Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2011

21:21 Uhr

Kaliforniens Gouverneur Brown

Das schwere Erbe des „Gouvernators“

VonRüdiger Scheidges

Jerry Brown ist am Montag als neuer Gouverneur von Kalifornien vereidigt worden. Er muss nun mit den ungelösten Problemen seines Vorgängers Arnold Schwarzenegger kämpfen. Eine gewaltige Aufgabe: Das Land ächzt unter 20 Milliarden Dollar Schulden, 12,4 Prozent Arbeitslosigkeit und einem maroden Gesundheitssystem.

Jerry Brown hat einiges zu tun DAPD

Jerry Brown hat einiges zu tun

BERLIN. Als Jerry Brown nach den gewonnenen Gouverneurswahlen Anfang November auf die Bühne des legendären "Fox Theatre" in Oakland sprang, hatten viele Gäste noch B.B. King mit seinem Blues "The thrill is gone!" im Ohr. - Der Kitzel ist weg! Zwar jubelte der 72-jährige Demokrat damals gehörig mit seinen Fans. Doch schon im Siegesrausch war ihm klar, dass der "thrill" für ihn vorbei sein dürfte.

Vom republikanischen Vorgänger Arnold Schwarzenegger hat Brown in der vergangenen Nacht ein Kalifornien übernommen, das zwar nach wie vor als achtgrößte Volkswirtschaft der Welt firmiert. Doch hinter der Fassade bröckelt es: Das Land ächzt unter 20 Milliarden Dollar Schulden, 12,4 Prozent Arbeitslosigkeit und einem maroden Gesundheitssystem. Obendrein kränkelt Hollywood, stockt die "Green Tech"-Industrie, und der Raumfahrt ist der Mond abhanden gekommen. Kurz: In Kalifornien, dem Land des Aufbruchs und der Innovation, regiert der Blues.

Brown war von 1975 bis 1983 bereits zweimal Gouverneur, danach Bürgermeister von Oakland, der kalifornischen Hauptstadt des Verbrechens. Seit 2006 profilierte sich der Jurist als Justizminister des Landes. Der Umstand, dass der Name des ausgefuchsten Politkarrieristen noch immer Wähler mobilisieren kann, liegt in den goldenen Zeiten Kaliforniens begründet, als er unorthodox zum "Gouverneur Mondschein" avancierte: Der eingefleischte Ökofreund war der Erste, der erneuerbare Energien förderte. Als Vegetarier, Gegner des Vietnamkriegs und der Todesstrafe kam er vielen Amerikanern außerhalb Kaliforniens wie ein leibhaftiger Kommunist vor. Doch der mit 38 Millionen Bewohnern bevölkerungsstärkste US-Staat blühte auf, wurde Pilgerstätte für Rockstars, Hippies und andere Freaks. Prompt war Brown damals mit der "Queen of Rock", Linda Ronstadt, liiert.

Doch dieses eher halbseidene Image ist längst Vergangenheit: Als Justizminister hat Brown sich einen ebenso knüppelharten Law-and-Order-Ruf aufgebaut wie zuvor als Bürgermeister von Oakland. Und er hat im Wahlkampf gezeigt, dass er sich mit Chuzpe gegen eine scheinbar grenzenlose materielle Übermacht durchsetzen kann: Während seine republikanische Gegnerin Meg Whitman, Ex-Chefin des Internet-Auktionshauses Ebay, 140 Millionen Dollar in die Schlacht um den Gouverneurssitz pumpte, eiste Brown gerade mal ein Zehntel davon los.

Browns größtes Kapital als neuer Gouverneur ist seine Parteizugehörigkeit. Als Demokrat ist er Teil der Mehrheit, an der Schwarzenegger trotz vieler Kompromisse scheiterte. In Finanz- und Steuerdingen will die Verfassung eine Zweidrittelmehrheit, die der "Gouvernator" nie bekam. Doch auch Browns Spielräume sind eng: Die Budgetnotlage erzwingt drastische Sparmaßnahmen. Dabei wird sich Brown mit den mächtigen Beamtengewerkschaften anlegen müssen, die seinen Wahlkampf unterstützt haben. Und bislang haben sich die Kalifornier immer noch erfolgreich gegen höhere (Grund-) Steuern gewehrt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×