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26.06.2017

14:39 Uhr

Kampf auf Philippinen

Extremisten sollen Geiseln geköpft haben

Im letzten Monat fielen islamistische Extremisten im Süden der Philippinen in die Stadt Marawi ein. Die Offensive des Militärs drängt sie zunehmend in die Defensive. Besonders brutal soll gegen Christen vorgegangen sein.

Philippinen gegen IS

Rebellen benutzen menschliche Schutzschilde

Philippinen gegen IS: Rebellen benutzen menschliche Schutzschilde

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ManilaIn der umkämpften südphilippinischen Stadt Marawi sollen islamistische Extremisten Christen geköpft haben. Die mit der Terrormiliz IS verbündeten Aufständischen hätten seit Ausbruch des Konflikts vor mehr als einem Monat 30 Zivilisten umgebracht, teilte das philippinische Militär am Montag unter Berufung auf befreite Anwohner mit. Diese hatten von mindestens vier Enthauptungen berichtet. Die Armee nahm am Montag wieder ihre Luftangriffe und die Bodenoffensive auf, um die Extremisten aus der Stadt rund 800 Kilometer südlich von Manila zu vertreiben.

Es gebe zahlreiche Berichte, dass die Extremisten alle Christen töteten, die in ihre Gefangenschaft gerieten, sagte Militärsprecher Restituto Padilla dem Radiosender DZMM. Auch kursierten Berichte, wonach Extremisten, die sich ergeben wollten, von den eignenen Kameraden getötet wurden, sagte er.

Abu Sayyaf: Terrorgruppe auf den Philippinen

Die Schwertträger

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten seit den 1960er Jahren für Autonomie. Unter dem Einfluss von Al-Kaida entstand 1991 die Organisation Abu Sayyaf („Schwertträger“), die die Bevölkerung mit Anschlägen terrorisiert und ihren Kampf mit der Entführung von Ausländern und Lösegelderpressungen finanziert. Hochburg von Abu Sayyaf ist die Insel Jolo im Südwesten des Inselstaats.

Lehre bei Osama bin Laden

Ihr Gründer Abdurajak Janjalani ließ sich in Saudi-Arabien zum Islamgelehrten ausbilden, ehe er bei Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Afghanistan in der Lehre ging. Er wurde 1998 bei einem Gefecht getötet. Neuer Chef wurde sein Bruder Khaddafy Janjalani, der aber 2006 bei einem Militäreinsatz ebenfalls starb. Die Organisation formierte sich unter anderen Anführern neu. 2014 schwor sie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue.

Spektakulärste Aktionen

Im Jahr 2000 entführte Abu Sayyaf 21 Touristen von einer Taucherinsel in Malaysia auf die Philippinen. Darunter war eine deutsche Familie, die erst nach Monaten im Dschungel gegen Lösegeld freikam. 2004 starben bei einem Anschlag auf eine Fähre auf den Philippinen 116 Menschen. 2014 entführte sie ein deutsches Paar von seiner Segeljacht und ließ es erst nach Monaten frei. In diesem Jahr wurden zwei Kanadier entführt und enthauptet - angeblich, weil kein Lösegeld gezahlt wurde.

Mindestens 200 Zivilisten sollen noch in dem umkämpften Gebiet eingeschlossen oder bereits in der Gewalt der Extremisten sein. Am Sonntag hatte die philippinische Armee eine achtstündige Feuerpause ausgerufen, damit die muslimischen Einwohner Marawis das Ende des Fastenmonats Ramadan feiern konnten. Die islamischen Extremisten, die zu Hunderten Mitte Mai in Marawi eingefallen waren, halten sich den Armeeangaben zufolge noch in vier Stadtbezirken verschanzt. Das Militär hat die Stadt belagert.

Auslöser des Konflikts war der Versuch der Armee gewesen, am 23. Mai den mutmaßlichen Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat auf den Philippinen, Isnilon Hapilon, festzunehmen. Präsident Rodrigo Duterte verhängte für 60 Tage das Kriegsrecht über die Region.

BRIC: Das Ende der Hoffnungsträger

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Mehr als 400 Menschen starben bisher in dem Kämpfen. Fast 300 davon sollen Extremisten sein, darunter auch mindestens acht ausländische Dschihadisten unter anderem aus Russland, Saudi-Arabien und Tschetschenien. Mehr als 300 000 Einwohner Marawis und benachbarter Orte flohen.

Die Führungsspitze der Extremisten soll laut Armee aber bröckeln, einige Anführer - darunter auch Hapilon - sollen geflohen sein. Doch Sicherheitsexperten warnen davor, dass weitere ausländische Dschihadisten als Unterstützung eintreffen könnten und dort möglicherweise ein IS-Kalifat - ähnlich wie in Syrien und dem Irak - errichten wollen.

Von

dpa

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