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26.09.2014

12:32 Uhr

Kampf gegen Extremisten

IS-Granaten schlagen auf türkischem Gebiet ein

Die Terrormiliz IS rückt in Nordsyrien vor. Offenbar schlugen zwei Geschosse jenseits der Grenze zur Türkei ein. Das erhöht den Druck auf Premier Erdogan. Noch kämpft die internationale Koalition ohne die Türkei.

Die türkischen Soldaten kümmern sich derzeit vor allem um die Flüchtlinge aus Syrien. ap

Die türkischen Soldaten kümmern sich derzeit vor allem um die Flüchtlinge aus Syrien.

DamaskusBei der Offensive der Extremistenmiliz IS gegen die Kurden in Nordsyrien sind Zeugen zufolge zwei Granaten der Extremisten auf türkischem Gebiet eingeschlagen. Die Geschosse gingen am Freitag in einem Weingut nieder. Berichte über Verletzte oder Tote gab es zunächst nicht.

Kämpfer des Islamischen Staates (IS) versuchen, die syrische Grenzstadt Kobani einzunehmen und damit von ihnen beherrschte Gebiete zu verbinden. Dabei konnten sie Fortschritte erzielen: Offenbar eroberten sie einen Hügel in der Nähe von Kobani, den die Kurdenmiliz YPG für Angriffe genutzt hatte. Auf türkischer Seite war Artillerie- und Maschinengewehrfeuer zu hören. „Wir haben Angst. Wir setzen uns ins Auto und fahren heute weg“, sagte der Weingutbesitzer Hüseyin Türkmen.

Die Türkei zögert, sich am internationalen Kampf gegen den IS zu beteiligen. Hintergrund ist zum Teil der Konflikt zwischen der Regierung in Ankara und der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Sie kämpfte drei Jahrzehnte lang für mehr Rechte der Minderheit. Der Kampf um Kobani könnte nun den Druck auf die Türkei erhöhen, gegen die Extremisten härter vorzugehen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Unterdessen hat die von den USA angeführte internationale Koalition in Syrien den zweiten Tage infolge Ölanlagen bombardiert, die von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrolliert werden. Damit soll die wichtigste Einnahmequelle der Extremisten zerstört werden. Angegriffen worden sei unter anderem das Ölfeld Al-Tanak in der Nähe der ostsyrischen Dair as-Saur, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Die Koalition bombardierte demnach auch eine Ölanlage südwestlich der Stadt Abu Kamal an der Grenze zum Irak.

Die Extremisten kontrollieren in Syrien und im Irak mehrere Ölfelder. Das Al-Tanak-Ölfeld gehört zu den wichtigsten in Syrien. Die Terrormiliz hatte es Anfang Juli eingenommen. Die Einnahmen aus dem illegalen Verkauf von Öl sind die Hauptfinanzierungsquelle der Dschihadisten. Laut Pentagon fließen so täglich umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro in die Kassen des IS.

Kommentare (4)

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Herr Woifi Fischer

26.09.2014, 11:38 Uhr

SyrienAllianz bombardiert erneut IS-Ölanlagen!

Es geht den USA und ihrer Ölindustrie, um die Macht über die Ölvorkommen von Syrien und dem Irak.
Das Thema IS ist nur vorgeschoben, denn die Erfinder von IS sind längst bekannt, es sind die USA, England und Israel, sonst niemand.

IS wurde zur Destabilisierung der Nachbarstaaten Israels gegründet, um diese besser unter Kontrolle zu haben.

Herr Thomas Melber

26.09.2014, 12:09 Uhr

Hoffentlich Allianz versichert!

Herr Peter Spiegel

26.09.2014, 12:29 Uhr

Die Türken werden auch böse sein, kein Schwarzgeld mehr für
das IS-Öl...

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