abgewirtschaftet haben und die Trauben in Washington weit höher hängen werden, wenn den Demokraten in Washington in Sacramento die alten Bush- und McCain- Spezls gegenübersitzen.

Mit Dianne Feinstein (75) haben die Demokaten ausserdem eine profilierte Politikerin, die in Umfragen großen Zuspruch (51 Prozent würden sie wählen) genießt. Dann gibt es noch Jerry Brown. Der 70jährige war bereits Gouverneur (1975 bis 1983), danach nur mäßig erfolgreicher Bürgermeister von Oakland, der Hochburg der Kriminalitaet in der Bay Area. Als Generalstaatsanwalt hat er jetzt keinen schlechten Ruf, doch will der 70jährige nicht recht ins Image des jungen, technologischen Kalifornien passen.

Doch selbst die erst 52jaehrige Whitman gilt als "silicon Valley-Veteranin", wie die "New York Times" maliziös anmerkt. In diese Art Alters-Sippenhaft nimmt die Ostküsten-Zeitung aber die gesamte Gründergeneration des Valley. Denn ein halbes Dutzend solcher startups-Pioniere interessiert sich jetzt für den Job in Sacramento. Unter ihnen der republikanische High-Tech-Unternehmer Steve Poizner (52) und Demokrat Steve Westly, ebenfalls 52 und ebenfalls ein frueherer Ebay-Manager.

Bei aller Bewunderung, die die Amerikaner solch erfolgreichen Managern zollen, die mangelnde politische Erfahrungen vieler Kandidaten stößt vielen böse auf. "In der Welt der Wirtschaft herrschen Befehl und Kontrolle. Du kannst anordnen und deine Angestellten folgen. In der Politik musst du deine Leute ueberzeugen, sonst fallen sie von dir ab," mahnt macchiavellistisch Bruce Cain, der eher linke Politikprofessor der - eher linken und öffentlichen Eliteuniversitaet von Kalifornien in Berkeley.

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