Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.02.2015

20:10 Uhr

Kampf gegen Boko Haram

Nigerias Armee meldet Rückeroberung Bagas

Im Norden Nigerias und den Grenzgebieten der Nachbarländer toben heftige Kämpfe zwischen dem Militär und der Terrorgruppe Boko Haram. Nigerias Armee meldete nun einen Erfolg: Die Stadt Baga sei zurückerobert worden.

Nigerianische Soldaten haben Baga nach eigenen Angaben zurückerobert (Archivbild). ap

Nigerianische Soldaten haben Baga nach eigenen Angaben zurückerobert (Archivbild).

LagosDie nigerianische Armee hat die Rückeroberung der Stadt Baga von der Extremistengruppe Boko Haram gemeldet. Bei heftigen Gefechten um die Stadt am Tschad-See im Nordosten Nigerias sei „eine große Zahl von Terroristen“ getötet worden, sagte der Militärsprecher Chris Olukolade am Samstag. Bei einem Angriff im benachbarten Niger töteten Boko-Haram-Kämpfer sieben Soldaten, doch erlitten sie auch selber schwere Verluste.

„Truppen haben heute Nachmittag nach heftigen Gefechten mit Terroristen Baga eingenommen. Schwere Verluste“, teilte das nigerianische Militär mit. Eine unabhängige Bestätigung für die Rückeroberung Bagas gab es nicht. Boko Haram hatte die Stadt am Ufer des Tschad-Sees, an den Nigeria, Kamerun, der Niger und der Tschad grenzen, am 3. Januar eingenommen. Es wird befürchtet, dass die Rebellengruppe dabei hunderte Menschen ermordete.

Olukolade sagte, die nigerianische Armee, die gemeinsam mit Soldaten aus den Nachbarstaaten gegen Boko Haram kämpft, hätten die Waffen- und Materialbestände der Extremisten in Baga zerstört. Darunter seien fünf Flugabwehrgeschütze, Gewehre, mehr als 30 Motorräder und weitere Fahrzeuge gewesen. Die Stadt und zwölf umliegende Ortschaften seien eingekesselt worden, um es den Extremisten zu erlauben, ihre Waffen niederzulegen.

Boko Haram - blutiger Islamistenterror für einen Gottesstaat

Die Terrorgruppe

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram führt im muslimischen Norden Nigerias einen Krieg für einen islamischen Staat.

Ziel

Ihr Ziel ist es, die Scharia (islamische Rechtsprechung) einzuführen.

Ursprünglich eine Sekte

Die Gruppe, ursprünglich als Sekte ins Leben gerufen und seit November 2013 auf der Terrorliste des US-Außenministeriums, soll Kontakte zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern haben. Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen liegen keine gesicherten Informationen vor.

Mehr als 5000 Opfer

Die Boko Haram verübt in dem westafrikanischen Land seit Jahren blutige Anschläge, denen nach Schätzungen bereits über 5000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Mehr Attentate

Anfang 2014 verstärkten die Extremisten ihren Kampf. Seither kam es fast wöchentlich zu Angriffen, Attentaten und Entführungen.

Entführung in Nigeria

Nur in seltenen Fällen – wie bei der Entführung von über 200 Mädchen in der Provinz Borno im April vergangenen Jahres – bekannte sich Boko Haram zu den Taten. Von den Schülerinnen fehlt bis heute jede Spur

Weitere Angriffe

Die Behörden lasten der Gruppe aber zahlreiche weitere Angriffe auf Dörfer, Märkte, Polizeistationen, Schulen, Kirchen und Lokale an.

Vor wenigen Tagen hatte die nigerianische Armee bereits die Garnisonsstadt Monguno etwa 65 Kilometer von Baga eingenommen. Das Militär griff dort sowohl am Boden als auch aus der Luft an. Die Offensive wurde daraufhin in Richtung Baga vorgesetzt. Olukolade sagte, Soldaten hätten auf ihrem Weg dorthin an den Straßen zahlreiche fliehende Boko-Haram-Kämpfer gesehen. Viele von ihnen seien verletzt gewesen.

Boko Haram tötete indes bei einem Angriff im südöstlichen Niger sieben nigrische Soldaten. Bei dem Überfall auf das Dorf Karouga nahe dem Tschad-See habe die Islamistengruppe ihrerseits 14 Kämpfer verloren, erklärte die Armee. Ein Vertreter der tschadischen Sicherheitskräfte sagte, die Angreifer hätten nach dem Überfall über den See in den Tschad zu gelangen versucht, doch habe die Luftwaffe eingegriffen und ihre fünf Boote zerstört.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte während eines Besuchs in der nigrischen Hauptstadt Niamey, Nigeria müsse sich „umfassend“ im Kampf gegen Boko Haram engagieren. Auch wenn die Metropole Lagos oder die Hauptstadt Abuja „sehr weit“ vom unruhigen Nordosten des Landes entfernt seien, sei dies „notwendig“. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan räumte am Sonntag ein, Nigeria habe Boko Haram anfangs „unterschätzt“.

Fabius hatte am Samstag in Tschads Hauptstadt N'Djamena eine Kommandostelle nigrischer, tschadischer, kamerunischer und französischer Streitkräfte besucht, die gemeinsam gegen Boko Haram vorgehen; Vertreter der nigerianischen Armee fehlten jedoch. Die Extremistengruppe hatte in den vergangenen Monaten ihre Angriffe vom Nordosten Nigerias auf die Nachbarländer Kamerun, den Tschad und den Niger ausgedehnt.

Diese entschlossen sich daraufhin zum Eingreifen und entsandten Truppen in ihre Grenzgebiete zu Nigeria. Anfang Februar beschlossen die vier Länder und Benin zudem, eine Eingreiftruppe von 8700 Soldaten gegen die Rebellen aufzustellen, die seit 2009 mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias kämpft.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×