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29.11.2015

10:53 Uhr

Kampf gegen Dschihadisten

Spanien duckt sich weg

VonSandra Louven

Nach den Anschlägen von Paris solidarisiert sich die ganze Welt mit Frankreich. Doch Madrid hält sich mit Hilfszusagen an Präsident Hollande zurück. Schuld sind der Wahlkampf – und ein Déjà-vu.

... sind auch in Madrid sichtbar. Ein Polizist sichert den Eingang des El Prado Museums. dpa

Die Folgen des Pariser Terrors...

... sind auch in Madrid sichtbar. Ein Polizist sichert den Eingang des El Prado Museums.

MadridNach den Attentaten in Paris vor zwei Wochen gab es eine Welle von Solidaritätsbekundungen für Frankreich. Auch der spanische Premier Mariano Rajoy rief seinen französischen Amtskollegen Francois Hollande gleich am Tag an, um zu kondolieren. Das aber war der bislang letzte Kontakt der beiden Staatsmänner. Heute werden Sie zwar auf dem Gipfeltreffen der EU und der Türkei in Brüssel aufeinander treffen. Ein bilaterales Gespräch von Rajoy und Hollande ist aber zumindest offiziell nicht geplant.

Während Putin, Merkel und Cameron sich mit dem französischen Präsidenten getroffen und konkrete Militärhilfe gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) zugesagt haben, hält sich die Regierung aus Madrid vornehm zurück. Der Grund: Am 20. Dezember wird in Spanien gewählt und weder Regierung noch Opposition wollen in dem sehr offenen Rennen Wähler verprellen.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Erst am gestrigen Samstag demonstrierten in Madrid Tausende Bürger unter dem Motto „Nein zum Krieg“ gegen eine Unterstützung der Luftangriffe gegen den IS in Syrien. Das Bündnis, das von Künstlern initiiert wurde, zählt im Internet inzwischen 34.000 Unterstützer.

Verbal bietet Spanien seinem Nachbar zwar jedwede Unterstützung an: „Wenn Frankreich um Hilfe bittet, werden wir sie natürlich erteilen“, sagte am Freitag der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz. Madrid stellt sich aber auf den Standpunkt, dass Frankreich erläutern soll, welche Hilfe es genau erwartet. Und das sei bisher noch nicht passiert. Der französische Premierminister Manuel Valls hat allerdings deutlich gesagt, dass er auf ein Angebot aus Madrid wartet.

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Innenpolitisch wächst der Druck auf Rajoy. Der Chef der neuen liberalen Partei Ciudadanos, Albert Rivera, forderte, der Premier solle „aufhören, an die Urnen zu denken“ und eine Entscheidung treffen. Der ehemalige sozialistische Regierungschef Felipe González erklärte: „Es geht nicht darum zu sehen, um was uns Frankreich bittet, lasst uns wie Europäer diskutieren.“ Übel kam bei spanischen Kommentatoren zudem an, dass Rajoy diese Woche im Radio ein Champions-League-Spiel kommentierte, während seine internationalen Amtskollegen sich um eine Lösung im Syrien-Konflikt bemühten.

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