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05.01.2017

13:01 Uhr

Kampf gegen den IS

Türkei beklagt mangelnde US-Unterstützung

Die Türkei kämpft in Syrien gegen islamistische Extremisten. Nun beklagt sich Ankara über die mangelnde Unterstützung aus den Vereinigten Staaten. Die türkische Regierung glaubt, dass das unter Trump anders wäre.

Sein Sprecher wirft den Vereinigten Staaten keine ausreichende Hilfe im Kampf gegen den IS vor. dpa

Recep Tayyip Erdogan

Sein Sprecher wirft den Vereinigten Staaten keine ausreichende Hilfe im Kampf gegen den IS vor.

AnkaraDie türkische Regierung wirft den USA mangelnde Unterstützung im Kampf gegen islamistische Extremisten in Syrien vor. Während der letzten sechs Wochen habe es keine ausreichende Hilfe des Nato-Verbündeten USA gegeben, beklagte der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag. Dies sei der US-Regierung auch mitgeteilt worden, sagte Präsidenten-Sprecher Ibrahim Kalin im Sender Kanal 24. Man erwarte die volle Unterstützung der Verbündeten im Kampf gegen die Extremisten in der Region um al-Bab, betonte der Sprecher.

Die türkische Regierung habe den Eindruck, dass die türkischen „Befindlichkeiten“ vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump stärker berücksichtigt würden als bislang, fügte er hinzu.

USA und Türkei – eine schwierige Partnerschaft

Gülen

Die Türkei fordert von den USA die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der seit Ende der 1990er Jahre in den USA lebt. Ankara macht Gülen und seine Bewegung für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Aus dem Weißen Haus heißt es, die Begründung des Auslieferungsantrags beziehe sich auf Straftaten vor dem Putschversuch. Außerdem entscheide ein Gericht über die Auslieferung – und das könne Jahre dauern. Ankara hat dafür wenig Verständnis und will, dass Gülen möglichst schnell übergeben wird.

Syrien

Die Prioritäten im Bürgerkriegsland Syrien sind verschieden. Die USA wollen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) besiegen, die Türkei will vor allem kurdische Milizen an einem weiteren Vorrücken hindern. Im Kampf gegen den IS unterstützen die USA ein Bündnis unter Führung der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) – eines Ablegers der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Beide gelten in der Türkei als Terrororganisationen. Die USA erkennt offiziell nur die PKK als solche an und braucht die YPG im Kampf gegen den IS. Auch die Türkei will den IS von ihren Grenzen verdrängen, aber eben nicht mithilfe der syrischen Kurden. Im Gegenteil: Ankara fordert deren Rückzug.

Incirlik

In der südtürkischen Militärbasis Incirlik lagern die USA Atomsprengköpfe. Nach dem Putschversuch und den anschließenden Entlassungen auch im Militär gibt es Diskussionen darüber, ob die Waffen in der Türkei überhaupt noch sicher sind.

Moskau und Teheran

Anfang August legten die Türkei und Russland einen monatelangen Streit wegen des Abschusses eines russischen Kampfflugzeuges bei. Die erste Auslandsreise von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach dem Putschversuch vom 15. Juli ging nach Russland, um sich mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin zu treffen. Beide Seiten zeigen nun demonstrativ Geschlossenheit. Auch an den Iran, der wie Russland den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt, nähert sich die Türkei in der Syrienkrise an. Außenminister Mevlüt Cavusoglu war erst kürzlich in Teheran.

Zuvor hatte der stellvertretende Ministerpräsident Veysi Kaynak die weitere Nutzung des Luftwaffenstützpunkts Incirlik durch Staaten der US-geführten Allianz infrage gestellt. Die Türkei hatte im August eine Offensive auf syrischem Gebiet unternommen, um dort die Islamisten zu bekämpfen und gleichzeitig eine Ausweitung des kurdischen Einflussgebiets zu verhindern. In Incirlik sind auch Soldaten der Bundeswehr stationiert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

05.01.2017, 14:03 Uhr

Alles klar, Erdogan kommt also nicht weiter. Und schuld ist er natürlich nicht selbst!

Und weil die Verbündeten nicht genug unterstützen wollen sie jetzt den Stützpunkt sperren... nur noch schräg...

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