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11.08.2015

22:19 Uhr

Kampf gegen den IS

Türkei und USA streiten über Schutzzonen

Der Kampf gegen den IS verläuft bisher schleppend. USA und Türkei standen am Dienstag kurz vor einer Einigung über Details einer Pufferzone - doch auch diese zieht sich hin. Unterdessen ist der IS auf dem Vormarsch.

Die Schutzzone an der türkischen Grenze soll 98 Kilometer lang und 45 Kilometer breit sein, berichtet ein türkischer Sender. Die USA dementieren die Meldung. dpa

Türkische Panzer auf Patrouille

Die Schutzzone an der türkischen Grenze soll 98 Kilometer lang und 45 Kilometer breit sein, berichtet ein türkischer Sender. Die USA dementieren die Meldung.

IstanbulDie US-Regierung hat einem Bericht widersprochen, wonach sie sich mit der Türkei auf Details einer Pufferzone in Nordsyrien geeinigt hat. Es gebe keine Vereinbarung über irgendeine Art von Zone, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag in Washington.

Der Sender CNN Türk hatte unter Berufung auf Außenstaatssekretär Feridun Sinirlioglu berichtet, dass das Gebiet 98 Kilometer lang und 45 Kilometer breit sein und von gemäßigten syrischen Rebellen überwacht werden soll. Der US-Außenamtssprecher sagte, es gehe darum, die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus der Region zu vertreiben. Amerikanische Diplomaten hatten jüngst erklärt, die Verhandlungen über die Pufferzone dauerten an.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Der IS hat weite Teile Syriens eingenommen und ist zu mächtigsten Rebellengruppe im Bürgerkrieg geworden. Am Dienstag startete er eine nahe der türkischen Grenze eine weitere Offensive.

Die Türkei und die USA hoffen, die Extremisten mit Hilfe von gemäßigten Rebellen von der Grenze zu vertreiben. Diplomaten zufolge sollen 60 von den USA ausgebildete Kämpfer den Kern der Truppe bilden und bei Bedarf Luftangriffe anfordern. Bisher konnten die internationalen Attacken auf den IS wenig ausrichten.

Auch diplomatische Bemühungen für eine Beilegung des Konfliktes verlaufen schleppend. So konnten sich am Dienstag Vertreter von Russland und Saudi-Arabien nicht auf einen gemeinsamen Standpunkt zum syrischen Präsidenten Baschar al-Assad einigen.

Während Russland für eine internationale Allianz gegen den sunnitischen IS unter Einbeziehung Assads ist, lehnt Saudi-Arabien dies ab. "Für Assad gibt es in der Zukunft Syriens keinen Platz", sagte Außenminister Adel al-Dschubeir. Saudi-Arabien ist sunnitisch geprägt, während Assad den Alawiten angehört, die den Schiiten nahestehen. Er wird vom saudiarabischen Rivalen Iran unterstützt.

Von

rtr

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