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09.10.2014

11:21 Uhr

Kampf gegen die IS-Terrormiliz

Türkei schließt selbstständige Bodenoffensive aus

Die Kurden stellen sich in Kobane dem IS entgegen. Die Türkei stellt nun klar, dass sie sich an diesem Bodenkampf nicht beteiligen wird. Doch dass die US-Luftschläge Erfolge bringen, scheint immer unwahrscheinlicher.

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Washington/MürsitpinarDie verworrene Gefechtslage im von der Terrormiliz Islamischer Staat belagerten Kobane nährt die Zweifel an der Wirksamkeit der US-geführten Offensive gegen die Dschihadisten. Zwar konnten am Mittwoch einige der IS-Kämpfer aus der nordsyrischen Stadt hinausgedrängt werden. Doch einen wirklichen Fortschritt gab es nicht.

Nun signalisiert zudem die Türkei, dass sie nicht die Absicht hat, eine Bodenoffensive zu starten. Der Außenminister Mevlut Cavusoglu sagte, das Land werde nicht allein mit Bodentruppen in den Kampf um die von der IS-Miliz bedrohte syrische Grenzstadt Kobane eingreifen.

Ein solcher Schritt sei nicht realistisch, so Cavusoglu am Donnerstag in Istanbul bei einem Besuch von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. „Wir führen Gespräche. Sobald es eine gemeinsame Entscheidung gibt, wird die Türkei nicht zögern, ihre Rolle zu spielen“, sagte der Minister. Der Nato-Generalsekretär zeigte sich wiederum gegenüber türkischer Forderung nach einer Pufferzone ablehnend: Stoltenberg sagt in Ankara, in der Allianz gebe es keine Diskussion über eine Flugverbotszone über Syrien oder eine Pufferzone zum Schutz der Flüchtlinge in dem Bürgerkriegsland.

Die Kurden im Irakkonflikt

Wie viele Kurden gibt es im Irak?

Von den fast 33 Millionen Einwohnern des Iraks sind rund 15 bis 20 Prozent Kurden. Sie stellen neben den arabischen Schiiten und Sunniten die dritte große Volksgruppe im Land. Die meisten Kurden leben im Norden des Landes, wo sie in ihrer Autonomieregion große Unabhängigkeit genießen. Dort haben sie ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung.

Wie ist die Lage in den kurdischen Gebieten?

Während die Sicherheitslage im restlichen Teil des Iraks seit Jahren äußerst schwierig ist, galten die kurdischen Autonomiegebiete bisher als Insel der Stabilität. Die kurdische Hauptstadt Erbil erlebt seit Jahren einen Bauboom. Viele ausländische Firmen nutzen Erbil, um Geschäfte im Irak zu machen.

Welche Rolle spielen Kurden im Konflikt mit IS?

Nach ihrem Vormarsch ist die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zuletzt jedoch näher an die Autonomiegebiete herangerückt. IS-Extremisten vertrieben kurdische Einheiten nördlich und westlich der Stadt Mossul. Die betroffenen Gebiete gehören zwar nicht zur kurdischen Autonomieregion, werden aber von den Kurden beansprucht. Als die irakischen Truppen nach Beginn des IS-Vormarsches Anfang Juni flohen, übernahmen dort zunächst die kurdischen Peschmerga die Kontrolle.

Welche Ziele verfolgen die Kurden?

Die Kurden wollen die verlorenen Gebiete zurückerobern und erhalten dafür Waffen von den USA. Unterstützt werden sie auch von Kämpfern der verbotenen türkischen PKK und deren syrischen Ableger.

Unterstützen Kurden den irakischen Staat?

In der irakischen Machtverteilung steht den Kurden der Posten des Staatschefs zu. Zuletzt trieb der Präsident der Autonomiegebiete, Massud Barsani, jedoch die Unabhängigkeit voran, ein alter Traum der Kurden. Im Machtkampf in Bagdad gehört Barsani zu den schärfsten Kritikern des bisherigen Regierungschefs Nuri al-Maliki.

Indes sind die IS-Kämpfer offenbar innerhalb der Grenzstadt Kobane weiter vorgedrungen. Die IS-Miliz kontrolliert nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als ein Drittel Kobanes. Es handele sich um den gesamten Osten der Stadt sowie kleinere Gebiete im Nordosten und Südosten, sagt der Chef der Stelle, Rami Abdulrahman. Die kurdische Stadtregierung bestritt dies. Die kurdischen Kämpfer und die IS-Miliz ringen seit Tagen um die Kontrolle der strategisch wichtigen Stadt. Die Kurden werden dabei mit Luftangriffen einer von den USA angeführten Allianz unterstützt.

Nach wie vor kontrollierten die Kurden „den größten Teil“ von Kobane, teilte das US-Militärkommando Centcom in der Nacht zum Donnerstag mit. Doch die Kurden verlieren zusehends an Boden. Daran konnte auch das US-Militär mit seinen Alliierten bisher wenig ändern.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

10.10.2014, 11:05 Uhr

Denken die Kurden auch an Ihre Vergangenheit? Wer war am Vülkermord gegen die Armenier beteiligt?

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