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10.10.2014

20:17 Uhr

Kampf gegen Ebola

EU richtet Luftbrücke in Epidemie-Gebiete ein

In Westafrika breitet sich die Ebola-Seuche aus und noch ist unklar, ob und wann die Epidemie unter Kontrolle gebracht werden kann. Die EU will nun über eine Luftbrücke Hilfsgüter in die betroffenen Staaten bringen.

Freiwillige Helfer in der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown. Die erste Boeing 747 soll rund 100 Tonnen Hilfsgüter von Amsterdam in die Region bringen. AFP

Freiwillige Helfer in der sierra-leonischen Hauptstadt Freetown. Die erste Boeing 747 soll rund 100 Tonnen Hilfsgüter von Amsterdam in die Region bringen.

Amsterdam/BrüsselDie Zahl der registrierten Ebola-Opfer in Westafrika ist auf mehr als 4000 gestiegen. Die drei am stärksten betroffenen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone meldeten bisher insgesamt 4024 Tote und 8376 Erkrankte, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag in Genf mitteilte. Besonders dramatisch ist die Situation weiter in Liberia. Mehr als die Hälfte aller Opfer wurden dort verzeichnet. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Derweil hat die Europäische Union hat eine Luftbrücke in die von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten in Westafrika eingerichtet. Wie ein Kommissionssprecher in Brüssel bestätigte, begann die neue Hilfsaktion am Freitag. Sie sieht Flüge nach Sierra Leone, Liberia und Guinea vor. Die erste Boeing 747 sollte rund 100 Tonnen Hilfsgüter von Amsterdam in die sierra-leonische Hauptstadt Freetown bringen. Seit Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika hat die EU-Kommission nach eigenen Angaben bereits rund 180 Millionen Euro zur Unterstützung der betroffenen Staaten bereitgestellt.

In Guinea gibt es beim Kampf gegen die Seuche nach Auskunft der Organisation Ärzte ohne Grenzen Rückschläge. Vor einigen Wochen habe es zunächst Anzeichen für einen langsamen Rückgang der Neuinfektionen gegeben, der Hoffnungen auf ein absehbares Ende der Epidemie weckte. Doch derzeit erlebe die Hauptstadt Conakry wieder einen starken Anstieg von Ebola-Fällen, erklärte die Organisation. In dem Land begann im Dezember der bislang folgenschwerste Ebola-Ausbruch.

Der Gesundheitszustand des aus Liberia eingeflogenen Ebola-Patienten im Leipziger Klinikum St. Georg war am Freitag unverändert. Es gelte der Stand vom Vortag, hieß es am Freitagmorgen. Die Ärzte hatten den Zustand des 56 Jahre alten UN-Mitarbeiters bei dessen Eintreffen als „hochgradig kritisch, wenngleich stabil“ bezeichnet. Der Mann war am Donnerstagmorgen in Leipzig eingetroffen und wird seitdem auf einer Sonderisolierstation behandelt.

Das ist das Ebola-Virus

Das Virus

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes Fieber aus.

Die Gefahr

Je nach Erregerstamm sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine Impfung noch ein Heilmittel.

Der Übertragungsweg

Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

Die Krankheit

Die Inkubationszeit beträgt zwei Tage bis drei Wochen. Plötzlich setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, es können schwere innere Blutungen auftreten.

Die Gefahrenzone

Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal tauchte es 1976 im Sudan und im Kongo nahe des Ebola-Flusses auf. Ihm verdankt die Krankheit auch ihren Namen.

In Spanien wurde bei der Behandlung einer an Ebola erkrankten Pflegehelferin erstmals das Medikament „ZMapp“ eingesetzt. Eine Lieferung des experimentellen Mittels, dessen Vorräte als weitgehend erschöpft galten, sei aus Belgien gekommen, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf Krankenhaussprecher. Der Zustand der 44-jährigen Patientin sei am Freitag nach der gravierenden Verschlechterung vom Vortag stabil, hieß es. Sie hatte sich bei der Behandlung eines aus Westafrika ausgeflogenen Ebola-Kranken mit dem gefährlichen Virus infiziert. Dies war die erste Ebola-Infektion von Mensch zu Mensch in Europa.

Ebola-Kontrollen wie sie die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick oder mancherorts die USA vorsehen, sind in Deutschland vorerst nicht geplant. Das Screening in London betrifft nur Reisende, die aus von Ebola betroffenen Ländern kommen. Die Passagiere sollen nach ihren Reisedaten und Kontakten sowie nach weiteren Reiseplänen befragt werden. Es gibt jedoch keine Direktflüge aus den Ebola-Regionen nach London.

Selbst am größten deutschen Flughafen in Frankfurt müssen sich Passagiere nicht auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen einstellen. Nach den WHO-Empfehlungen gebe es keinen Handlungsbedarf, sagte Udo Götsch vom Frankfurter Gesundheitsamt.

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