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14.07.2015

14:02 Uhr

Kampf gegen Epidemie

Uno will HIV bis 2030 ausrotten

Ein Drittel weniger Neuansteckungen, 40 Prozent weniger Todesfälle: Der Kampf gegen HIV zeigt laut einem Bericht der Uno Erfolge. Die Welt habe die Epidemie zur Umkehr gebracht, so Generalsekretär Ban Ki Moon.

HIV-Schnelltest in einem afrikanischen Krankenhaus. Der Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids  hat laut einem Bericht der Uno zu 40 Prozent weniger Todesfällen geführt. dpa

HIV-Schnelltest

HIV-Schnelltest in einem afrikanischen Krankenhaus. Der Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids hat laut einem Bericht der Uno zu 40 Prozent weniger Todesfällen geführt.

Addis AbebaDer Kampf der internationalen Gemeinschaft gegen HIV hat zu einem Drittel weniger Neuansteckungen und rund 40 Prozent weniger Todesfällen geführt. Dank der weltweiten Bemühungen seit dem Jahr 2000 steckten sich 30 Millionen Menschen gar nicht erst an und acht Millionen Todesfälle konnten vermieden worden, wie es in einem am Dienstag veröffentlichten Uno-Bericht hieß.

„Die Welt hat es geschafft, die Aids-Epidemie anzuhalten und zur Umkehr zu bringen“, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Unter den acht im Jahr 2000 vereinbarten Milleniumszielen der Vereinten Nationen (Uno) war auch die Bekämpfung der HIV-Epidemie. Das Ziel sei nun sogar schon vor Ablauf der Frist in diesem Jahr erfüllt worden, teilte UNAIDS mit. Dieser Meilenstein zeige, dass die Staatengemeinschaft sich ehrgeizige Ziele setzen und sie erreichen könne, so Ban.

Der nächste Schritt müsse das „ehrgeizige, aber realistische“ Ziel sein, die Epidemie bis 2030 ganz zu beenden, forderte Ban. Dafür müssten die Mittel für den Kampf gegen HIV in den kommenden fünf Jahren von derzeit rund 22 Milliarden US-Dollar um etwa acht bis zwölf Milliarden Dollar pro Jahr erhöht werden, wie es in dem Bericht des Uno-Programms UNAIDS hieß. „Die nächsten fünf Jahre werden entscheidend sein.“ Seit 2000 wurden den UN zufolge weltweit geschätzt 187 Milliarden Dollar in den Kampf gegen HIV investiert.

Kampf gegen Aids - eine Chronologie

1959

Ende der 1950er Jahre entnehmen Ärzte einem Mann im Kongo eine Blutprobe. Jahrzehnte später wird festgestellt, dass sich darin HIV-Antikörper befinden.

1981

Die US-Gesundheitsbehörden melden, dass immer mehr Homosexuelle unter bis dahin seltenen Infektionen und Hauttumoren leiden. Die Erkrankten sollen Sex mit vielen verschiedenen Menschen gehabt haben.

1982

Krankheitsfälle treten auch bei Drogenabhängigen und Blutern auf. Die Krankheit bekommt den Namen Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom). Erste Aids-Diagnose in Deutschland.

1983

Luc Montagnier und seinen Kollegen vom Pasteur-Institut in Paris gelingt es, das Aids-Virus zu isolieren. Montagnier erhält dafür später den Nobelpreis.

1984

Der US-Forscher Robert Gallo entwickelt ein Zellkultursystem und schafft damit die Voraussetzung für die Entwicklung erster Aids-Tests.

1985

Die erste internationale Aids-Konferenz tagt. 27 Millionen deutsche Haushalte bekommen Informationsbroschüren zugeschickt.

1986

Experten bezeichnen den Aids-Erreger einheitlich als HIV (Human Immunodeficiency Virus, Humanes Immunschwächevirus).

1987

Das erste Aids-Medikament AZT wird in den USA und wenig später auch in Deutschland zugelassen. Es kann die Virus-Vermehrung etwas bremsen, Aids aber nicht heilen.

1991

Die rote Schleife (Red Ribbon) wird zum internationalen Aids-Symbol. Queen-Sänger Freddie Mercury stirbt an Aids.

1993

Tom Hanks spielt in dem Film „Philadelphia“ einen homosexuellen und HIV-positiven Rechtsanwalt – und bekommt dafür ein Jahr später den Oscar.

1994

Ein jahrelanger Streit zwischen Frankreich und den USA um die Entdeckung von HIV und die Aufteilung der Gewinne aus dem Verkauf von Aids-Tests wird beendet.

1996

Für Aufsehen sorgt die Entdeckung, dass einige Menschen eine genetisch bedingte, wenn auch nicht vollständige HIV-Resistenz haben.

1999

Schweizer Ärzte haben außergewöhnlichen Erfolg mit der Hochdosis-Kombinationstherapie aus mehreren Aids-Medikamenten (HAART), in der Folge wird diese Strategie zur Standardbehandlung.

2002

Der Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria wird zur Finanzierung nationaler Maßnahmen gegen diese Krankheiten gegründet.

2003

Mit dem Fusionshemmer Enfuvirtid (Handelsname Fuzeon) kommt in den USA und der EU eine vierte Klasse von Aids-Medikamenten auf den Markt, nach den sogenannten Nukleosiden, Protease-Hemmern und Transkriptase-Hemmern.

2008

Luc Montagnier wird gemeinsam mit Françoise Barré-Sinoussi für die Entdeckung von HIV der Medizin-Nobelpreis verliehen.

2010

Barack Obama hebt das in den USA seit 1987 geltende Einreiseverbot für HIV-Positive auf.

2014

Bei dem als geheilt geltenden „Mississippi-Baby“ entdecken Ärzte erneut das HI-Virus. Das Mädchen war kurz nach der Geburt mit drei Medikamenten behandelt worden, nach einem halben Jahr entzog es die Mutter einer weiteren Therapie. Monate später war das Kind dennoch virenfrei gewesen.

Zur Jahrtausendwende stellte HIV in ärmeren Ländern oft noch ein Todesurteil dar. Damals starben dem Bericht zufolge weltweit jeden Tag rund 4300 Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids. Nur 700 000 Betroffene hatten Zugang zu den nötigen Medikamenten. Inzwischen erhalten weltweit 15 Millionen Menschen den Cocktail aus Tabletten, mit dem das HI-Virus langfristig in Schach gehalten werden kann.

Vor 15 Jahren seien die Medikamente „nur für Reiche, nicht für Arme“ gewesen, sagte UNAIDS-Chef Michel Sidibé. Die Lebenserwartung HIV-Infizierter stieg demnach seit 2000 von 36 auf 55 Jahre. Die Zahl der Todesfälle sank von 2 Millionen auf 1,2 Millionen pro Jahr, die Neuansteckungen gingen von 3,1 Millionen auf 2 Millionen zurück. UNAIDS hofft, dass die Zahl der Todesfälle und Neuansteckungen bis 2030 auf je 200 000 zurückgehen wird.

Der Uno-Bericht wurde in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba vorgestellt, wo derzeit rund 5000 Delegierte aus 193 Staaten über eine Finanzierungsstrategie für die neuen globalen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen beraten. Die sogenannten Nachhaltigen Entwicklungsziele sollen ab nächstem Jahr die im Jahr 2000 vereinbarten Millenniumsziele zur Armutsbekämpfung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung ablösen.

In Deutschland zeigt sich seit einiger Zeit die steigende Zahl von Flüchtlingen bei den HIV-Neudiagnosen. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 3525 neue Diagnosen gemeldet - ein Anstieg um 7 Prozent im Vergleich zu 2013, hatte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin kürzlich berichtet. „Ein großer Teil von ihnen stammt aus Ländern, in denen HIV besonders häufig ist“, teilte die Deutsche Aids-Hilfe mit. Die Übertragung habe meistens im Herkunftsland stattgefunden.

Von

dpa

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