Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2015

16:32 Uhr

Kampf gegen den Terror

Auch Luftangriffe schwächen IS kaum

Offiziell geben sich die USA zuversichtlich, den IS im Irak und Syrien zurückzudrängen. Intern fällt die Analyse der Geheimdienste jedoch nüchtern aus. Verluste macht die Miliz durch neue ausländische Kämpfer wett.

IS-Kämpfer bewegen sich nicht mehr in Kolonnen, die leicht von Flugzeugen angegriffen werden können. In dem Wissen, dass die Koalition zivile Tote vermeiden möchte, mischen sie sich vielmehr unter Frauen und Kinder. AFP

Irakischer Kampfpilot

IS-Kämpfer bewegen sich nicht mehr in Kolonnen, die leicht von Flugzeugen angegriffen werden können. In dem Wissen, dass die Koalition zivile Tote vermeiden möchte, mischen sie sich vielmehr unter Frauen und Kinder.

WashingtonTrotz der seit einem Jahr geführten Luftangriffe der USA und ihrer Partner auf den Islamischen Staat ist die Terrormiliz nach Einschätzung des amerikanischen Geheimdiensts so stark wie eh und je. Insgesamt sei die strategische Lage festgefahren, lautet die interne Analyse nach Informationen der Nachrichtenagentur AP.

Für die im August 2014 zunächst im Irak und später auch in Syrien gestartete Luftkampagne des Anti-IS-Bündnisses sind inzwischen Milliardenbeträge aufgewendet worden. Nach Angaben der US-Regierung wurden mehr als 10.000 Extremisten getötet. Trotzdem liege die Zahl der IS-Kämpfer nach wie vor bei 20.000 bis 30.000 und damit genauso hoch wie vor den Luftangriffen, sagte ein Verteidigungsbeamter. „Wir haben keine bedeutende Ausdünnung ihrer Zahlen gesehen.“ Verluste würden durch neue ausländische Kämpfer wettgemacht.

Die Luftschläge hätten den Zusammenbruch des Irak verhindert und den Islamischen Staat in Nordsyrien in Bedrängnis gebracht, hieß es. Vor allem die IS-Hauptstadt Rakka stehe unter Druck. Dennoch funktioniere der IS weiter als gut finanzierte extremistische Armee. Zudem habe die Gruppe ihren Einfluss auf andere Länder wie Libyen, Ägypten und Afghanistan ausgeweitet.

Neue Geldquelle für Terrorgruppen: Drogen für den Dschihad

Neue Geldquelle für Terrorgruppen

Premium Drogen für den Dschihad

Ob der Islamische Staat, Al Quaida oder die Taliban – Terrorgruppen haben eine lukrative Einnahmequelle entdeckt: den Drogenhandel. Für die Länder, in denen die Suchtstoffe hergestellt werden, hat das fatale Folgen.

Offiziell vertritt die US-Regierung eine optimistischere Einschätzung. Der Sondergesandte John Allen sagte noch vergangene Woche auf einer Tagung in Aspen: „Der IS verliert“ im Irak und in Syrien. Intern sagen Regierungsexperten jedoch, mit der bisherigen US-Strategie könnte es zehn Jahre dauern, den IS aus seinen Rückzugsgebieten zu vertreiben. Die derzeitige Strategie sieht vor, US-Bodentruppen aus dem Kampf herauszuhalten.

Einige Erfolge hält sich die von den USA geführte Anti-IS-Koalition zugute, die für den Kampf am Boden auf syrische und kurdische Verbündete setzt. Der Islamische Staat habe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 9,4 Prozent seines Territoriums eingebüßt, heißt es in einer Analyse der Konfliktbeobachtungsgruppe IHS. Auch sei das Momentum des rasanten Vormarschs der Terrormiliz vom vergangenen Jahr gebrochen.

In US-Kreisen wird zudem unterstrichen, dass bei einem Einsatz der Spezialeinheit Delta Force im Mai der IS-Finanzier Abu Sajjaf getötet worden sei. Dabei habe man jede Menge Informationen über interne Strukturen und Finanzen der Gruppe erbeutet. Die im Irak festgehaltene Frau Sajjafs habe ausgesagt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×