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11.10.2016

20:03 Uhr

Kampf gegen den IS

Engagement der USA nimmt im Irak wieder zu

US-Soldaten hatten sich unter Barack Obama aus dem Irak zurückgezogen. Um den IS aber zurückzudrängen, sind die irakischen Streitkräfte auf Unterstützung angewiesen. Der Einsatz aus den USA wird zunehmend stärker.

Die Anzahl an Soldaten nimmt im Irak vor der Mossul-Offensive wieder zu. dpa

US-Truppen im Irak

Die Anzahl an Soldaten nimmt im Irak vor der Mossul-Offensive wieder zu.

Camp SwiftVor 13 Jahren zählte der Vater von Chase Snow zu den US-Soldaten, die während der US-geführten Invasion zum Sturz von Machthaber Saddam Hussein in die irakische Stadt Mossul einrückten. Jetzt ist Snow als Stabsgefreiter des Heeres im Irak eingesetzt, um bei der Rückeroberung Mossuls von der Terrormiliz Islamischer Staat zu helfen. Der geplante Sturm auf die zweitgrößte Stadt des Landes bringt US-Truppen in ihre bedeutendste Rolle im Irak seit Jahren.

In Vorbereitung der Erstürmung kam es bereits zu Gefechten zwischen einigen US-Soldaten und den Extremisten. Spezialkräfte führen Angriffe an der Seite irakischer Truppen in IS-Gebiet in der Nähe von Mossul aus. Und während sich die irakischen Soldaten nun auf die Rückeroberung der Stadt vorbereiten, hat die Zahl solcher Angriffe zugenommen, wie aus Kreisen der US-geführten Koalition verlautet. Laut Pentagon entsandten die USA zur Unterstützung zudem Kampfhubschrauber, anders als bei der Wiedereinnahme der Städte Ramadi und Falludscha.

Die Zahl der US-Soldaten im Irak ist in den vergangenen zwei Jahren stetig auf aktuell fast 6.000 gestiegen. Nach dem Abzug aus dem Irak 2011 waren fast keine mehr im Land verblieben. Zuletzt wurden im September fast 600 Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Kajara stationiert. Die Einrichtung rund 50 Kilometer südlich von Mossul soll als Ausgangspunkt für den Sturm auf die Stadt dienen. „Man muss Mossul derzeit als das Kronjuwel sehen“, sagt Generalmajor Gary Volesky, Kommandeur der US-Bodentruppen im Irak mit Blick auf die Truppenverstärkung. Die Stationierungen hätten alle das Ziel, den Angriff auf Mossul zu unterstützen.

Waffen in den USA – Zahlen, Daten, Fakten

Meiste Waffen pro Einwohner

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt – von 100 Einwohnern haben statistisch 88,8 eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr. Zum großen Teil seien das weiße, verheiratete Männer über 55 Jahre, ergab eine 2015 im Fachjournal „Injury Prevention“ vorgestellte Studie.

Millionen Schusswaffen in Privathand

Nach Angaben der Organisation Action on Armed Violence sind landesweit rund 270 Millionen Schusswaffen in Privathand. Andere Statistiken gehen sogar von bis zu 310 Millionen aus.

Durcheinander der Gesetze

Das Waffenrecht ist von US-Staat zu US-Staat verschieden; es gibt ein Durcheinander nationaler, einzelstaatlicher und kommunaler Vorschriften. Seit dem 1. Januar 2016 ist in Texas sogar das sichtbare Tragen von Schusswaffen erlaubt, auch bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im Restaurant. Geschäfte und Restaurants dürfen allerdings Kunden mit offen getragenen Waffen den Zutritt verwehren.

Volksrecht Waffenbesitz

Das „Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen“ war 1791 im zweiten Zusatzartikel zur Verfassung verbrieft worden. Das Prinzip galt lange ohne größere Einschränkungen. Auch der Oberste Gerichtshof sprach 2008 den Bürgern ein Grundrecht auf Waffenbesitz zu. Die Richter erklärten ein Gesetz in der Hauptstadt Washington für verfassungswidrig, das Handfeuerwaffen im Besitz von Privatbürgern verboten hatte. 2010 kippte das Gericht auch das strikte Waffenverbot in Chicago (Illinois). Die Urteile wurden als Sieg der einflussreichen Organisation der US-Waffenbesitzer NRA gewertet.

Mächtige Lobby

US-Präsident Barack Obama machte 2013 nach dem Massaker an einer Schule in Newtown (Connecticut) schärfere Waffengesetze zu einem innenpolitischen Hauptanliegen. Entsprechende Initiativen aus dem Weißen Haus scheiterten aber bisher am Widerstand der Waffenlobby.

Außer den Hunderten Spezialkräften arbeiten die meisten US-Soldaten hinter den Frontlinien. Sie koordinieren Luftangriffe der Koalition, geben Informationen weiter und helfen bei der Planung von Aktionen. Der Stabsgefreite Snow aus Tennessee ist wie damals sein Vater bei der 101. Luftlandedivision und berät irakische Offiziere. „Ich weiß, dass mein Vater niemals gedacht hätte, dass ich in den Irak komme“, sagt Snow.

Die US-Präsenz in Stützpunkten nahe Mossul sei vor der Offensive zur Rückeroberung der Stadt essenziell wichtig, sagt Oberst Brett Sylvia, der Befehlshaber von Camp Swift, einem kleinen Koalitionsstützpunkt bei Machmur südöstlich von Mossul. „Wenn man nicht dort ist, hat man keine Stimme“, sagt Sylvia.

Mit Stand von vergangener Woche befanden sich laut Pentagon 4.565 US-Soldaten im Irak. Hinzu kommen weitere 1.500 Soldaten, die dort „vorübergehend im Dienst“ seien und deren Zahl sich täglich ändert. Die Zahl der US-Soldaten erreichte laut Verteidigungsministerium 2008 mit 157.800 unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush ihren Höhepunkt. Als sein Nachfolger Barack Obama 2009 sein Amt antrat, waren es noch mehr als 140.000. Obama verringerte die Zahl, bis mit dem vollständigen Abzug Ende 2011 keine Kampftruppen mehr im Land verblieben. Lediglich einige Hundert US-Ausbilder, überwiegend Zivilisten, harrten zur Unterstützung irakischer Sicherheitskräfte aus.

Als der IS im Sommer 2014 Mossul und weite Teile des Nord-, Mittel- und Westiraks im Sturm eroberte, kehrten US-Truppen zurück. Einige Wochen später kündigte Präsident Obama den Beginn von Luftangriffen gegen den IS an. Damals betonte er, er werde es nicht zulassen, dass die USA „in einen weiteren Krieg im Irak hineingezogen werden“. Doch die Rolle der USA wurde zunehmend stärker, da irakische und kurdische Truppen im Kampf gegen die Terrormiliz weiter auf starke Luftunterstützung angewiesen sind.

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